Tief ist der Brunnen…

Früher habe ich ziemlich viel gelesen, besonders im Studium. Klassiker der Weltliteratur waren darunter wie Faust I und(!) II, Der Herr der Ringe oder Peggy, der Blindenhund. Die Freude am Lesen blieb, aber die Inhalte veränderten sich. Im Beruf waren es vor allem Zeitungen und Zeitschriften, die mich fesselten, von  der Zeit über Psychologie heute bis Zeitzeichen und dem Deutschen Pfarrerblatt. Als die Onlinemedien aufkamen, konnte ich mir gar meine morgendliche Presseschau leisten.

Die Zeiten der Bücher waren, mit wenigen Ausnahmen, ziemlich vorbei. Aber nicht die der Hörbücher. Harry Potter hat für mich die Stimme von Rufus Beck. Ein liebender Mann ist natürlich Goethe, aber ich höre Martin Walser. Und Thomas Mann hätte ich ohne Gert Westphal nie geschafft. Mit ihm allerdings waren Joseph und seine Brüder purer Lese-, Verzeihung, Hörgenuss. 36 Stunden, 30 CDs. Es ist gut möglich, dass ich sie mir demnächst zum dritten Mal gönne.

Thomas Manns Worte und Gert Westphals Stimme führen uns in eine ferne Vergangenheit, als Geschichte und Mythos noch nicht zu trennen waren. „Höllenfahrt“ heißt das erste Kapitel – eine Reise zum Beginn der Welt, wie er uns von der Bibel berichtet wird. Und gleichzeitig eine Reise in unser Inneres, in die Ur- und Abgründe des Menschen. „Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollten wir ihn nicht unergründlich nennen?“

Und so geht Thomas Mann auch erst einmal in die Anfangszeit zurück, zum Turm von Babel, der Urflut, Kain und Abel bis hin zum Paradies und der Schöpfung, ehe er in der Zeit der Patriarchen ansetzt: Abraham und Esau, Jakob und Joseph. Und er taucht ein in die Bilder- und Mythenwelt des Alten Orients, versucht zu verstehen, wie die Menschen damals gedacht und gefühlt haben: ihr Verständnis von der Zeit, vom Leben, von ihrer Umwelt und besonders von Gott und den Göttern.Thomas_Mann_1937

Und Thomas Mann erzählt – mäandernd und ausufernd und doch immer dicht und spannend. Wie es kam, dass ein Zeitraum von offenbar mehreren Jahrhunderten auf vier Generationen zusammenschrumpfen konnte. Warum Abraham aus seiner Heimat auswanderte und wie er „Gott entdeckte“. Warum Jakob humpelte – vom Engel an der Hüfte verwundet. Wie Joseph seinen Weg fand zwischen Bestimmung und eigener Anstrengung. Von seinen Schwächen und Stärken, Fall und Aufstieg. Wie Potiphars Frau dem Joseph in unglücklicher Liebe verfiel. Und Joseph sich am Ende mit seinen Brüdern versöhnte. Von seinem Weg mit Gott. „Beide Jakob und Joseph, Vater und Sohn, sind Menschen ‚mythischer Bildung‘, die immer wussten, was ihnen geschah, in allem irdischen Wandeln zu den Sternen blickten und immer ihr Leben ans Göttliche knüpften“, schreibt der Ägyptologe Jan Assmann.

Und doch geht es nicht nur darum, die Bibel zu bebildern. Thomas Mann verhandelt die großen Gegenwartsfragen: Was ist meine Bestimmung? Abraham machte sich auf den Weg, nicht nur um gute Weidegründe zu suchen, wie viele andere zu seiner Zeit. Er war auf der Suche nach Gott. Und zwar nicht irgendeinem Gott. Nicht dem zweitbesten, selbst wenn es der Eine Gott des mächtigen Pharao, die Sonne selbst wäre. Sein Anspruch galt nichts weniger als dem Höchsten.

Und „Abraham entdeckte Gott und machte einen Bund mit ihm, dass sie heilig würden – einer im anderen“. So sagt es sein Nachfahre Joseph dem Pharao. Glaube gibt es nur in Beziehung. Der Mensch ist an Gott gebunden wie Gott an den Menschen. Das ist die uralte und immer wieder neue Erkenntnis.

Und: Glaube ist Geschichte. Eine uralte Geschichte, die immer wieder neu erzählt und neu erlebt wird. Die wir immer wieder neu finden und weiterschreiben in unserem Leben. Und es lohnt sich, sehr genau zu lesen und zu hören, für Religiöse wie für Atheisten.

