Wir schaffen das

Ihr hättet dabei sein müssen!

Am letzten Mittwoch traf sich wieder der Runde Tisch für die Flüchtlingsarbeit. Und ich habe selten in einem solchen Kreis eine solche Energie gespürt. Anlass war auch der erfolgreiche Abschluss einer Vereinbarung zwischen den Verantwortlichen. Und wo kommt es schon vor, dass eine Flüchtlingsinitiative die Behörde über den grünen Klee lobt, der freie Träger – ASB – die Polizei, und die Behörde meint, das Ganze gelte hamburgweit sowieso schon fast als Leuchtturmprojekt.

Aber da war mehr als Anerkennung, mehr als das Modewort „Wertschätzung“ aussagen könnte. Es war da ein Vertrauen, gemeinsam zu guten Lösungen kommen zu können – ein Vertrauen, das dann in Professionalität überging und nötig war. Denn Probleme gibt es nach wie vor nicht zu knapp.

Hätte Angela Merkel in dieser Runde ihren legendären Satz gesagt: „Wir schaffen das“ – ich vermute, wir hätten sie nur erstaunt angeschaut: What? Natürlich schaffen wir das.

Ihr hättet dabei sein müssen.

pART

Und noch ein wichtiger Hinweis: An diesem Wochenende gibt es in der Handelskammer coole Bilder zu sehen – pART of us, Bilder aus Iran, Syrien und Irak. Von „unseren“ Flüchtlingen.

Beitragsbild: Von Armin Linnartz, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16103982

Wow!

Das war ein Gottesdienst gestern! Das war eine Feier! Für meine Familie und für mich war es ein wunderschönes Erlebnis – und ein bedeutendes noch dazu.

Die Kirche war voll, der Propst hat tolle Worte gefunden (überhaupt der Propst: mit ihm habe ich ja ein besonderes Glück gehabt, dass er mir solche Möglichkeiten eröffnet hat), Kolleginnen und Kollegen (das Glück, gerade diese zu haben, ist nicht geringer) wie der Kirchengemeinderat (einen solchen findet man auch selten) standen an unserer Seite. Viele Menschen aus der Gemeinde, aus dem Stadtteil und darüber hinaus waren da, Freundinnen und Freunde, Familie, und alle toll!

Natürlich darf man damit rechnen, dass es ein wenig emotional wird, wenn man nach 26 Jahren verabschiedet wird. Aber erstens war es ja kein wirklicher Abschied. Wiederholt wurde das Bild der Drehtür gezeichnet: Auf der einen Seite bin ich – aus dem Gemeindepfarramt – rausgegangen, auf der anderen Seite – in das Stadtteilpfarramt – wieder eingetreten. Ich bin geblieben, nur in einer anderen Rolle.

Und zweitens habe ich nicht damit gerechnet, dass es so emotional wird. Vom Kollegen als Freund bezeichnet zu werden und von der Muslima als „mein Pastor“, die herzlichen, ja freundschaftlichen Worte von der Kirchenmusikerin, aus dem KGR und KJA– das sind nur wenige, wenn auch besondere, Beispiele von vielen ganz persönlichen Begegnungen, die mich zu Tränen gerührt haben.

Schließlich habe ich noch ein Anliegen: Zum Fotografieren sind wir nicht so gekommen. Wäre es möglich, mir ein, zwei Bilder zu schicken, zur Erinnerung? Danke. Danke für alles.

Und ein Hinweis: Einige haben nachgefragt, deshalb stelle ich die Predigt unter „Ansprachen & Co – Geschichten“ ein.

Wechsel nach Niendorf

Wochenblatt 7-17„Pastor Thiesen wechselt nach Niendorf“ titelte das Niendorfer Wochenblatt in der vergangenen Woche. Da ist etwas dran, auch wenn – wie diverse Nachfragen zeigten – nicht allen klar wurde, was genau.

Da jederzeit neue Metastasen auftauchen können, macht die Arbeit als Pastor der Kirchengemeinde Niendorf nicht mehr wirklich Sinn. Doch statt mich in den vorzeitigen Ruhestand zu schicken, hat Propst Melzer zusammen mit dem Landeskirchenamt eine Stelle „zur besonderen Verwendung“ eingerichtet. Von den laufenden Aufgaben eines Gemeindepastors bin ich weitgehend befreit. Meine Schwerpunkte liegen nun in den Bereichen Spiritualität, Social Media und Stadtteilarbeit.

