So steht’s mit uns

Es sind wieder besondere Wochen. Zwei OPs so kurz hintereinander zehren an den Kräften. Aber sie sind ganz gut gelaufen, so dass wir schon an die nächsten Schritte denken können.

Die werde ich allerdings in den nächsten Tagen eher buchstäblich auf Krücken gehen können. Aber es geht voraussichtlich Montag schon gleich weiter mit der Immuntherapie und im Laufe der nächsten Woche mit den Bestrahlungen im Rücken und jetzt auch im Fuß. Die werden dann drei Wochen dauern.

Die Strahlenexpertin meinte, dass wir dann erst nach Weihnachten wieder unterm PET/CT prüfen, wie sich der Tumor bewegt. Das heißt: Wenn nichts Besonderes passiert, könnten wir bis dahin erst einmal Ruhe haben.

Medizinisch gesehen können Bestrahlung und Chemo den Krebs nur aufhalten – und wie schnell er wachsen kann oder wiederkommt, haben wir ja gesehen. Aber wir setzen auch immer noch Hoffnung in die Immuntherapie. Sie hat bisher zwar nicht angeschlagen. Aber es gibt durchaus Fälle, in denen die Bestrahlungen helfen, das Immunsystem wach zu küssen.

Vor allem aber möchten wir die Zeit nutzen: Sonntag in einer Woche ist Predigtzeit, die Bingen-Blogs warten auf Komplettierung, weitere Ideen sind auf dem Weg. Außerdem habe ich es schon viel zu lange aufgeschoben, mit dem einen oder der anderen von Euch auf unserer Terrasse zu sitzen. Das werden wir angehen, wenn ich mich ein wenig erholt habe. Und es ist gut, dass wir – nicht zuletzt über diesen Blog – mit Euch verbunden sind.

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Bild: Blick aus einem der Fenster der Station H9 – Blick Richtung Südwesten © Erik Thiesen

Zungenrede und Prophetie

In der Kirche wird viel geredet. Dabei Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden ist eine bleibende Aufgabe. Schon Paulus hat diese Frage beschäftigt, zum Beispiel im 14. Kapitel des 1. Korintherbriefs. Davon sind die Verse 1-3 und 20-25 die Grundlage der Predigt gewesen, heute am 2. Sonntag nach Trinitatis. Eine Gelegenheit, sich ein paar Gedanken um das Reden im Gottesdienst – und darüber hinaus – zu machen.

 

Liebe Gemeinde!

Mit den Konfis habe ich seinerzeit jedes Jahr auch einen afrikanischen Gottesdienst besucht. In den letzten Jahren war ich hier am Sootbörn bei den Adventisten. Dort wird viel gesungen, lebendig gepredigt, und die Gemeinschaft ist beeindruckend. Noch bunter ging es allerdings bei den Lutheranern am Berliner Tor zu, die wir davor besuchten. Bei den Liedern tanzten Frauen durch die Bänke, ein Mann versuchte die Konfis wenigstens zum Klatschen zu animieren, was diese sichtlich überforderte. Und einmal fing einer an, in einer hohen Stimmlage zu reden. Und das war weder deutsch noch englisch noch Suaheli. Erst langsam erkannte ich: Der redet in Zungen, ein ekstatisches Gebet, das sonst keiner versteht. Weiterlesen

Ist da was?

Es sind schon sehr beeindruckende Geräte, die da im Gebäude O26 im UK Eppendorf  stehen: Röntgengerät, CT, PET/CT, MRT, Linearbeschleuniger – und das sind nur die, die ich bis jetzt kennengelernt habe. Das Ganze hat etwas von Science Fiction und erinnert an Stargate oder StarTrek. Und Hamburg ist da sicher auf dem neuesten Stand der Technik.

Beeindruckend übrigens auch die Zahlen auf den Rechnungen aus diesem Haus.