Das hat Thomas Mann getan. Sechzehn Jahre hat er geforscht und mit seinen Erkenntnissen selbst die Forschung bereichert. Vier Bände sind daraus geworden, fast anderthalbtausend Seiten. Nichts für Feiglinge. Aber es lohnt sich. Die alte Welt wird neu, lebendig, farbig. „Wie kann man noch einmal einer schönen geschminkten Frau in die Augen sehen, ohne sofort auch an die Schilderung der Frau des Potiphar zu denken, ihren ersten Auftritt, der auf zwei Seiten, subtil verschachtelt, ägyptische Lidstriche vorführt, Duftöle, Frisierkunst, gefälteltes durchscheinendes Leinen, träge Blicke aus verschwimmenden Kohleaugen und sich schlängelnde karmesinrote Lippen, die hochmütig nervös geschlossen sind: ‚Das war Mutemenet, eine verhängnisvolle Person'“, schreibt Dieter Bartetzko in der FAZ.

Und doch sollten wir Thomas Mann nicht alles glauben, natürlich nicht. Denn auch er wusste nicht wirklich, wie es zuging vor 3-, 4000 Jahren. Auch er hatte seinen eigenen Blick. Und der war nicht nur in die Vergangenheit gerichtet, sondern auch in seine Gegenwart. Er schrieb seine Romane zur Zeit des Nationalsozialismus. Sein Anliegen war es, der Unmenschlichkeit das Ideal des Humanismus entgegenzusetzen. Und das ist ein ebenso christliches wie atheistisches Anliegen und behält, wie wir auch und gerade wieder erleben, bis heute seine Aktualität.

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Beitragsbild: Blick in den Brunnen der Burg Königsberg i. Bay. Von Michaklu – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10597892
Bild im Text: Thomas Mann 1937, von Carl Van Vechten – Van Vechten Collection at Library of Congress, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28419

Thomas Mann, Joseph und seine Brüder, vier Romane in einem Band, geb. Ausgabe, S. Fischer Verlag, Frankfurt/M., 6. Aufl. 2007, 1344 Seiten
Thomas Mann, Joseph und seine Brüder, Texteinrichtung Gert Westphal, Deutsche Grammophon, 2005 30 CDs 
Assmann, Borchmeyer, Stachorski, Joseph und seine Brüder I und II, kommentierte Ausgabe, Fischer, Frankfurt/M, 2018Peggy-der-Blindenhund
Und wer sich ein wenig einarbeiten möchte, kann hier im Netz etwas ausführlicher forschen: Miriam Albracht, Mythos und Zeit in Thomas Manns „Joseph in Ägypten“, pdf-Datei, 76 Seiten, http://www.mythos-magazin.de/mythosforschung/ma_mann.pdf
Übrigens hat Jan Assmann gerade mit seiner Frau Aleida den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhalten.
Und schließlich: Peggy der Blindenhund hat mich zu Tränen gerührt. Ich war ungefähr sieben.

Psalm-Worte für jeden Tag

Vor einiger Zeit fragte mich Hans-Christoph Goßmann, ob ich eine Rezension von Reinhard von Kirchbachs „Worte für jeden Tag“ für das Deutsche Pfarrerblatt schreiben könne. Ich hatte vorher noch nie etwas vom Autor gehört, obwohl er nordelbischer Pastor und Propst gewesen ist. Aber ich sagte zu.

Erstens weil Christoph ein guter Freund ist. Er wohnt in Niendorf und ist Pastor der Jerusalem-Kirche in Eimsbüttel. Ich habe ihn kennengelernt, als er noch nordelbischer Beauftragter für den christlich-islamischen Dialog war. Auf diesem Blog tauchte er schon einmal auf – hier.

Und zweitens, weil von Kirchbach mich wirklich faszinierte. Warum? Genau das versuchte ich in der Rezension darzustellen.

1731 brachte Nikolaus Zinzendorf die Losungen heraus; sie gehören seitdem zur evangelischen Spiritualität. Inzwischen gibt es solche Sinnsprüche nicht nur aus der Bibel, sondern von Luther und Bonhoeffer – für den die Losungen selbst eine große Bedeutung besaßen –, Goethe und Rilke. Im besten Fall „passen“ sie in die Situation, deuten das Leben, sind tiefsinnig, hintergründig und regen zum Weiterdenken an. Nun hat Hans-Christoph Goßmann ebenfalls „Worte für jeden Tag“ herausgegeben, Sätze und Gedanken aus den Schriften von Reinhard von Kirchbach.

Reinhard von Kirchbach?

von Kirchbach (1913-1998) war Propst im Kirchenkreis Schleswig. Sein Anliegen war, besonders in den letzten Jahrzehnten seines Lebens, der interreligiöse Dialog. Er beklagte, dass wir unsere eigene Position als selbstverständlich dominant voraussetzen und kaum fähig sind, andere zu verstehen. Deshalb gründete er vor 35 Jahren einen Arbeitskreis für den interreligiösen Dialog. Er suchte und fand eine sehr konstante Gruppe von Moslems, Hinduisten, Buddhisten, Christen und, vereinzelt, Juden, mit denen er ins Gespräch kam. Sein Ziel war nicht die Mission, nicht die Verteidigung des eigenen Standpunkts, sondern das Verstehen des Anderen.

