Lichtblick der Woche

Die Krankheit macht es einem nicht leicht, sie zu ignorieren. Immer wieder spielt sie sich in den Vordergrund, gerade jetzt in der Chemo, und zeigt uns unsere Grenzen auf.

Auch andere leben offensichtlich sehr im Bewusstsein ihrer Grenzen. Rose Ausländer zum Beispiel. Und sie macht Mut, den Blick zu wenden, denn „Noch bist du da“ – und die Welt ist es auch. Und sie gibt uns den Rat, unsere Angst in die Luft zu werfen und auf die Möglichkeiten zu schauen: „Sei, was du bist, gib, was du hast.“

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Aus Copyright-Gründen dürfen wir das schöne Gedicht nicht zitieren. Es ist aber ganz leicht im Netz zu finden, zum Beispiel hier.

Lichtblick der Woche

Von Birgit kommt dieses Gedicht von Heinz Kattner:

Morgen
Das Neue an diesem Morgen heißt:
Nimm deinen Platz ein und lebe
mit dem Dunkel und dem Licht.

Mittag
Das Neue an diesem Tag heißt:
Weiche deinem Anblick im Spiegel nicht aus.
Nimm deinen Platz ein und lebe
mit dem Schönen und dem Schrecken.

Abend
Das Neue an diesem Tag heißt:
Ich nehme meinen Platz ein
und begrüße das Ungeordnete.
Ich gehöre dazu, voll Freude und Angst
und nichts will ich verleugnen.

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Morgen, Mittag und Abend sind jeweils Abschlussverse aus vorhergehenden Gedichten in dem Zyklus „Einfache Dinge, Menschen und große Namen“, aus: Heinz Kattner, Unauffälliges Zittern, zu Klampen Verlag 2001. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.