Lichtblicke der Woche

Es ist gut möglich, dass die Herrnhuter Losungen besonders dann wirken, wenn das Leben die Wohlfühlzone verlässt und es ernst wird. Wir lesen sie, wenn wir abends unsere Kerzen anzünden und das Vater unser sprechen – und sie haben uns in der letzten Woche besonders beeindruckt. Eine kleine Auswahl:

3. August: Sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen. 2. Timotheus 2,13
4. August: In Gottes Seele ist die Hand von allem, was lebt. Hiob 12,10
7. August: Du nahtest dich zu mir, als ich dich anrief, und du sprachst: Fürchte dich nicht. Klagelieder 3,57
8. August: Du wirst sichere Zeiten haben. Jesaja 33,6
Und schließlich, gestern:
Wandelt auf dem Weg, den euch der HERR, euer Gott, geboten hat, damit ihr leben könnt. 5. Mose 5,33
und: Jesus sprach zum Gesetzeslehrer: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18). Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.

Wir brauchen solche und andere Gedanken und Sätze, die Mut machen. Wir merken gleichzeitig, wie sie einen schweren Stand haben gegen diejenigen, die wir von den Ärzten hören.

Der Menschensohn

Exerzitien 22. Teil, Bingen 2018, die „dritte Woche“.

Im letzten Blogbeitrag machten wir uns auf eine Reise, ins Judäa im Jahre 785 ab urbe condita. Dort finden wir uns jetzt wieder ein – im Kreis der Jünger Jesu. Jesus selbst hatte uns mit einigen Aussagen irritiert, in denen er vom Menschensohn sprach, und war dann weggegangen. Ich hatte Johannes gefragt, ob wir beide ihm nicht folgen und mit ihm reden könnten.

Menschensohn

Die Vision vom Menschensohn nach der Offenbarung

Johannes schaute mich an, ich nickte, und wir standen auf und gingen in die Richtung, in der Jesus verschwunden war. Wir fanden ihn gar nicht weit entfernt auf einem Stein sitzen. Er schaute uns an, als wir näher kamen. Wir setzten uns zu ihm.
„Was war denn das eben?“, fragte ich.
„Sagt ihr es mir“, antwortete Jesus. „Ich kann es auch nicht wirklich erklären.“
„So kenne ich dich eigentlich nicht“, sagte ich. „Ich bin jetzt etwa einen Monat bei euch, und du bist freundlich, positiv, manchmal crazy und besonders, voller überraschender Ideen und oft humorvoll. Zwei, drei Mal war das allerdings anders. Und ich erinnere mich, dass dabei auch der Menschensohn eine Rolle gespielt hat. Einmal hast du die Geistlichen hier sehr provoziert, als du meintest, du könntest Sünden vergeben.“ [Mt. 9,6]
„Als ob du mit Gott in allerdirektestem Kontakt stehst“, ergänzte Johannes. „Wahrscheinlich hat Simon auch an diese Situationen gedacht, als er meinte, du seist Gottes Sohn.“
„Es ist wirklich so“, sagte Jesus. „Es ist, als ob sich eine Tür zu einer anderen Wirklichkeit auftut. Ich habe es auch früher schon erlebt, in Nazareth. Als mir klar wurde, dass ich zum Täufer Johannes an den Jordan gehen musste. Und dann während der vierzig Tage in der Wüste. Aber das kann auch ganz natürliche Ursachen haben. Der Beruf Zimmermann sagte mir nie so zu, da kam die Berufung zum Jordan gerade recht. Und wenn man in der Wüste fastet und betet, dann erscheinen wie von selbst besondere Bilder.“
„Und es sieht so aus“, erwiderte Johannes, „als ob sie eine höhere Wahrheit beinhalten.“
„Ich glaube aber nicht, dass sie von Gott kommen“, sagte ich.
„Und wie erklärst du sie dann?“, fragte Johannes.
„Nun“, sagte ich, „ich denke mir das so: Jesus ist einerseits aufmüpfig gegen die Römer, andererseits konsequent gewaltlos, provoziert die hiesige Geistlichkeit, und die Leute sehen in ihm den Messias, da braucht man nicht mehr viel Phantasie: Die Katastrophe ist vorprogrammiert.“
„Ja“, unterbrach uns Jesus heftig. „Und Simon will sich gegen diesen Weg wehren. Wahrscheinlich will er kämpfen. Und dann verlieren wir alles. Kämpfen ist der menschliche, der normale Weg. Ich aber gehe den Weg der Liebe, und das heißt: der Hingabe.“
„Im Ernst?“, fragte ich. „Ich erinnere mich da aber an ein paar Sprüche, die gar nicht nach Liebe klangen. Du hast einmal gesagt: ‚Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen. Ich bin gekommen, das Schwert zu bringen.‘ [Mt. 10,34] Ist das der Weg der Liebe?“
Jesus schwieg lange. Dann sagte er: „Nein, das ist nicht der Weg der Liebe. Aber wahrscheinlich wird es so sein, dass diejenigen, die den Weg der Liebe gehen, Hass auf sich ziehen. Denn diejenigen, die den Frieden wollen, sind eine große Gefahr für die, die vom Unfrieden profitieren.“
„Aber dann kommt die Auferstehung“, warf Johannes ein.
„Genau“, sagte ich. „Das habe ich erst recht nicht verstanden. Wieso zum Beispiel nach drei Tagen?“
Jesus antwortete: „Beim Propheten Hosea heißt es: ‚Nach zwei Tagen macht Gott lebendig und nach drei Tagen richtet er auf.‘ [Hos. 6,2] Und vielleicht passt doch noch besser das Zeichen des Jona, der drei Tage und drei Nächte im Walfisch blieb.“ [Mt. 12,40]
„Das sind dann aber eher vier Tage, nach unserer Zählung“, gab Johannes zu bedenken. „So ganz will das nicht zusammenpassen.“
„Und heißt auferstehen dann, dass du wieder lebendig wirst und ewig lebst?“, fragte ich Jesus.
„Das wäre ja furchtbar“, entfuhr es ihm.
Johannes überlegte: „Irgendetwas aber geht dann weiter, nach einer kurzen Zeit.“
Wir vermuteten noch dies und das, kamen aber zu keinem gemeinsamen abschließenden Ergebnis.
Nach einer Weile stand Johannes auf und ging zurück zu den anderen. 

