Lichtblick der Woche

In unserer Familie ist er Tradition, seit Generationen: der Herrnhuter Stern. Wenn er hängt, ist es Advent und wird es Weihnachten. Er hing schon in der Promenadenstraße, und natürlich leuchtet er auch hier. Tags und nachts. Ein Licht nicht nur in der Dunkelheit.

Und es gehört ebenso zur Tradition, dass der Stern am Anfang der Adventszeit mühsam zusammengebastelt wird und nach der Weihnachtszeit wieder auseinander.

Vor 160 Jahren ließ ein Mathematiklehrer der christlichen Gemeinschaft in Herrnhut seine Schüler einen solchen Stern basteln, damit sie ein besseres Verständnis für Geometrie bekämen. 1821 hing er zum ersten Mal zum Jubiläum – natürlich erst am Dreikönigstag. Denn in der Bibel kommt der Stern nur in der Geschichte von den heiligen drei Königen vor – die, und das muss auch an dieser Stelle noch einmal gesagt werden, in der Bibel weder heilig noch drei noch Könige waren.

Vielleicht ist es diese Verbindung von Mathematik und Glaube, Vernunft und Gefühl, Licht und Hoffnung, die diesem Stern seine Kraft und Schönheit gibt.

Das Buch mit den sieben Siegeln

Mein Dank gilt allen, die bei „Zwischen Himmel und Erde“ über den Predigttext Offenbarung 5, 1-5 mitdiskutiert haben. Mein Dank gilt Timo Milewski, der den Gottesdienst im Immanuel-Haus gestaltete, Elme Brinkmann-Conring für die Musik, Reinhard Münster als Küster und allen, die dabei waren und mir einfach durch ihr Dasein Kraft und gute Laune gegeben haben.

Meine Aufgabe war es, die Begrüßung und die Predigt zu halten:

ImmanuelBegrüßung

Liebe Gemeinde, zu diesem Gottesdienst am 1. Advent begrüße ich Sie herzlich gemeinsam mit Timo Milewski. Timo wird den Gottesdienst mit dem Abendmahl gestalten, ich werde nur die Predigt halten. Der Grund ist die Chemotherapie, die morgen für mich in die 2. Hälfte geht. Wegen der Gefahr einer Infektion muss ich auch körperlich möglichst Abstand halten und bitte darum um Verständnis.

Advent – die Zeit der Erwartung, eine Zeit der Sehnsucht: dass in der Dunkelheit Lichter angezündet werden und es hell wird in unserer Welt und in unserem Leben. Dass wir, wenn es kalt wird, näher zusammenrücken und uns gegenseitig wärmen. Dass in einer Welt des Unheils das Heil größer und stärker sein möge. Weiterlesen

Advent ist im November

Vor knapp zehn Jahren startete die EKD – die Evangelische Kirche in Deutschland – eine Aktion mit dem Namen „Advent ist im Dezember“. Abgesehen davon, dass ich sie für überflüssig halte, mir auf Schlag eine Handvoll Gründe gegen sie einfallen, ist sie auch noch sachlich falsch. Meistens jedenfalls beginnt der Advent im November. Und das ist gut so.

Denn die sprichwörtlich dunkle Jahreszeit wird inzwischen hell erleuchtet durch Weihnachtsbeleuchtung und Weihnachtsmärkte, Kerzen und Lichterketten. Die Zeit, die wirklich auf die Stimmung schlägt, ist die trübe Jahreszeit. Der November.

Im November feiern wir den Volkstrauertag, den Bußtag, den Totensonntag. Im November liegt das Laub in nassen Klumpen auf der Straße, und die Temperaturen bewegen sich im niedrig-einstelligen Bereich.

In diese Stimmung hinein beginnt der Advent. Die meisten Wohnzimmer und Fußgängerzonen sind längst illuminiert, jetzt wird es auch in der Kirche wieder hell – wie meistens etwas spät, aber theologisch korrekt. Und wir waren zum ersten Mal nach vielen Wochen wieder im Gottesdienst.

Und es war ein schöner Gottesdienst. An die wunderbare Kirchenmusik hat man sich in Niendorf ja fast schon gewöhnt. Pastor Hendrik Hoever betonte, dass Gott nicht als Mächtiger zu den Mächtigen, sondern auf einem Esel zu den normalen Menschen kommt, und wir sangen „Macht hoch die Tür“, am Anfang und am Ende: „Es kommt der Herr der Herrlichkeit … der Heil und Leben mit sich bringt … all unsre Not zum End er bringt … mein Heiland, groß von Tat … mein Tröster früh und spat…“

Und dann nach dem Gottesdienst so viele liebe Menschen treffen zu können, die uns – nach der erzwungenen Abwesenheit – so herzlich begrüßten, das hat wirklich gut getan.

Und doch blieb ein merkwürdiges Gefühl, im Nachhinein, und das lag nicht am Gottesdienst. Wie war das nochmal? „There is a crack in everything, that´s where the darkness gets in.” Hatte das nicht Leonard Cohen gesungen? Nein? Aber genau dieses Gefühl lässt mich seit einigen Monaten nicht mehr los.