Aussichten

Aus aktuellem Anlass

Heute habe ich mir zum ersten Mal die Liste der Nebenwirkungen meiner Chemo-Medikamente durchgelesen. Nun weiß ich, warum ich mich fühle, wie ich mich fühle. Es ist schon ein rechtes Teufelszeug, das mir wöchentlich durch die Adern gejagt wird. Und die letzten Wochen waren durchaus anstrengender als ich gehofft hatte.

Andererseits: Wenn ich bedenke, was alles so auf den Beipackzetteln steht – es hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Und die letzten Nachrichten aus der PET/CT haben ja gezeigt, dass die Metastasen ebenfalls beeindruckt sind.

Die Aussichten sind jedenfalls gemischt. Nach Weihnachten beginnt der letzte Zyklus von drei Wochen; das wird sicher auch kein Spaß. Aber auch hier gibt es ein andererseits, eigentlich sogar zwei.

Das nächste Ereignis, dem ich mit Spannung entgegensehe, ist der Gottesdienst in der Christnacht. Nachdem es mir heute besser geht als in den letzten Tagen, bin ich ganz zuversichtlich, die nötige Kraft zu haben. Und der Prince of Peace ist nicht nur das Thema der Predigt, sondern hat uns ja auch schon in einem Blogbeitrag und bei „Zwischen Himmel und Erde“ beschäftigt.

Und dann freue ich mich schon darauf, dass Mitte Januar Schluss ist mit der Chemo. Danach folgt dann die sogenannte „Erhaltungstherapie“. Die verspricht nicht annähernd so anstrengend zu werden.

Und danach, so habe ich Ute schon angekündigt, würde ich gerne noch einmal in die Sonne.

Lichtblick der Woche

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.

Die letzte Woche war hart, und die Nebenwirkungen der Chemo waren sehr viel anstrengender als gedacht. Spaß gemacht aber hat die Diskussion um den Predigttext für die Christnacht auf „Zwischen Himmel und Erde“. Und der Text selbst macht Mut:  „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.“ (Jesaja 9, 1)

Im Gottesdienst wird diesen Song Prince of Peace der Niendorfer Gospelchor ReJoyce singen. Hier gibt es schon einmal eine Version zum Warmhören:

The people who walked in darkness have seen a great light: light has dawned upon them, dwellers in a land as dark as death. For a boy has been born for us, a son given to us to bear the symbol of dominion on his shoulder; He shall be called, in purpose wonderful, in battle God like, Father for all time, Prince of peace. Great shall the dominion be, and boundless the peace bestowed on Davids throne and on his kingdom, with justice from now and for evermore. The zeal of the Lord of Hosts shall do this. (Jesaja 9, 1.5-6)

Und viele haben sicher auch den Chor aus Händels „Messiah“ im Ohr:

 

Der Lichtblick für die Woche

war der Gottesdienst am vergangenen Sonntag. Die Gemeinschaft, der Zuspruch, die Reaktionen. Es tut einfach gut, in dieser Gemeinde zu sein.

Und es zeigt auch: Ein Blog kann einen Gottesdienst nicht ersetzen. Umgekehrt aber auch nicht.

Der Kümmerer

Das war ein besonderer Gottesdienst, ein besonderer Predigttext – Markus 1,32-39 -, ein besonderer Zeitpunkt – einen Tag vor Beginn der Chemo – und eine besondere Gemeinde. Besonders auch, dass Daniel Birkner, Kollege und Freund, die Liturgie übernahm. Aber ebenfalls, und das fehlte mir, dass ich wegen der Infektionsgefahr auf die Verabschiedung am Ausgang verzichten musste.

Begrüßung

Herzlich willkommen, liebe Gemeinde, zu diesem Gottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis. Es ist ein besonderer Gottesdienst. Denn das Leitmotiv ist ein Vers aus dem Propheten Jeremia: „Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen; denn du bist mein Ruhm.“

Morgen beginnt meine Chemotherapie. Heil werden, gesund werden, das gehört zu meinen größeren Wünschen. Und ich gehe davon aus, dass ich damit nicht alleine bin. In der einen oder anderen Weise tragen wir ihn alle in uns. Aber wir machen auch die Erfahrung: So einfach ist er nicht zu verwirklichen. Auch nicht für Menschen, die auf Gott vertrauen wie der Prophet selbst. Was kann das also bedeuten, auf dem Hintergrund dessen, dass von Jesus gesagt wird: „Jesus zog durch ganz Galiläa. Er heilte alle Krankheiten und vertrieb die Dämonen“? Weiterlesen

Erik Flügge: Der Jargon der Betroffenheit

fluggeWie die Kirche an ihrer Sprache verreckt.

Damit hat Erik Flügge einen Nerv getroffen. Und man redet über ihn. Hart geht er mit der Kirche und ihren Geistlichen ins Gericht: „Verschrobene, gefühlsduselnde Wortbilder reiht ihr aneinander und wundert euch, warum das niemand hören will. Ständig diese in den Achtzigern hängen gebliebenen Fragen nach dem Sein und dem Sinn, nach dem wer ich bin und werden könnte, wenn ich denn zuließe, dass ich werde, was ich schon längst war. Hä?“ – Weiterlesen