Lichtblick der Woche

„Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel“, schrieb Ute in unsere Gesprächsrunde „Zwischen Himmel und Erde“, in der wir uns über Predigttexte austauschen. Diesmal geht es um einen Engel, der Petrus aus dem Gefängnis befreit (Apostelgeschichte 12, 1-11).

Einem solchen Engel sind wir vielleicht noch nicht begegnet – aber Engel müssen nicht Männer mit Flügeln sein, so schrieb Rudolf Otto Wiemer:

Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
er hört, wenn du ihn rufst in der Nacht,
der Engel.

Und solchen Engeln sind wir begegnet – auch, ja gerade auch im Krankenhaus. Und nicht nur da.

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Bild: Pixabay
Das Gedicht von R.O. Wiemer ist urheberrechtlich geschützt. Deshalb habe ich nur einen kleinen Auszug abgedruckt. Es ist aber leicht im Netz zu finden.
Und wer noch bei „Zwischen Himmel und Erde“ mitmachen oder einfach nur weitere Infos möchte, schreibe mir bitte.

So steht’s mit uns

Es sind wieder besondere Wochen. Zwei OPs so kurz hintereinander zehren an den Kräften. Aber sie sind ganz gut gelaufen, so dass wir schon an die nächsten Schritte denken können.

Die werde ich allerdings in den nächsten Tagen eher buchstäblich auf Krücken gehen können. Aber es geht voraussichtlich Montag schon gleich weiter mit der Immuntherapie und im Laufe der nächsten Woche mit den Bestrahlungen im Rücken und jetzt auch im Fuß. Die werden dann drei Wochen dauern.

Die Strahlenexpertin meinte, dass wir dann erst nach Weihnachten wieder unterm PET/CT prüfen, wie sich der Tumor bewegt. Das heißt: Wenn nichts Besonderes passiert, könnten wir bis dahin erst einmal Ruhe haben.

Medizinisch gesehen können Bestrahlung und Chemo den Krebs nur aufhalten – und wie schnell er wachsen kann oder wiederkommt, haben wir ja gesehen. Aber wir setzen auch immer noch Hoffnung in die Immuntherapie. Sie hat bisher zwar nicht angeschlagen. Aber es gibt durchaus Fälle, in denen die Bestrahlungen helfen, das Immunsystem wach zu küssen.

Vor allem aber möchten wir die Zeit nutzen: Sonntag in einer Woche ist Predigtzeit, die Bingen-Blogs warten auf Komplettierung, weitere Ideen sind auf dem Weg. Außerdem habe ich es schon viel zu lange aufgeschoben, mit dem einen oder der anderen von Euch auf unserer Terrasse zu sitzen. Das werden wir angehen, wenn ich mich ein wenig erholt habe. Und es ist gut, dass wir – nicht zuletzt über diesen Blog – mit Euch verbunden sind.

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Bild: Blick aus einem der Fenster der Station H9 – Blick Richtung Südwesten © Erik Thiesen

Auferstehung ganz anders

Exerzitien 31. Teil, Bingen 2018, die „vierte Woche“.

Die Exerzitientage Karfreitag, Karsamstag, Ostersonntag und -montag fielen – Zufall oder nicht – genau auf die Wochentage Freitag bis Montag. Am Sonnabend machte mir Pfr. Mückstein noch den Vorschlag, die Auferstehung im Strahl der aufgehenden Sonne zu feiern. Allerdings meinte er auch, dass ein solches Vorhaben eher während der Exerzitien, die näher an Frühling oder Herbst liegen, realistisch sei. Jetzt, am 1. Juli, wäre es wohl doch eine zu große Herausforderung wegen der frühen Stunde. Ich stimmte ihm zu. Doch es sollte anders kommen.

Mitten in der Nacht wachte ich auf. Mich plagten intensive Schmerzen, und ich fühlte mich sehr unwohl. Es war gegen halb vier. Ich schaute zum Fenster, das nach Westen ging. Wurde es schon hell? Dunkel erinnerte ich mich an den Vorschlag Pfr. Mücksteins. Ziemlich benommen wankte ich zur Terrasse, die nach Osten hinaus ging. Tatsächlich, über der Rochuskapelle bildete sich deutlich ein roter Rand. Ich hatte die Auferstehung gesehen! Das reichte nun aber auch. So zielstrebig wie nur möglich ging ich wieder ins Bett und versuchte, noch ein wenig zu schlafen. Am nächsten Morgen erst kam ich auf die Idee, dass ich ja ein Foto vom Sonnenaufgang hätte machen können.