Und diesen Übergang feiern wir nun also am kommenden Sonntag um 15 Uhr in der Kirche am Markt: Abschied von der Gemeindearbeit nach 26 Jahren, Neubeginn auf der übergemeindlichen Stelle, Kontinuität als Pastor in Niendorf. Oder, wie Frau Seeland sagte: Ich wechsle nur die Abteilung, nicht die Firma und nicht den Ort.

Und trotzdem ist es ein besonderes Ereignis. Vor allem, weil der Anlass so besonders ist. Und weil Ihr und viele andere uns auf diesem Weg so gut begleitet haben, möchten wir  gerne mit Euch feiern. Es wird dann auch meine erste Predigt nach über einem Jahr sein. Deshalb wird in dieser Woche wohl auch keine Zeit für einen weiteren Blogbeitrag bleiben.

Ob Ihr nun am Sonntag dabei sein könnt oder nicht – Euch allen wünschen wir eine schöne Ferienzeit.

Das Beitragsbild zeigt den Tibarg, Blick Richtung Süden (c) Erik Thiesen

Veränderungen

Aufmerksamen Leserinnen und Lesern des Blogs wird es nicht entgangen sein, dass die Besprechung zum Film „Von Menschen und Göttern“ über ein Kloster in Algerien vor Kurzem online gegangen ist. In einer Szene sagt ein Mönch: „Wir sind wie Vögel. Wir wissen nicht, ob wir weiterziehen.“ Und eine Frau antwortet: „Die Vögel sind wir. Sie sind der Baum. Wenn Sie fortgehen, wo sollen wir Kraft schöpfen?“

Diese Sätze haben für uns jetzt eine besondere Bedeutung bekommen. Denn wir werden zu Vögeln – wir ziehen weiter. Zum Ende des Monats endet meine Zeit als Pastor der Kirchengemeinde Niendorf. Und damit werden wir auch aus der Promenadenstraße ausziehen.

Über 25 Jahre haben wir hier gewohnt und gearbeitet, haben durchaus Höhen und Tiefen erlebt und unsere Wurzeln geschlagen. Beziehungen sind entstanden, so dass oft die Unterscheidung von „Gemeindegliedern“, „guten Bekannten“ und „Freunden“ fließend geworden ist. Und genau das ist es, was uns in diesen Zeiten trägt. Ihr seid der Baum, wo wir Kraft schöpfen.

Die Veränderungen sind tiefgreifend. In diesem Haus sind unsere Kinder aufgewachsen. Ab jetzt, so sagen sie, heißt es nicht mehr: Wir kommen nach Hause, sondern: Wir besuchen unsere Eltern. Wir lieben den Garten, die Straße mit der Nachbarschaft. Es ist ein sonderbares Gefühl, hier wegzuziehen – auch wenn es praktisch nur 1, 2 Straßen weiter ist. Unsere neue Adresse lautet ab Juni: Zum Markt 1. Es ist eine Wohnung direkt über dem Weltladen.

Über 25 Jahre war ich auch mit Leidenschaft Pastor der Kirchengemeinde Niendorf – anfangs ja noch Niendorf Markt. Und auch wenn es mal kriselte und wir uns sogar nach einer Alternative umgeschaut hatten – wir fanden nichts Besseres. Und besonders die letzten Jahre haben unsere Überzeugung bestätigt, dass wir zur besten Gemeinde überhaupt gehören. Die Feste in den letzten Jahren waren dazu noch einmal die Höhepunkte.

Zukünftig werde ich Pastor „zur besonderen Verwendung“ sein, mit einem Schwerpunkt weiterhin in Niendorf. Wie diese Stelle genau ausgestaltet wird, soll in den nächsten Wochen zusammen mit Propst, Kolleginnen und Kollegen sowie Kirchengemeinderat erarbeitet werden. Sie wird den gesundheitlichen Umständen, meinen persönlichen Fähigkeiten und den Bedürfnissen des Stadtteils angepasst werden. Und darauf freue ich mich.

Wir sind gespannt auf den weiteren Weg. Wir bedanken uns für alle Hilfe und Begleitung und wünschen uns, dass wir die Wege, die wir begonnen haben, mit euch und anderen Menschen fortsetzen können – im analogen Leben oder hier im Blog.