Lichtblick der Woche

In wenigen Stunden werden wir das Ergebnis der PET/CT erfahren. Und es ist gut möglich, dass es gar nicht nach unseren Wünschen ausfällt. Doch auf unserer Seite stehen:

  • Dr. A.M. mit seinen hochqualifizierten Teams aus der Onkologie, Radiologie, Orthopädie… im UKE, in Schnelsen und Mainz,
  • Dr. A.K., der in seiner Firma zurzeit an einem Gegenmittel gegen diesen Krebs arbeitet,
  • die Psychologinnen Dr. S.M. und Dr. J.S., die unseren Geist immer wieder aufrichten,
  • Partner*in und Kinder, die uns wunderbar tragen,
  • der Pastor F.P., der unsere Seele ausrichtet,
  • die Kolleginnen und Kollegen, die unsere Arbeit machen, wenn unsere Kraft nicht reicht,
  • Vorgesetzte, die unsere Arbeitsstellen an unsere Möglichkeiten anpassen und
  • das riesige Netzwerk in Familie, Freundeskreis und Gemeinde, die uns eine Wohnung besorgen, sie einrichten, mit uns feiern und fühlen, für uns beten, uns Lichtblicke schenken und umarmen.

Nach menschlichem Ermessen hat der Krebs auf Dauer keine Chance.

Das göttliche Ermessen ist schwerer einzuschätzen. Einerseits hat da jemand geschlafen, als ein paar üble Zellen in meinem Körper auf Reisen gingen, sich häuslich niederließen und Nachkommen zeugten. Andererseits ist in den letzten Monaten und Jahren soviel passiert, was mit „Zufall“ nicht mehr zureichend erfasst werden kann.

Im Brief, den ich jetzt von meiner Tante bekam, stand die Zusage Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20) Dann gehen wir es mal gemeinsam an, mit Jesus an unserer Seite.

Wow!

Das war ein Gottesdienst gestern! Das war eine Feier! Für meine Familie und für mich war es ein wunderschönes Erlebnis – und ein bedeutendes noch dazu.

Die Kirche war voll, der Propst hat tolle Worte gefunden (überhaupt der Propst: mit ihm habe ich ja ein besonderes Glück gehabt, dass er mir solche Möglichkeiten eröffnet hat), Kolleginnen und Kollegen (das Glück, gerade diese zu haben, ist nicht geringer) wie der Kirchengemeinderat (einen solchen findet man auch selten) standen an unserer Seite. Viele Menschen aus der Gemeinde, aus dem Stadtteil und darüber hinaus waren da, Freundinnen und Freunde, Familie, und alle toll!

Natürlich darf man damit rechnen, dass es ein wenig emotional wird, wenn man nach 26 Jahren verabschiedet wird. Aber erstens war es ja kein wirklicher Abschied. Wiederholt wurde das Bild der Drehtür gezeichnet: Auf der einen Seite bin ich – aus dem Gemeindepfarramt – rausgegangen, auf der anderen Seite – in das Stadtteilpfarramt – wieder eingetreten. Ich bin geblieben, nur in einer anderen Rolle.

Und zweitens habe ich nicht damit gerechnet, dass es so emotional wird. Vom Kollegen als Freund bezeichnet zu werden und von der Muslima als „mein Pastor“, die herzlichen, ja freundschaftlichen Worte von der Kirchenmusikerin, aus dem KGR und KJA– das sind nur wenige, wenn auch besondere, Beispiele von vielen ganz persönlichen Begegnungen, die mich zu Tränen gerührt haben.

Schließlich habe ich noch ein Anliegen: Zum Fotografieren sind wir nicht so gekommen. Wäre es möglich, mir ein, zwei Bilder zu schicken, zur Erinnerung? Danke. Danke für alles.

Und ein Hinweis: Einige haben nachgefragt, deshalb stelle ich die Predigt unter „Ansprachen & Co – Geschichten“ ein.

Wechsel nach Niendorf

Wochenblatt 7-17„Pastor Thiesen wechselt nach Niendorf“ titelte das Niendorfer Wochenblatt in der vergangenen Woche. Da ist etwas dran, auch wenn – wie diverse Nachfragen zeigten – nicht allen klar wurde, was genau.

Da jederzeit neue Metastasen auftauchen können, macht die Arbeit als Pastor der Kirchengemeinde Niendorf nicht mehr wirklich Sinn. Doch statt mich in den vorzeitigen Ruhestand zu schicken, hat Propst Melzer zusammen mit dem Landeskirchenamt eine Stelle „zur besonderen Verwendung“ eingerichtet. Von den laufenden Aufgaben eines Gemeindepastors bin ich weitgehend befreit. Meine Schwerpunkte liegen nun in den Bereichen Spiritualität, Social Media und Stadtteilarbeit.

Und diesen Übergang feiern wir nun also am kommenden Sonntag um 15 Uhr in der Kirche am Markt: Abschied von der Gemeindearbeit nach 26 Jahren, Neubeginn auf der übergemeindlichen Stelle, Kontinuität als Pastor in Niendorf. Oder, wie Frau Seeland sagte: Ich wechsle nur die Abteilung, nicht die Firma und nicht den Ort.

Und trotzdem ist es ein besonderes Ereignis. Vor allem, weil der Anlass so besonders ist. Und weil Ihr und viele andere uns auf diesem Weg so gut begleitet haben, möchten wir  gerne mit Euch feiern. Es wird dann auch meine erste Predigt nach über einem Jahr sein. Deshalb wird in dieser Woche wohl auch keine Zeit für einen weiteren Blogbeitrag bleiben.

Ob Ihr nun am Sonntag dabei sein könnt oder nicht – Euch allen wünschen wir eine schöne Ferienzeit.

Das Beitragsbild zeigt den Tibarg, Blick Richtung Süden (c) Erik Thiesen

Lichtblick der Woche

Lichtblick der Woche

„Wir schaffen das alleine, aber du fehlst.“ So oder ähnlich Kolleginnen und Kollegen in den letzten Monaten.

„Überlege dir für deine Zukunft, was dir gut tut. Aber es wäre schön, wenn es in Niendorf wäre.“ So oder ähnlich Mitglieder des Kirchengemeinderats in den letzten Monaten.

„Wenn es nicht sinnvoll oder möglich ist, weiter auf der Pfarrstelle zu bleiben, können wir eine „zbV-Stelle“ – zur besonderen Verwendung – einrichten. Machen Sie bitte Vorschläge, wie sie inhaltlich ausgestaltet werden kann.“ So oder ähnlich Propst Dr. Melzer in den letzten Monaten.

Heute ist mein offiziell letzter Tag als Gemeindepastor in Niendorf. Der Tag ist für Ute und mich in höchstem Maß ambivalent. Einerseits sind wir beide mit dieser Aufgabe intensiv verbunden gewesen und wir haben sie geliebt. Und der Grund für das Ausscheiden ist sch…

Andererseits haben uns viele Menschen diesen Schritt so leicht wie möglich gemacht, siehe oben. Und in der Zukunft wird es uns möglich gemacht, unsere Ideen umzusetzen – vorausgesetzt, der Krebs hält still.

„Dafür beten wir.“ So oder so ähnlich viele Menschen aus Gemeinde und Freundeskreis.

 

Übrigens – das Bild lesen wir als Sonnenuntergang UND Sonnenaufgang.