WM-Aus: Söder hat Schuld

digWährend der Exerzitien hatten wir einen eigenen Blick auf die WM – zeitversetzt und als Standbild bzw. als Nachricht aus der Zeitung. Und während die Nation noch nach den Verantwortlichen für das Debakel suchte, stand für mich sofort fest: Söder hat Schuld. Nicht, dass er nun für alles Schlechte in der Welt verantwortlich wäre, obwohl er sich wirklich alle Mühe gibt. Aber dafür schon.

Angefangen hat es aber nicht mit ihm, sondern mit Gauland, der Boateng nicht als Nachbarn haben wollte. Und seinen Höhepunkt fand es mit dem Shitstorm, den Özil und Gündogan bei Erdogan ausgelöst haben. Und dazwischen war die klare Stellungnahme der CSU, dass der Islam, in welcher Form auch immer, nicht zu Deutschland gehöre. Damit war zumindest Özil, der seinen Glauben bewusst praktiziert, schon einmal raus. Von Gündogan weiß ich das nicht so genau.

Wie ich überhaupt von den beiden nichts weiß – warum sind sie zu Erdogan mit ihrem Trikot, stehen sie immer noch dazu, solche Fragen. Wie lebt es sich, wenn man sich als türkischer Deutsche oder deutscher Türke fühlt? Und dann noch in der Nationalmannschaft spielt? Das wären spannende Fragen, auch wichtig für die Frage nach Integration überhaupt.

Aber die durften ja nicht reden. Wahrscheinlich ein Maulkorb vom DFB. Es ginge ja nur um Fußball, meinte Bierhoff.

Quatsch. Beim DFB geht es nie nur um Fußball, sondern ebenso um Geld, Macht und Einfluss. Bei der FIFA sowieso. Da dürfen sich alle möglichen Verantwortlichen mit allen möglichen Diktatoren dieser Welt ablichten lassen und kriegen auch noch viel Geld dafür.

Ich halte es für gut möglich, dass Özil & Co. in Russland zumindest unbewusst gedacht haben: Sollen sich die Leute in Deutschland doch gehackt legen. Ich verdiene mein Geld sowieso woanders, Weltmeister bin ich schon, und ich will endlich Urlaub.

Dass es anders geht, kennen wir vom Sommermärchen und aus Brasilien, als alle, wirklich alle Spieler fraglos „zu uns“ gehörten. Insofern stimmt Merkels Satz nicht ganz: Wir schaffen das. Genauer müsste er heißen: Gemeinsam schaffen wir das.

Und es stimmt also auch nicht ganz, dass Söder am WM-Aus alleine Schuld ist. Der DFB auch.

Der Pate und der Islam

Man muss nicht das Islambild der Beatrix von Storch von „barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden“ teilen, um Parallelgesellschaften skeptisch gegenüber zu stehen. Wie sie entstehen oder zumindest gefördert werden, habe ich auch vom Film „Der Pate I“ gelernt, gleich am Anfang:

(Die Synchronisation ist ungewohnt, das Original hier anzuhören.)

Integration gelingt nur da, wo die Minderheiten das Gefühl haben, nicht benachteiligt zu werden – ökonomisch, juristisch, religiös, wie auch immer. Deshalb: Der Islam gehört zu Deutschland – genauso wie die Bayern oder die AfD-Anhänger, die ja auch z.T. merkwürdige Traditionen und eine Tendenz zur Abschottung haben.

Übrigens: Differenzierter noch setzen sich mit dem Thema Parallelgesellschaften Wikipedia, ein Interview im Spiegel und ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung auseinander.

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Zum Beitragsbild: Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Rainer Zenz als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). –  CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=925746