In der Nacht auf den Montag wiederholte sich der Vorgang: Ich wachte wegen der Schmerzen im Rücken auf, etwa um dieselbe Zeit. Diesmal war ich vorbereitet, ergriff das Smartphone, ging auf die Terrasse, und zu meinem Glück war es ein ähnliches Bild wie in der Nacht vorher.

Obwohl – Glück? Ich hatte Schmerzen, ich war müde und mir war kalt. Unter einem Ostermorgen bei Sonnenaufgang hatte ich mir immer etwas anderes vorgestellt – etwa so, wie es viele Jahre auch bei uns in der Gemeinde praktiziert wurde: Eine Gruppe von Christinnen und Christen macht sich mitten in der Nacht auf, müde zwar, aber guter Dinge. Die Gemeinschaft ist gut, am Ziel angekommen kann man gemeinsam den Sonnenaufgang beobachten – oder wegen der Wolken auch nicht. Aber das gemeinsame Frühstück, die Gespräche, das Erlebnis entschädigen für alles.

Gab es bei mir die Auferstehung nur unter Schmerzen?

Kurt Marti, der Schweizer Dichterpfarrer (1921-2017) schrieb 1969: „Aber es kommt eine Auferstehung, die ganz anders wird als wir dachten.“ Und er dachte sie sich sozialpolitisch, als „Aufstand Gottes gegen die Herren“. Aber vielleicht ist sie ja noch einmal ganz anders.

Mit Schmerzen hatte ich mir die Auferstehung bisher nicht zusammendenken können. Aber wer weiß? Mir blieb noch bis zum Donnerstag Zeit, dem Geheimnis ein wenig mehr auf die Spur zu kommen.

Auferstehung

Exerzitien 30. Teil, Bingen 2018, die „vierte Woche“.

Die Auferstehung ist das Highlight des christlichen Glaubens. Hinduismus und Buddhismus haben die Wiedergeburt, Atheisten das Nichts und die Naturreligionen die Welt der Ahnen. Auferstehung ist etwas anderes. Sie ist – ja, was ist sie eigentlich? Überwindung des Todes, Überwindung von Leid, Krankheit und Schmerz. Sie ist unsere Hoffnung, und sie gibt dem Tod Jesu erst einen Sinn. „Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, dann hat unsere Verkündigung keinen Sinn. Auch euer Glaube ist dann sinnlos“, schreibt Paulus an die Korinther (1. Kor. 15,14). Aber selbst die Bibel bleibt eher undeutlich, wenn es um die konkrete Beschreibung der Auferstehung geht.

Auferstehung Isenheimer-AltarDa gibt es die Geschichten, in denen Jesus nach seinem Tod wieder als Mensch aus Fleisch und Blut auftaucht. Er spricht mit den Menschen (z.B. Lukas 24, 17), teilt Essen aus (Lukas 24, 30; Johannes 21, 13), und der „ungläubige“ Thomas soll seine Finger in seine Wunden legen und ihn so fühlen (Johannes 20,26-29). Der Prophet Ezechiel beschreibt in einer Vision, wie tote Knochen mit Fleisch und Haut überzogen werden und Gott sie wieder lebendig macht (Ez. 37, 1-14).

Und dann wird der Auferstandene beschrieben wie ein Geist, der plötzlich durch verschlossene Türen auftaucht (Johannes 20, 26) und wieder verschwindet (Lukas 24, 31).

Wie also kann ich mir die Auferstehung vorstellen? Matthias Grünewald versuchte beide Seiten miteinander zu verbinden, indem er Jesus in einer Gloriole darstellte. Weit weniger überzeugend fand ich einen ähnlichen Versuch in einem Jesus-Film, der sich besonders nah an die Bibel anlehnte: Der Auferstandene tauchte in einem leuchtenden Gewand auf, mit einem entrückten Lächeln auf den Lippen. Es war ziemlich unerträglicher Kitsch.