Aus Anlass seines 100. Geburtstags brachten Michael Moebius und Hans-Christoph Goßmann eine elfbändige Ausgabe seiner Werke heraus – mit dem Titel: „Eine Theologie im Gebet“. Aus diesen Schriften hat Goßmann „Worte für jeden Tag“ gesammelt.

kirchbach.jpgDiese „Worte“ unterscheiden sich von den Sinnsprüchen eines Goethe oder Rilke, auch von den Herrnhuter Losungen. Im Vorwort nimmt Goßmann ein Anliegen von Kirchbachs auf: „Ich wünsche mir Leser, die diese Worte … in der Hetze zu mehr Ruhe, in der Unübersichtlichkeit zu größerer Klarheit und in dem täglichen Arbeits- und Existenzkampf zu ‚menschlichem‘ Verhalten“ führen.

So sind die „Worte“ auch weniger Reflexionen und Gedanken, sondern vielmehr Gebete, die aus einem Bewusstsein der Nähe Gottes entstanden sind. Ja, von Kirchbach fühlt sich Gott so nahe, dass er Gott selbst reden lässt – wie die biblischen Propheten.

Diese Gottesrede irritiert. Woher weiß von Kirchbach, was Gott denkt, was Gott zu mir spricht? Natürlich weiß er es nicht. Und seine Aussagen wären in der Tat unerträglich, kämen sie im Gewand der Dogmatik daher. Aber er spricht die Sprache des Gebets, der Poesie – „mit Worten niedergeschrieben, wie sie sich bei mir einfanden“, wie er selbst sagt. Er gibt sich in das Geheimnis Gottes hinein und wartet, dass und ob etwas geschieht.

Wenn „Gott“ in diesen Worten spricht, dann ist es zunächst von Kirchbachs Gott – das Wort, das er in der Stille gehört hat. Ob es auch zu meinem Wort wird, bleibt erst einmal völlig offen. Oft wird es erst dann lebendig, wenn ich selbst in die Stille gehe. Genau das ist die Absicht von Kirchbachs: „Es ist nicht die Menge des Gelesenen“, schreibt er, „sondern das aufmerksame Hören des Herzens.“

Weggefährten beschreiben so auch seinen Gesprächsstil: Er interessiert sich für sein Gegenüber, denkt sich in seine Gesprächspartner hinein, manchmal entsteht eine Stille – in die hinein er ein Wort spricht, ein gutes Wort, einen Segen – wie es sich bei ihm einfindet.

So sind auch diese „Worte für jeden Tag“ nichts für Menschen, die etwas „über“ Gott, den Autor, die Welt oder sich selbst wissen wollen. Sie unterscheiden sich von einer Losung, die eine Richtung vorgibt ebenso wie von einem Sinnspruch, der eine Deutung verspricht. Sie sind wie Türen in ein erweitertes Verständnis des Lebens und Denkens – wenn man sich die Zeit nimmt, diese Wege zu gehen.

Es sind Worte, die ihre Fremdheit nicht verlieren – dieser Eindruck wird durch die Beibehaltung der alten Rechtschreibung noch verstärkt. Wie die Psalmen der Bibel verkünden sie auch keine theologischen Richtigkeiten, sondern spiegeln persönliche Gottesbegegnungen wider und werden erst dann wirksam, wenn sie im eigenen Herzen nach- und mitgesprochen werden können. Und wie mit den Psalmen geht es mir mit diesen zeitgenössischen Worten; manche sind mir bis heute verschlossen, andere tun sich spontan auf und wieder andere fangen erst nach langer Zeit an zu leuchten.

Reinhard von Kirchbach: Worte für jeden Tag, hrsg. von Hans-Christoph Goßmann
Verlag T. Bautz GmbH Nordhausen, 2014 (I
SBN 978-3-88309-912-5)

Unterwerfung

Der Roman hat mich fasziniert, die schauspielerische Umsetzung durch Edgar Selge war genial, und den Film habe ich genossen: Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ hat mich immer wieder angeregt, über unsere Gesellschaft nachzudenken.

Houellebecq beschreibt, wie der Vertreter einer islamischen Partei in Frankreich die Präsidentschaftswahlen gewinnt und unverzüglich damit beginnt, die Gesellschaft zu islamisieren. Und das beschreibt er durchaus glaubwürdig: So könnte es wirklich kommen. Und wenn nicht 2022, wie im Roman, dann eben ein paar Jahre später. Genauer: so könnte es in Frankreich kommen.

