Lichtblick der Woche

In wenigen Stunden werden wir das Ergebnis der PET/CT erfahren. Und es ist gut möglich, dass es gar nicht nach unseren Wünschen ausfällt. Doch auf unserer Seite stehen:

  • Dr. A.M. mit seinen hochqualifizierten Teams aus der Onkologie, Radiologie, Orthopädie… im UKE, in Schnelsen und Mainz,
  • Dr. A.K., der in seiner Firma zurzeit an einem Gegenmittel gegen diesen Krebs arbeitet,
  • die Psychologinnen Dr. S.M. und Dr. J.S., die unseren Geist immer wieder aufrichten,
  • Partner*in und Kinder, die uns wunderbar tragen,
  • der Pastor F.P., der unsere Seele ausrichtet,
  • die Kolleginnen und Kollegen, die unsere Arbeit machen, wenn unsere Kraft nicht reicht,
  • Vorgesetzte, die unsere Arbeitsstellen an unsere Möglichkeiten anpassen und
  • das riesige Netzwerk in Familie, Freundeskreis und Gemeinde, die uns eine Wohnung besorgen, sie einrichten, mit uns feiern und fühlen, für uns beten, uns Lichtblicke schenken und umarmen.

Nach menschlichem Ermessen hat der Krebs auf Dauer keine Chance.

Das göttliche Ermessen ist schwerer einzuschätzen. Einerseits hat da jemand geschlafen, als ein paar üble Zellen in meinem Körper auf Reisen gingen, sich häuslich niederließen und Nachkommen zeugten. Andererseits ist in den letzten Monaten und Jahren soviel passiert, was mit „Zufall“ nicht mehr zureichend erfasst werden kann.

Im Brief, den ich jetzt von meiner Tante bekam, stand die Zusage Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20) Dann gehen wir es mal gemeinsam an, mit Jesus an unserer Seite.

Wir müssen reden

Christoph war nicht ganz zufrieden mit mir, das wurde deutlich. „Warum willst du den interreligiösen Dialog?“, fragte er mich. Und ich sagte: „Weil er wichtig ist. Weil wir die anderen kennenlernen müssen, wie sie denken und so. Und die uns.“ – „Das reicht nicht“, meinte er. Christoph ist Experte für den interreligiösen Dialog. „Wie, das reicht nicht?“, fragte ich.

„Es kommt auf die persönlichen Beziehungen an“, sagte er. „Über den Koran und die Bibel reden und über Islamismus und Kopftuch und all das, ist gut und schön. Aber viel wichtiger ist: gemeinsam essen, lachen, reden. Organisiere doch mal ein Fußballspiel, etwas, wo man sich näher kommt.“

Ehrlich gesagt, ich wollte nicht Fußball spielen. Ich wollte über Koran reden und Bibel und Islamismus und Kopftuch. Darüber, dass in der islamischen Gemeinde fast ausschließlich türkisch gesprochen wird, türkisches Fernsehen geschaut und türkische Cola getrunken. Ich fand und finde das immer noch crazy und nicht sehr zielführend, was Integration angeht.

Und ich habe darüber auch geredet, aber eher so am Rande. Vor allem bin ich in jedem Jahr mit Konfis in der Islamischen Gemeinde Eidelstedt-Schnelsen gewesen. Am Anfang trafen wir uns noch in der Spanischen Furt unter einem Supermarkt. Dann kaufte die Gemeinde in Eidelstedt ein ehemaliges Pastorat, und nun haben sie sich eine Fabrikhalle am Ring 3 ausgebaut. Ein wenig neidisch bin ich schon. Über 400 Leute kommen zum Freitagsgebet, das schaffen sonntags bei uns nicht einmal die Katholiken.

Und immer wieder traf ich Mehmet, der eigentlich schon längst im Ruhestand in der Türkei sein wollte, aber ständig genau dann vor Ort war, wenn ich mit den Konfis vorbei kam. Und Sevgi hat unseren Jugendlichen so begeistert vom Islam erzählt, dass regelmäßig zwei, drei von ihnen nahe dran waren zu konvertieren.

Und dann kamen sie zu viert aus der islamischen Gemeinde zur Verabschiedung. Und die beiden Männer brachten den Auszug aus der Kirche durcheinander, weil sie die ersten mit den Blumen sein wollten. Und Sevgi hat mich nach einer bewegenden Rede zweimal lange in den Arm genommen.

Und heute weiß ich: Ja, ich will mit ihnen weiter und immer wieder reden über Koran und Kopftuch und Integration und alles. Aber das Wichtigste ist tatsächlich die Freundschaft und die Beziehung zwischen uns. Und das Trennende rutscht in der Prioritätenliste gerade ganz nach unten.

Danke, Sevgi. Danke, Mehmet.

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Mehmet Ünver und Ibrahim Orhan sind die ersten beim Auszug nach dem Gottesdienst
Foto: Wolfgang Hertwig

Lichtblick der Woche

Wir ziehen in dieser Woche um. Diesen oder jene fragten wir vorsichtig, ob sie mal helfen könnten. Lichtblicke waren:

„Morgen früh um 09.00h steh ich vor der Tür.“ (Heinz)
„Großartig, endlich kann ich mein Ikeadiplom erweitern :-)).“ (Sabine)
„Ich fahre sowieso zu IKEA. Kann ich was mitbringen?“ (IM)
„Genau das mache ich immer gerne.“ (Sönke)
„Wenn außer uns keiner kommt, nehmen wir noch unseren Sohn mit.“ (Maren)
„Können wir noch helfen?“ (gefühlt hundert andere Bekannte, Freundinnen und Freunde)

Beitragsbild: (c) Erik Thiesen