Und trotzdem bleibt die Unsicherheit. Auf dem PET/CT kann man zwar erkennen: An der Wirbelsäule, knapp über dem ersetzten Wirbel, da ist was. Aber was? Die Expertinnen und Experten sind sich da keineswegs einig. Weiterlesen

Borkum

Urlaub, das klingt nach Sonne, Strand und nicht arbeiten müssen. Normalerweise.

Urlaub, das klingt für uns nach Sonne, Strand und unbeschwerter arbeiten können. Denn wir gehen raus aus unseren normalen Lebensumständen und versuchen, die Gedanken an Arztgespräche und Therapien in den Hintergrund treten zu lassen. Wir lassen uns den Wind um die Nase wehen, hören das Meer rauschen und kommen einfach auf andere Gedanken. Weiterlesen

Plattdüütsch in de Kark

Meine erste Fremdsprache ist nicht Englisch, sondern Plattdeutsch. Ich bin in einer plattdeutschen Umgebung groß geworden. In Angeln sprachen fast alle Verwandten, Nachbarn und Freunde untereinander platt – wenn sie meiner Eltern- oder Großelterngeneration angehörten. Mit uns sprach man Hochdeutsch. Wir sollten in der Schule keine Nachteile haben. In Nordfriesland übrigens sprachen auch die Jugendlichen miteinander platt.

Mein Plattdeutsch hat einen hochdeutschen Akzent. Das spielt aber heute in Hamburg keine große Rolle und ist auch nicht der Grund, dass ich in den vergangenen Jahrzehnten mit plattdeutschen Gottesdiensten und Ansprachen eher sparsam umgegangen bin. Weiterlesen

Das „Eigentliche“

Die Verwaltung der Gemeinde hat mich damals ganz schön in Atem gehalten. Und sie hätte gut und gerne auch ein Fulltime-Job sein können. Aber da waren ja auch noch die anderen Aufgaben – eigentlich die „eigentliche“ Arbeit im Pfarramt: Seelsorge und Konfirmandenunterricht, Gottesdienste aller Art, incl. der sogenannten „Kasualien“: Taufe, Trauung und Beerdigung. Und die Seniorenarbeit. Und der Kindergarten. Nicht zu vergessen Hauskreise und Diskussionsveranstaltungen wie „Forum Kirche“. Pastorenkonvente und ökumenische Treffen.

Manchmal war es schwer, zwischen Pflicht und Kür zu unterscheiden. Aber hätte ich „nur meine Pflicht getan“ – ich hätte wahrscheinlich schnell den Spaß am Beruf verloren. Weiterlesen

Ein neues Jahr

An diesem Wochenende endet offiziell die Chemotherapie. Montag geht es in die PET/CT, und ein paar Tage später werden wir wissen, was sie gebracht hat. In Zukunft geht es dann in erster Linie darum, den Status zu halten. Die Hoffnung geht dahin, dass die Metastasen in den nächsten Jahren nicht größer werden. Dazu dient dann auch die „Erhaltungstherapie“ – alle 14 Tage bekomme ich weiterhin das Antikörpermedikament. Das wird die Haut wahrscheinlich weiter belasten. Aber mein Allgemeinzustand soll sich nun kontinuierlich verbessern.

Das neue Jahr kann also beginnen. Und es beginnt mit einem Gottesdienst. Übermorgen. Gemeinsam mit Daniel Birkner. Und Euch? Über den Bibeltext 1. Korinther 2, 1-10 – Von der menschlichen und der göttlichen Weisheit – haben wir uns schon im kleineren Kreis „Zwischen Himmel und Erde“ ausgetauscht. Wer das nächste Mal auch mitmachen will, meldet sich ganz einfach bei mir und bekommt das Passwort.

Ich freue mich aber in jedem Fall darauf, dass ich die Quarantäne der letzten Wochen in Zukunft deutlich lockern kann und die Chance steigt, dass wir uns (wieder) persönlich begegnen. Am Sonntag allerdings werde ich nach dem Gottesdienst noch nicht wieder an der Kirchentür stehen können.