Insel des Glücks

Es traf mich völlig unvorbereitet, ein oder zwei Nächte, nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen worden war. Ich lag wach, vielleicht wirkte das Dexamethason noch nach. Ich suchte nach einer Position, in die ich meinen Kopf schmerzfrei legen konnte und fand sie. Und dann geschah es.

Mich durchströmte ein Glücksgefühl, wie ich es lange nicht gekannt habe. Ich achtete auf meinen Körper – er hatte keine Schmerzen. Ich sah das Zimmer im Dämmerlicht – hier war ich zuhause. Ich fühlte Utes Nähe und dachte an die Menschen um uns herum. Ich war geborgen, und alles war gut. Ich wusste um all die Umstände, die unser Leben prägen. Aber sie spielten in dem Moment keine Rolle.

Am nächsten Morgen war ich wieder normal. Der Körper machte die normalen Probleme, ich war normal gut drauf, und der Säbelzahntiger war der zuverlässige Begleiter, der sich auch ungefragt immer mal wieder in Erinnerung brachte. Der Alltag hatte mich wieder.

In der nächsten Nacht waren die äußeren Bedingungen die gleichen. Aber dieses besondere Gefühl stellte sich nicht ein. Ich hatte es auch nicht wirklich erwartet. Denn natürlich weiß ich, dass ich das Glück weder machen noch festhalten kann. Ich weiß auch aus Erfahrung, dass ich jederzeit auch aus unbedeutendem Anlass in ein Stimmungsloch fallen kann.

Und mir ist sehr bewusst, dass diese Momente aus vielen Facetten zusammengesetzt sind. Es geht uns in vielerlei Hinsicht einfach gut – wenn nur nicht der Tiger ständig um die Ecke schauen würde. Er ist dafür verantwortlich, dass uns eine gewisse Leichtigkeit im Leben verloren gegangen ist.

Umso wichtiger ist für mich das Erlebnis in jener Nacht. Ich weiß nicht, ob es je wiederkommt. Aber ich weiß, dass ich mich daran erinnern kann. Diese Erinnerung möchte ich festhalten. Und ich weiß, dass solche Erlebnisse überhaupt noch möglich sind.

Es sind diese Erinnerungen, es ist diese Hoffnung, die uns das Gefühl geben: Da geht noch was!

Unbeschwert laufen

Ich träumte, dass ich an der Kirche vorbei unbeschwert ins Gehege laufe – und fragte mich noch im Traum, was an dieser Szene nicht stimmte. Und als ich aufwachte, wusste ich es natürlich: Das letzte Mal, als ich unbeschwert gelaufen bin, war am 15. März 2015. Der Tag, an dem man mir sagte, ich hätte eine „Raumforderung“ im Rachen – zu deutsch: Krebs. Seitdem bin ich nie mehr 7 km am Stück gelaufen – für jemanden, der sich als „aktiven Nichtsportler“ beschreibt, eine Marathon-Strecke.

Heute bekomme ich Atemnot, wenn ich nur etwas zügiger spazieren gehe. Und ich kann manches Positive in meinem Leben heute entdecken – Unbeschwertheit gehört allerdings nicht mehr dazu. Weiterlesen

(Keine) Neuigkeiten

Medizinische Diagnose: „Links hilärer Lymphknoten mit 1,9 cm im Durchmesser.“ Das heißt auf deutsch: Ein böses Mistding irgendwo an der Lungenwurzel (dass es sowas überhaupt gibt, war uns auch neu), nicht wirklich zu operieren. Ob Bestrahlung möglich und sinnvoll ist, wird in einer Woche entschieden. Gestern haben wir uns schon mal die „Beipackzettel“ einer Chemo- und – für einen Halstumor noch unausgereiften – Immuntherapie angehört und fragten uns danach, ob wir das so genau wissen wollten. Das war zumindest nichts für die gute Laune. Weiterlesen