Dagegen war die Darstellung im Film „Die Bibel – Jesus“ vom Regisseur Roger Young, den ich sonst für recht gelungen halte, für mich zu realistisch.

Und heute? Fromme Christinnen und Christen behaupten: „Jesus lebt.“ Aber Lukas hat ihn schon in den Himmel auffahren lassen (Lukas 24,51). Und wenn er heute irgendwo auftaucht, dann in einer Geschichte („Der Großinqusitor„), im Film („Jesus liebt mich„) oder im Glauben.

Wenn selbst 2000 Jahre theologischer Forschung die Frage nach der Auferstehung nicht klären konnten, dann soll es vielleicht ein Geheimnis bleiben. Ein Geheimnis kann man nicht lösen. Man kann sich ihm aber annähern.

Einmal habe ich es schon versucht, hier. Und dann während der Exerzitien in Bingen. Davon werde ich demnächst berichten.

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Bild: Matthias Grünewald, Isenheimer Altar, Auferstehung. Von hanneswave – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=161783rum zuzu30

Lichtblick der Woche

In einer Zeit, in der sich dunkle Nachrichten häufen, ist es gut, auf die kleinen Lichtblicke zu schauen:

blume-waltraud.jpgWenn sich mit dem neuen Bettnachbarn ein langes Gespräch entspinnt –

Wenn unverhofft Blumen vor der Tür stehen, von einer lieben Freundin gebracht –

Wenn ein Arztbesuch zu einem persönlichen Austausch wird –

Wenn wir getragen werden von einer Wolke der Anteilnahme –

Wenn die Schmerzmittel wirken –

Wenn der Geist für einen Moment einmal abschalten kann –

Viele dieser Lichtblicke sind nicht wirklich neu. Aber sie spenden immer wieder neu ihr Licht.

Aus aktuellem Anlass

Liebe Familie, liebe Freunde und Freundinnen,

gerne hätten wir Euch heute Entwarnung gegeben. Das können wir leider aber nur teilweise.

Das Gute zuerst: Die OP ist erfolgreich und nach Plan gelaufen. Die Metastase ist, soweit sie sichtbar war, entfernt worden und das Rückenmark entlastet. Jetzt müssen wir warten, bis alles verheilt ist. Dann können wir über eine Anschlussbehandlung reden. Das werden dann voraussichtlich wieder Bestrahlungen sein. Bis dahin muss ich erstmal auf die Beine kommen.

Nun haben wir aber unter dem Fuß eine weitere Stelle gesehen, die wir nicht einschätzen können. Unsere Erfahrungen mit solchen Entdeckungen waren bisher keine guten. Aber ohne genauere Untersuchungen wollen sich die Ärzte natürlich nicht festlegen lassen.

Das bedeutet für uns: Wir bewegen uns wieder über schwankendes Land. Eine solche Situation ist noch einmal in besonderer Weise belastend. Wir werden natürlich berichten, wenn wir Genaueres wissen.

Eure Nachrichten, Euer Mitdenken und Eure Gebete haben uns sehr gut getan. Wir danken Euch allen für Euren Beistand.

Aus aktuellem Anlass

Liebe Familie, Freundinnen und Freunde und alle, die mitdenken und mitbeten,

in der letzten Woche hat sich die Situation für uns verschärft. Ich bekam starke Rückenschmerzen, und die Beine kribbelten immer stärker. Deshalb fuhren wir am Sonntagmorgen ins UKE in die Notaufnahme.

Die Untersuchungen zeigten, dass eine Metastase immer stärker auf das Rückenmark drückt. Abends wurde ich auf die Station aufgenommen.

Die Ärztinnen und Ärzte waren sich heute einig, dass eine OP nötig sei. Und so machen wir es jetzt. Gleich morgen werde ich operiert. Wir hoffen, dass wir dadurch genug Zeit für weitere Therapien gewinnen.

Diese OP wird nicht ohne Risiken sein. Aber wir vertrauen den Ärzten und hoffen, dass Gott seine Hand über uns hält.