Lichtblick der Woche

Dieser Geburtstag ist etwas ganz Besonderes. Natürlich in erster Linie euretwegen, die ihr mich so wunderbar begleitet. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Dann aber auch: Im letzten Jahr in Mainz habe ich drei Wünsche formuliert, und ich wusste nicht, ob sie in Erfüllung gehen würden:

  1. Ich wollte Hamburg wiedersehen. Das habe ich vor fast genau einem Jahr schon.
  2. Ich wollte meinen 60. feiern. Das habe ich heute, und bei besserer Gesundheit als ich zu hoffen gewagt hatte.
  3. Ich möchte mit Ute die Route 66 fahren. Daran arbeiten wir. Den Reiseführer habe ich schon durchgelesen.

Heute war ein guter Tag.

Glaubenswahrheiten

Es war Ende der 80er Jahre. Gerade war das Buch von Uta Ranke-Heinemann „Eunuchen für das Himmelreich“ erschienen, in dem sie die Sexuallehre der katholischen Kirche scharf anprangerte und damit einigen Wirbel auslöste. Ich sprach damals darüber mit einem katholischen Theologiestudenten, und er sagte: „Was Ranke-Heinemann behauptet, ist falsch.“ Ich fragte ihn, woher er seine Information habe. Er meinte: „Die Kirche sagt es.“ Ich fragte: „Aber wenn die Fakten im Buch stimmen?“ Darauf er: „Dann ist es trotzdem falsch, weil die Kirche es so sagt.“ Er meinte es ernst. Und ich dachte: Das nenne ich mal ehrlichen Kadavergehorsam.

Ein Sprung in die Gegenwart. Gestern sagte mir eine Freundin: „Dein Blog sorgt auch zwischen mir und meinem Mann für Gesprächsstoff. Er sagte letztens, als wir uns darüber unterhielten: Ist dir eigentlich bewusst, dass du gerade die Auferstehung leugnest?“ Und ich dachte: Super, wenn dieser Blog diese Wirkung hat.

Dabei geht es mir keineswegs darum, dass jemand an seiner eigenen Kirche irre wird. Oder gar die Auferstehung in Zweifel zieht. Und doch: Wenn ich nur glaube, weil ein Papst es sagt oder weil es in der Bibel steht, dann glaube ich nicht selbst, sondern ich lasse glauben. Das gilt auch, wenn ich freiwillig auf das Denken und Erleben verzichte und mich auf andere verlasse.

Glauben ist für mich nicht das Fürwahrhalten dessen, was andere erlebt und gedacht haben. Der Theologe Lothar Steiger hat einmal geschrieben: „Glaube ist Suche nach einer verlorenen Geschichte.“ (Erzählter Glaube, 1978)

Im letzten Sommer glaubte ich endlich meine Geschichte gefunden zu haben. Es war eine Geschichte voller Leben und Freude, Erfolg und Dankbarkeit, Demut und Heilung, Spiritualität und Stille. Es war ein langer Weg dorthin.

Und dann verlor ich sie wieder mit einem Schlag an den Krebs. Seitdem bin ich wieder auf der Suche nach dem, was trägt. Nach Hoffnung auf eine Zukunft. Nach einem Gott, der uns endlich ein bisschen Ruhe gönnt. Und auch wenn dieser Gott uns schon einige Male enttäuscht hat, ich erwarte von ihm noch etwas. Noch eine ganze Menge Leben, wie Konstantin Wecker es einmal ausgedrückt hat. Ist das nicht ein anderes Wort für Auferstehung?

Nein, ich stelle die Auferstehung Jesu nicht in Frage. Ich halte sie für eine gute Geschichte. Eine Geschichte, die ich für mich, für uns wiederfinden möchte.

Lichtblick der Woche

Eine gute Geschichte

Wir haben Verwandte in der Nähe von Chemnitz. Und obwohl sie selbst seit vielen Jahren mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben, waren sie für uns ein Lichtblick in der vergangenen Woche. M. erzählte am Telefon: „Meine Mutter hatte auch Krebs. Sie musste sich vielen Therapien unterziehen. Und die waren hart, damals in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Aber sie verlor nie den Mut. Nie. Und sie lebte noch 42 Jahre.“

Das tat gut. Genau wie das kurze Gespräch gestern in der onkologischen Praxis: „Wissen Sie“, sagte eine Frau, „vor fünf Jahren bekam mein Mann Krebs. Die Ärzte gaben ihm noch drei Jahre. Er lebt immer noch. Und wir nehmen jeden Tag, wie er ist.“

Solche Geschichten erzählen vom Leben. Sie machen uns Mut. Danke, für jede gute Geschichte, die ihr uns erzählt.

Das Beitragsbild ist ein Ankh-Kreuz und ist in der ägyptischen Mythologie wie in der koptischen Kirche ein Symbol für das (ewige) Leben. 

Lichtblick der Woche

Jesus sagt: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.
(Johannes 14, 19)

Dieser Lichtblick ist den Seelsorgern, Psychologinnen und Ärzten gewidmet, die uns in den vergangenen beiden Wochen wirklich geholfen haben. Danke, Sie haben uns Türen zum Leben geöffnet.

Und das Prisma hat uns Regina S. geschenkt.