Denn für Deutschland kann ich mir ein solches Szenario noch nicht recht vorstellen. Keine einzelne Person hat hier eine solche Macht wie in Frankreich der Präsident. Unser Parteiensystem begünstigt Kompromisse und Koalitionen. Genau dieser Zustand wird ja auch von vielen Menschen beklagt: Die politischen Entscheidungen wären nicht richtig rechts, nicht richtig links und manchmal reichlich undurchsichtig.

Wichtiger noch aber finde ich einen anderen Unterschied zwischen Deutschland und Frankreich: Jenseits des Rheins ist die Gesellschaft laizistisch. Das heißt: Eine konsequente Trennung von Kirche und Staat. Anders gesagt: Religion im Allgemeinen und die (katholische) Kirche im Besonderen haben sich aus der Öffentlichkeit herauszuhalten.

Deutschland hat ein anderes Konzept. Hier hält sich der Staat aus weltanschaulichen Fragen heraus und bemüht sich, Religionen und andere entsprechende Verbände als gesellschaftliche Akteure einzubinden. „Hinkende Trennung“ von Kirche und Staat heißt das dann, oder „Subsidiaritätsprinzip“.

Wenn wir dieses Prinzip durchhalten, dann kann der Staat gar nicht islamisiert werden. Dann muss er „nur“ dafür sorgen, dass alle gesellschaftlichen Akteure gemäß ihrer Bedeutung vorkommen und die Gesellschaft mitgestalten können. Keine Frage: Das ist ungeheuer kompliziert und sehr aufwändig. Aber ich finde, es lohnt sich unbedingt.

Es bedeutet allerdings auch, dass die christlichen Kirchen Privilegien abgeben müssen, da ihre Bedeutung in der Gesellschaft objektiv schwindet. Und dass der Islam stärker vorkommen muss, da immer mehr Moslems zu Deutschland gehören. Dass aber auch alle Nichtreligiösen ihren angemessenen Platz bekommen. Und die anderen auch. Und ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung, wie es dann am Ende aussehen wird. Oder genauer: Wir werden mit diesem Prozess nie an ein Ende kommen.

Wie es aber bestimmt nicht geht:
– Wenn wir erklären, der Islam gehöre nicht zu Deutschland.
– Wenn wir Kreuze in öffentlichen Gebäuden aufhängen wollen.
– Wenn wir die Religion vollständig aus der Öffentlichkeit verbannen wollen.
– Wenn wir einzelne Gruppen vom gesellschaftlichen Diskurs ausschließen oder behindern, daran teilzunehmen.

Ich glaube, das geht nur, wenn wir reden. Miteinander, nicht übereinander. Ich weiß, das ist anstrengend. Besonders das Reden mit den Anstrengenden, mit denen, die so gar nicht unserer Meinung sind. Aber es lohnt sich.

So verhindern wir eine islamische Gesellschaft, wie Houellebecq sie beschreibt. Aber auch eine christliche, wie sie möglicherweise Söder vorschwebt. Oder eine sozialistische, wie wir sie aus der DDR kannten. Oder eine laizistische, wie sie in Frankreich praktiziert wird.

Und genau so möchte ich leben.

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Beitragsbild: Sultan-Achmed-Moschee (Istanbul). Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=395994

Tanz ins Leben

Normalerweise mache ich um Filme, die als „Tragikomödien“ bezeichnet werden, einen weiten Bogen. Sie sind meistens nicht wirklich komisch, weil sie einfach zu tragisch sind. Glücklicherweise wusste ich nicht, dass der Film „Tanz ins Leben“ genau dieses Label trägt.

In diesem Film sind so ungefähr alle Themen vereint, die einen depressiv machen können: Trennung nach 30 Ehejahren, Armut, Demenz, ein Tod durch Krebs, einer kurz vor einem Tête-à-tête, einer in der Verlobungszeit – habe ich noch etwas vergessen? Und doch sprüht er vor Witz und Lebenslust. Und „ohne Taschentücher ist der Film schwer durchzustehen“, meint auch die Kritikerin Bettina Peulecke.

Sandra (Imelda Staunton) gehört zur upper class, wohnt in einem herrschaftlichen Haus, das vor allem sauber ist, und entdeckt nach 30 Ehejahren, dass ihr gerade geadelter Ehemann sie seit 5 Jahren betrügt. Sie fährt zu ihrer Schwester Bif (Celia Imrie) nach London, die dort lebensfroh und politisch links engagiert in einer chaotischen Sozialwohnung lebt. Ihr Freund Charly (Timothy Spall) kann glücklicherweise von der Waschmaschine bis zum Auto alles reparieren und träumt davon, mit seinem Hausboot über den Ärmelkanal zu fahren.