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Beitragsbild: Jesus und seine Jünger, von Rembrandt – teylers.adlibhosting.com : Home : Info : Pic, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37648997
Bild im Text: Der Menschensohn, von  Gebhard Fugel (1863-1939) – http://www.johannesoffenbarung.ch/bilderzyklen/fugel.php, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=65392969

 

* Bruno Latour: Jubilieren

Jubilieren - Latour, Bruno„Jubilieren – oder die Qualen religiöser Rede, dazu möchte er etwas sagen, aber es gelingt ihm nicht.“ So beginnt Bruno Latour sein Buch über eine Sprachform, die, wie er meint, früher einmal so viel Kraft entfaltet hat und heute nur noch fade geworden ist. Und er schämt sich. Er schämt sich, weil es ihm nicht gelingen will, das rechte Wort zu finden. Aber er schämt sich auch „dessen, was sonntags, wenn er zur Messe geht, von der Höhe der Kanzeln herab ertönt; aber er schämt sich auch des ungläubigen Hasses oder der belustigten Gleichgültigkeit derer, die über die spotten“. Weiterlesen

Lichtblick der Woche

Tägliches Gleichgewicht

Dem Schmerz nicht weichen
Die Freude auskosten

Der Liebe entgegengehen
Dem Tod ins Auge sehen

Die Zukunft willkommen heißen
Das Vergangene bewahren

Das Kleine schätzen
Das Große nicht scheuen

Mutig reden
Tapfer schweigen

Mit Gott rechnen
Unberechenbar bleiben

 

Dieses Gedicht von Susanne Niemeyer (www.freudenwort.de) haben wir von Waltraud bekommen. Ein herzliches Dankeschön.

* Wissenschaft oder Gott

2. Teil der Reihe über den Atheismus – siehe in der Themensuche unter „Kirche im Dialog“

Für mich ist die Wissenschaft das Maß aller Dinge, wenn es darum geht, diese Welt zu erklären. Die „Schulmedizin“ ziehe ich der Homöopathie vor, die Naturgesetze hinterfrage ich nicht, und wenn es irgendwelche Phänomene gibt, die man noch nicht erklären kann, dann sind es eben Phänomene, die man noch nicht erklären kann – und keine Geister, Wunderheilungen oder Gotteserscheinungen. Weiterlesen