Get-together im Forum Hafencity

Seit einem guten Jahr beobachte ich nun das Feld „Social Media und Kirche“. Und mein Eindruck ist nach wie vor: Wenn da etwas wächst, dann wächst es sehr langsam. Das gilt aber nicht nur für die Kirche allgemein, sondern auch für mich persönlich. Das ist mir noch einmal aufgefallen beim Get-together in der letzten Woche im Forum Hafencity zum Thema „Social Media – best practice“, das von den beiden Hamburger Kirchenkreisen veranstaltet wurde. Thomas Hoffmann berichtete, wie sie in der Bergedorfer Petri-und-Pauli-Kirche Facebook nutzen, Anne Rütten twittert für die Diakonie, Inga Schwerdtfeger zeigte Instagram-Bilder der letzten Jugendskifreizeit und der Einsegnung Ehrenamtlicher, und ich durfte über diesen Blog berichten. Weiterlesen

Sie passen einfach nicht zusammen – Teil 2

Kirche und Social Media leben in zwei verschiedenen Welten

Am guten Willen fehlt es ja nicht. Kirche will ja gerne in die digitale Welt einsteigen. Sie setzt sich in Synoden damit auseinander, stellt Expertinnen und Experten ein und verfasst jede Menge Papiere. Aber so richtig ist der Funke noch nicht übergesprungen.

Anfang letzter Woche habe ich auf Facebook eine geschlossene Gruppe „Gespräche über Bibel und Glauben“ gegründet. Von vierzehn Interessierten sagten vier: Auf Facebook gehe ich nicht. Jetzt sind wir hier auf dem Blog, „Zwischen Himmel und Erde“. Wer mitmachen möchte, bekommt ein Passwort zugeschickt.

Ich glaube aber, dass die Distanz zwischen Kirche und Social Media nicht nur an der Aversion einzelner Kirchenmitglieder liegt oder dass die neuen Medien einfach ungewohnt sind. Meine These ist: Social Media passt nicht zu Struktur und Selbstverständnis der Kirche.

Natürlich kann man Facebook nutzen, um die eigenen Angebote bekannter zur machen. Der Erfolg dürfte eher begrenzt sein. Es gibt auch eine Reihe von Facebookgruppen im Konfirmanden- und Jugendbereich – um Absprachen zu treffen oder auf Veranstaltungen hinzuweisen. Dazu kann dann auch wahlweise WhatsApp zum Einsatz kommen. Social Media aber ist und will mehr.

„In der digitalisierten Welt gibt es keine Trennung zwischen Sendern und Empfängern, keine Hierarchien, keine Orthodoxie, alle sind gleich und gleichermaßen Kirche“, schreibt Hannes Leitlein in Christ und Welt Und weiter: „Es geht um Vielfalt, um Beziehungen und Interaktionen, um Netzwerke und Solidaritäten.“ Und er meint, dass damit doch protestantische Kernideen wie das „Priestertum aller Gläubigen“ aufgenommen und verwirklicht würden.

Welch ein Irrtum. Nach der Confessio Augustana, der Grundlage der Lutheraner, ist die Kirche „die Versammlung aller Gläubigen, bei welchen das Evangelium rein gepredigt und die heiligen Sakramente dem Evangelium gemäß gereicht werden“ (CA 7). Dafür verantwortlich ist aber das „Kirchenregiment“, das ist das „Predigtamt“, und das sind Pastorinnen und Pastoren: „Vom Kirchenregiment (kirchlichen Amt) wird gelehrt, dass niemand in der Kirche öffentlich lehren oder predigen oder die Sakramente reichen soll ohne ordnungsgemäße Berufung.“ (CA 14) Das Priestertum aller Gläubigen heißt nur so, weil alle Christinnen und Christen einen direkten Zugang zum Heil haben und dazu keine Kirche brauchen. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie auch in der Kirche alles dürfen.

Die Grundaufgaben der Pastorinnen und Pastoren sind – mit Ausnahme der Verwaltung einer Kirchengemeinde – Predigt, Seelsorge und Lehre. Und immer geht es darum, dass ich als Pastor Bescheid weiß und die Botschaft nur noch passgenau an die Menschheit vermitteln muss. Nix mit „keine Trennung zwischen Sendern und Empfängern, keine Hierarchien, keine Orthodoxie“.

Der Blog kommt dieser Art von Kommunikation noch am nächsten. Doch ich bemühe mich, so wenig wie möglich „Pastor“ zu sein, so wenig wie möglich zu predigen. Ehrlichkeit in Glaubensfragen ist mir wichtig, und ich muss nicht auf jede Frage eine Antwort haben.

Wie ich es sehe, befindet sich Kirche mit Blick auf Social Media in einem echten Dilemma: Entweder sie gibt ihre bisherigen Prinzipien weitgehend auf oder verändert sie zumindest so stark, dass sie kaum wiederzuerkennen sind. Oder sie verweigert sich der Digitalisierung und „ist gestrig, alt und unbeweglich“ (Hannes Leitlein).

Wie dieses Dilemma zu lösen ist? Das ist eine Frage, auf die ich – noch – keine Antwort habe.

Sie passen einfach nicht zusammen

Kirche und Social Media pflegen eine schwierige Beziehung

Die Kirche setzt vor allem auf face-to-face-Beziehungen. Besuche und Gottesdienst, Kita-Andacht oder Seniorennachmittag – in der Gemeindearbeit geht es um den persönlichen Kontakt. Der Gemeindebrief soll zu den Veranstaltungen einladen, und die Internet-Seite die Reichweite des Gemeindebriefs steigern.

Die Facebook-Seite „Kirche in Niendorf“ hat 54 Mitglieder. Andere Social-Media-Plattformen kommen erst gar nicht vor. „Wie erkläre ich jemandem, der noch nie etwas davon gehört hat, Wörter wie Bitmoji, Snapcode, Memories, Shazam und andere?“, fragte sich eine 18-Jährige, die vor einem Pfarrkonvent etwas von Snapchat erzählen sollte.

Ertappt. Ich selbst, der ich mich zu den Aufgeschlossenen für Social Media zähle, musste jedes einzelne Wort nachschlagen. Ist diese Fremdheit zwischen Kirche und Social Media vielleicht eine Generationenfrage? Die Entscheidungen in der Kirche werden von den 55- bis 60-Jährigen getroffen. Menschen wie mir. Und wir sind viele. Babyboomer eben. Bis wir pensioniert werden, sind die Plätze besetzt.
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