So weit, so – ja, so nahe am Klischee. Und ich kann verstehen, wenn die Kritikerin Antje Wessels schreibt: „‚Tanz ins Leben‘ ist eine solide Tragikomödie für die Generation 60 plus, was vor allem den starken Darstellern zu verdanken ist. Durch sie sind viele komische Momente wirklich lustig und ein Teil der eher grobschlächtig-kitschig inszenierten Szenen rührt trotzdem.“ Frau Wessels ist deutlich unter 60.

Und ich bin drüber. Und inzwischen weiß ich: Das Leben ist unglaubwürdiger, grobschlächtiger, kitschiger, trauriger und lustiger als jeder Film. Und „Tanz ins Leben“ ist näher am Leben als die meisten anderen, die ich gesehen habe. Und das nicht deshalb, weil er unglaubwürdig wäre, sondern weil die Menschen in ihm so echt wirken, so glaubwürdig sind.

Und so positiv. Sie sind es oder sie lernen es. „Die Schwerkraft kriegt uns alle, man darf ihr nur nicht den eigenen Geist überlassen“, sagt Bif einmal. Sie haben ihre Träume oder entdecken sie. Und sie richten ihr Leben nach ihnen aus, wie unrealistisch sie auch sein mögen.

Dieser Film traf unser Lebensgefühl ziemlich genau. Das Leben ist nicht glänzend. Tod und Schmerzen, Abschied und Enttäuschung gehören dazu. Aber wir können ihm Glanz verleihen. Indem wir uns mit Menschen umgeben, die uns gut tun. Mit denen wir reden können und, wenn wir Lust dazu haben, auch tanzen. Und wenn wir richtig Glück haben, können wir genau solche Menschen für andere sein.

Wir sind aus diesem Film berührt und bewegt herausgekommen. Und er hat uns Mut gemacht, unseren Weg weiterzugehen und die Träume nicht aufzugeben.

„Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben“, sagte einst der Gesangbuchdichter Christian F. Gellert. Und Karl F. Gutzkow ergänzte: „Man kann dem Spruch auch die Anwendung geben: Lebe mit jedem Menschen so, wie du, wenn er stirbt, wünschen würdest, mit ihm gelebt zu haben!“ Und zwar ab heute, spätestens.

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Beitragsbild: Hausboote im Regent’s Canal in Paddington (London), von Julian Nitzsche – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19312961

* Und was war die Frage?

Als ich Ende der Siebzigerjahre in Berlin studierte, sah ich in der U-Bahn ein christliches Plakat mit der Aufschrift: „Jesus ist die Antwort.“ Darunter hatte einer geschrieben: „Schon recht, aber was war die Frage?“

Nun, meine Erinnerung kann mich täuschen. Vielleicht habe ich es nicht selbst gesehen. Aber es war in Berlin! Etwas ins Schleudern aber kam ich, als ich im Buch „Geduld mit Gott“ des tschechischen Priesters Tómaš Halík auf Seite 25 las: „Einmal sah ich an der Wand einer Station der Prager U-Bahn die Inschrift ‚Jesus ist die Antwort‘, Weiterlesen

* Ich und Du

Endlich habe ich es geschafft, „Ich und Du“ von Martin Buber durchzulesen. Es war nicht einfach, denn manchmal waren mir seine Gedanken fremd. Wo ich ihn aber verstanden habe, hat er mich fasziniert.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/81/Martin_Buber_portrait.jpg/762px-Martin_Buber_portrait.jpgUnd so fängt sein Buch an: „Die Welt des Menschen ist zwiefältig nach seiner zwiefältigen Haltung. Die Haltung des Menschen ist zwiefältig nach der Zwiefalt der Grundworte, die er sprechen kann. Die Grundworte sind nicht Einzelworte, sondern Wortpaare. Das eine Grundwort ist das Wortpaar Ich-Du. Das andere Grundwort ist das Wortpaar Ich-Es; wobei, ohne Änderung des Grundwortes, für Es auch eins der Worte Er und Sie eintreten kann. Somit ist auch das Ich des Menschen zwiefältig. Denn das Ich des Grundworts Ich-Du ist ein andres als das des Grundworts Ich-Es.“ (Ich und Du, S. 9) So geht es weiter, 160 Seiten lang. Weiterlesen

Ganz schön gut: Das Star-Trek-Universum

Sternzeit 1513,1. Der Weltraum, unendliche Weiten. Das Raumschiff NCC-1701 „Enterprise“ fliegt zum ersten Mal mit seiner 400 Mann starken Besatzung durch den Orbit. Ich bekomme davon nichts mit, denn erstens feiere ich gerade meinen 9. Geburtstag, zweitens hätte ich die Serie wahrscheinlich nicht sehen dürfen, und drittens kommt sie ohnehin erst Jahre später ins deutsche Fernsehen.

So richtig tauche ich dann mit Ute in das Star-Trek-Universum ein; wir mögen es beide. Die zweite Serie, „The Next Generation“, mit Captain Jean-Luc Picard noch mehr als die klassischen Folgen mit Captain Kirk. „Deep Space 9“ (Captain Sisko) finden wir etwas schwergängig, die „Voyager“ (Captain Janeway) nimmt dann wieder Fahrt auf, während das Prequel „Raumschiff Enterprise“ (Captain Archer) bei uns durchfällt. Insgesamt aber ist unser Urteil klar: Star Trek gehört zu den besten Serien ever.

Dabei darf ich sie eigentlich gar nicht so gut finden. Denn sie beruht auf einer soliden atheistischen Weltanschauung, zumindest die Folgen mit Kirk und Picard. Denn der Schöpfer von Star Trek, Gene Roddenberry, bekannte sich zu einem „rationalen Humanismus“. Er war der Überzeugung, dass „Menschen fähig sind, ihre Probleme rational zu lösen und dass die Menschheit durch kritisches Denken und gemeinsame Bemühungen vorankommen und sich entwickeln wird“. Und so ist – in seinem Universum – die Erde nach einer Reihe verheerender Kriege zu einem friedlichen Ort geworden und hat sich mit anderen Planeten zu einer „Föderation“ zusammengeschlossen. Ihre Mitglieder sind gleichwertig, es gibt keinen Neid, keine Kriege, keine Habsucht mehr. Geld ist im Prinzip abgeschafft. Was man braucht, kann ein „Replikator“ herstellen. Die Zeit vertreibt man sich auf dem „Holodeck“. Zwar ist der Tod noch nicht besiegt, aber die Medizin sehr weit fortgeschritten – man braucht noch nicht einmal mehr Spritzen… Der Erfinder der Serie „Star Trek“ hat eine Utopie erschaffen, eine ideale Welt. Eine Welt, in der Religionen nicht mehr benötigt werden.

Auf anderen Planeten werden durchaus – noch – Götter angebetet. Sie werden dann von der Enterprise-Besatzung als Menschen einer höheren Zivilisationsstufe enttarnt wie in „Der Tempel des Apoll“. Oder sie sind von einer früheren Zivilisation zurückgelassene Computer, die von der noch besseren Technik der Enterprise besiegt werden, wie in der Episode „Die Stunde der Erkenntnis“. In „Der Gott der Mintakaner“ wird Captain Picard selbst für einen Gott gehalten. Er aber will die Mintakaner von ihrem Irrglauben befreien und sie lehren, selbst zu denken und zu handeln.

Die Botschaft ist die der Aufklärung: sapere aude – wage, dich deines Verstandes zu bedienen (I. Kant). Es klingt wie Luther, der auf dem Reichstag in Worms seine Thesen nicht widerrufen wollte, „wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich“. Er war allerdings der Meinung, dass man aus der Bibel zweifelsfrei den Willen Gottes erkennen könne.

Nach meiner Erfahrung aber lesen die Menschen die Bibel immer mit einem eigenen Schlüssel – der manchmal, aber nicht immer, durchaus aus der Bibel stammen kann. Für Luther war es sein Verständnis von der „Gerechtigkeit Gottes“ (Römer 1, 17), das bis in seine Bibelübersetzung hin wirksam wurde. Ich denke da eher an 1. Timotheus 2, 4: Gott will, dass allen Menschen geholfen werde.

Und so fühle ich mich Roddenberry in mancher Hinsicht näher als Luther: In seinem Misstrauen gegenüber denjenigen, die sich in ihrer Meinung auf einen Gott berufen – vor allem dann, wenn sie sich von anderen abgrenzen und meinen, etwas Besseres zu sein. Ich teile auch seine Vision von einer Welt, in der die Menschen gleichberechtigt sind, sich gegenseitig helfen statt sich Leid zuzufügen, und in der Kriege und Hunger ausgerottet sind. Es sind für mich sehr christliche Ziele.

Ich teile allerdings nicht seinen Optimismus, dass wir allein durch rationales Denken diese Welt errichten werden. Rational lässt sich der Terror eines Robespierre, Stalin oder bin Laden genauso begründen wie der Pazifismus eines M.L. King oder Gandhi. Und selbst wenn wir uns alle auf den kategorischen Imperativ I. Kants berufen würden („Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“) – in konkreten Fragen wie z.B. dem Asylgesetz würden wir zu unterschiedlichen, vielleicht sogar gegensätzlichen Positionen kommen.

Eine Welt, wie sie sich Roddenberry erdacht hat, „setzt einen ehrenwerten, humanistischen Geist ihrer Mitglieder voraus“, schreibt Henrik Hansemann über Star Trek. Und ob das gelingt, „muss stark bezweifelt werden“. Die „Föderation der Vereinten Planeten“ bleibt eine Utopie.

Damit wir dieser Utopie aber wenigstens näher kommen, müssen wir daran arbeiten – nicht nur alleine, sondern auch mit anderen zusammen. Und genau das ist der eigentliche Sinn von Kirchen und Religionsgemeinschaften: Dass wir uns organisieren, um gemeinsam für das Gute zu wirken. Wie das gehen kann, haben wir an vielen Stellen in der Flüchtlingsarbeit beobachten können.

Allerdings machen Religionen nur Sinn, wenn sie sich wirklich am Menschen orientieren und nicht an Dogmen. Wenn wir unsere Fähigkeiten und unseren Verstand dafür einsetzen, dass wir uns verständigen und gegenseitig helfen.

Und mit dieser Vision bin ich nach meinem Eindruck dann wieder ganz nahe an der von Jean-Luc Picard – und ich weiß, warum ich diese Serie liebe.

Bibel evolutionär

Nun aber.

Nachdem Legionen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Theologie, Soziologie, Psychologie, Archäologie und anderen Disziplinen die Bibel auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt haben, kommt jetzt das ultimative schaik-michel-e1507967179979.jpgBuch über das Buch der Bücher, das „Tagebuch der Menschheit“ von Carel van Schaik und Kai Michel. Zumindest wenn man ihren eigenen Worten glaubt.

Das ist 50 Seiten sehr witzig und anregend, 50 Seiten nervig und dann 400 Seiten solide – insgesamt aber unbedingt lesenswert. Die Autoren lesen die Bibel aus evolutionsbiologischer Sicht, respektlos, wie es sich für Agnostiker gehört, aber auch – und das ist selten – voller Begeisterung. Die Bibel, sagen sie, „hat jede Menge ungehobener Schätze zu bieten. Es wäre schade, bliebe sie nur der Religion vorbehalten“ (S. 19). Und sie gehen davon aus: „Die Bibel hat zahllose Autoren. Gott war aller Wahrscheinlichkeit nicht darunter.“ (S. 24)

Ihre Grundthese: Über Jahrhunderttausende hat sich der Mensch der Umwelt als Jäger und Sammler angepasst. Diese genetische Grundausstattung, zu der auch die Religiosität gehört, tragen wir in uns. Dann kam der „Sündenfall“, die Sesshaftwerdung, die Vertreibung aus dem natürlichen Paradies, die dann auch in 1. Mose 3 ihren Niederschlag gefunden hat. Neue Katastrophen mussten bewältigt werden in einer Geschwindigkeit, die von der biologischen Evolution nicht mehr geleistet werden konnte. Der Mensch passte sich trotzdem an – mit Hilfe der „kulturellen Evolution“, die vor allem von den Vertretern der Religion übernommen wurde. Und die Bibel ist dafür ein, wenn nicht das hervorragende Zeugnis.

Nicht alle Argumente der Autoren finde ich gleichermaßen überzeugend. Wie kann ein Prozess, der vor über 10.000 Jahren stattgefunden hat, etwa 700 v.Chr. niedergeschrieben worden sein? Carel van Schaik und Kai Michel erwecken den Eindruck, als ob die Bibel ein Lehrbuch der kulturellen Evolution sei. Sie behandeln es aber eher als Bilderbuch ihrer eigenen Thesen.

Und sicher gibt es gute Gründe für die die These, dass es einen ständigen Konflikt zwischen intellektueller Priesterreligion und einfacher Volksreligion gab, zwischen Monotheismus und Polytheismus. Die Autoren sehen seinen Ursprung darin, dass eine herrschende Priesterkaste dem ständig widerstrebenden einfachen Volk seine Dogmen aufzwingen will. Ich glaube, dass diese Vorstellung eher dem Muster moderner säkularer Kirchen- und Religionskritik entspricht als der komplexen Realität damals.

Und doch hat mich dieses Buch fasziniert. „Die Bibel ohne Heiligenschein geht alle an“, schreiben die Autoren. Ja, sie fängt dadurch sogar noch einmal an zu leuchten. Religion ist komplex und ein Zusammenspiel vieler Menschen und Gedanken. Sie ist nicht Gegnerin, sondern Ursprung der Wissenschaft. Sie beschäftigt sich mit den wesentlichen Fragen der Menschen. Und gerade weil die Antworten so unterschiedlich sind, ja zum Teil widersprüchlich, sind sie immer noch aktuell.

Und ich glaube: Aktueller als die Autoren meinen. Carel van Schaik und Kai Michel behaupten, dass die Wissenschaft die Religion als Welterklärerin abgelöst hat und dass die Menschenrechte von modernen Institutionen mindestens genauso gut bewahrt werden wie von Religionen. Da ist etwas dran.

Aber ich glaube, dass die Kirche nicht nur eine Zukunft im Bereich der ursprünglichen intuitiven Religion hat. Ich entdecke gerade neue Zusammenhänge zwischen Glaube und Wissenschaft, zwischen meiner christlichen Tradition und der modernen Medizin. Die Realität ist wahrscheinlich komplexer als sich zwei säkulare Wissenschaftler – aber auch eine Menge Theologen – ausmalen können.

Insofern dürfte Shakespeares Satz in beide Richtungen stimmen: „Es gibt mehr Ding im Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit – und, wie ich hinzufüge: eure Theologie – sich träumt.“ Das „Tagebuch der Menschheit“ erzählt von mehr als einem solchem „Ding“.

 

Das Beitragsbild zeigt den „Sündenfall“ von Michelangelo.
http://www.heiligenlexikon.de/Fotos/Eva2.jpgTransferred from de.wikipedia to Commons by Roberta F. using CommonsHelper., 9 September 2007 (original upload date), Original uploader was Nitramtrebla at de.wikipedia, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7556462

 

Die drei Naturen des Menschen

Dass – mindestens – „zwei Seelen, ach, in meiner Brust“ wohnen, das wusste auch Goethe (Faust I). Sigmund Freud identifizierte in unserer Psyche das Es und das Über-Ich, die durch das Ich mühsam ausbalanciert werden müssen. Und Peter L. Berger wies uns darauf hin, dass wir auf unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung z.B. ein und dasselbe Bild von seiner emotionalen, kunsthistorischen oder ökonomischen Seite her ganz unterschiedlich beurteilen. Wir sind also komplizierte Wesen und manchmal ganz schön widersprüchlich.

Nun kommen Mediziner und Biologen und meinen: Die Evolution hat ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Deshalb haben wir nicht nur eine, sondern vielmehr drei Naturen. Zunächst begegnete mir die Theorie in einem Film, den mir Dr. Prochnow im UKE empfohlen hatte: Das Geheimnis der Heilung. Darin stellen die Autoren eine Theorie auf:

(Das ganze Video hier.)

Bisher hätte die Schulmedizin vor allem auf der obersten Ebene gearbeitet. Aber jetzt entdeckt auch sie, dass das zu kurz gesprungen ist. Es gibt eine Ebene darunter, und nicht zufällig zeigt das Video eine Kapelle: Die religiöse Dimension wird wichtig, Gemeinschaft und Spiritualität. Und noch tiefer, uralte Rituale kommen zum Vorschein. All das, was Wissenschaft lange als buchstäblich vorsintflutlich abgetan hat.

Und jetzt las ich „Das Tagebuch der Menschheit“ von Carel van Schaik und Kai Michel – danke, Daniel, für dieses wunderbare Geschenk. Ein Evolutionsbiologe und ein Historiker, beides bekennende Agnostiker, erkunden die Bibel. Und auch sie gehen von den drei Naturen des Menschen aus: „Die erste Natur“, schreiben sie, „sind unsere angeborenen Gefühle, Reaktionen und Vorlieben. Sie haben sich über die Jahrhunderttausende hinweg entwickelt“ und sind uns heute praktisch angeboren. Die zweite Natur ist das, was wir als Kultur oder Habitus bezeichnen: Das, was man in einer Gesellschaft tut oder eben nicht macht. Das ist von Region zu Region unterschiedlich, weil anerzogen. „Die dritte Natur nennen wir unsere Vernunftnatur … Beispiele dafür sind jene Dinge, die wir nur widerstrebend tun, obwohl wir wissen, dass sie gut für uns oder zumindest vernünftig wären.“ Wie die guten Vorsätze zu Neujahr. Und weil ausgerechnet die erste Natur die wirkungsvollste und die dritte die schwächste ist, misslingt uns die Umsetzung auch immer wieder. Carel van Schaik und Kai Michel gewinnen mit diesem Ansatz einen neuen interessanten Blick auf Bibel und Religion.

Für mich ist er nicht nur ein spannendes Denkmodell. Er zeigt mir neue Wege im Gespräch zwischen Wissenschaft und Religion. Vor allem aber auch neue Möglichkeiten, gemeinsam mit der Schulmedizin Wege der Heilung zu beschreiten.

Ich bleibe dran.

* Bruno Latour: Jubilieren

Jubilieren - Latour, Bruno„Jubilieren – oder die Qualen religiöser Rede, dazu möchte er etwas sagen, aber es gelingt ihm nicht.“ So beginnt Bruno Latour sein Buch über eine Sprachform, die, wie er meint, früher einmal so viel Kraft entfaltet hat und heute nur noch fade geworden ist. Und er schämt sich. Er schämt sich, weil es ihm nicht gelingen will, das rechte Wort zu finden. Aber er schämt sich auch „dessen, was sonntags, wenn er zur Messe geht, von der Höhe der Kanzeln herab ertönt; aber er schämt sich auch des ungläubigen Hasses oder der belustigten Gleichgültigkeit derer, die über die spotten“. Weiterlesen