Aus aktuellem Anlass

Heute haben wir uns entschieden, die Chemo für eine Woche auszusetzen. Die körperliche Schwäche, die mich seit einer knappen Woche plagt, ist eklatant und wird nicht weniger. Dieser Zustand belastet uns, mich eher körperlich, Ute eher mental. Diese Chemo ist zweifellos noch härter als die vor einem Jahr. Sollte keine Besserung eintreten, wird die Predigt am kommenden Sonntag fraglich.

Aber bis dahin ist noch fast eine Woche, und wir sind zuversichtlich. Die nächsten Tage werden also der Regeneration, dem Aufbau der Kräfte und der Predigtvorbereitung gewidmet sein. Und wir danken Euch allen, die Ihr uns so wunderbar begleitet.

Aus aktuellem Anlass

Liebe Freundinnen und Freunde,

auch wenn es aus dem Tumorland zurzeit nicht viel zu berichten gibt, möchten wir euch einen kurzen Zwischenstand mitteilen. Das PET/CT hat ja ein „divergentes Bild“ ergeben: Einige Metastasten sind zurückgegangen, andere dafür offensichtlich neu gekommen. Aber so beunruhigend diese Neuerscheinungen sind, man kann sie noch nicht recht einordnen. Auch ein MRT am letzten Donnerstag brachte keine Klarheit. Deshalb müssen wir jetzt wieder einmal abwarten.

Um die Vergrößerungen in der Lunge wirklich bewerten zu können, ist der Abstand vom letzten Staging eigentlich zu kurz. Die Ablagerungen in den Weichteilen und vor allem im Spinalkanal können richtig gefährlich werden. Oder sind es doch nur Auswirkungen der letzten Therapien? Ein Fall für das Tumorboard. Da der zuständige Onkologe in dieser Woche aber nicht im Haus ist, müssen wir bis zur nächsten Woche warten. Irgendwann in der zweiten Hälfte werden wir vielleicht nicht mehr wissen, aber Entscheidungen treffen müssen.

Der Säbelzahntiger gibt nicht auf. Wir aber auch nicht.

_______________________________
Beitragsbild: Eines der MRTs des UKE © Erik Thiesen

Aus aktuellem Anlass

Gestern war der Tag der Diagnosen. Nach dem PET/CT am Montag wurde noch ein Kopf-MRT gemacht, das wir gleich im Anschluss mit dem Operateur Prof. Westphal besprechen konnten. Und wie es aussieht, war die OP ein voller Erfolg. Die Metastase ist nicht mehr zu identifizieren, auch die anderen Raumforderungen sind entweder entfernt oder zusammengefallen und die Nachwirkungen unbedeutend. Der Professor zeigte uns beeindruckende Vorher-Nachher-Bilder. Er hat eine unglaubliche Arbeit geleistet.

Am Schluss des Gesprächs entdeckten wir, dass das PET/CT-Ergebnis auch bereits im System war, und das war keineswegs so eindeutig. Prof. Westphal konnte uns bei der Interpretation nur wenig weiterhelfen. Doch obwohl es schon nach Feierabend war, waren noch zwei Ärztinnen der HNO für uns da.

„Im kurzfristigen Verlauf divergentes Tumoransprechen“, heißt es im Bericht. Konkret: Die Metastasen am Fuß, in der Leiste und in der Leber sind rückläufig. In der Lunge gibt es kleiner und größer werdende Herde. Und im Rücken zeigen sowohl die Weichteile um die Knochen als auch der Spinalkanal deutlich vermehrte Stoffwechselaktivität. Es ist immer noch möglich, dass sie auf Nachwirkungen der Rücken-OP zurückzuführen ist. Die Erfahrungen aber haben gezeigt: Der Krebs mutiert, und gerade der Rücken ist eine Problemzone. Ein MRT in den nächsten Tagen soll klarere Ergebnisse bringen. In der kommenden Woche bespricht das Tumorboard den Fall, und dann werden wir sehen, ob uns noch etwas einfällt.

Bis dahin wird es eine unruhige Zeit: Wir wissen um die Gefahr, haben aber noch keine Strategie, um ihr zu begegnen. Und die Abstände werden kürzer: Dauerte es vor einem Jahr noch bis zwei Wochen nach der Chemo, bis sich neue Metastasen bildeten, kommen sie jetzt schon währenddessen. Wir haben zwar noch Pfeile im Köcher, sagen die Ärzte, aber sie werden stumpfer. Vielleicht müssen wir unser Augenmerk ja noch stärker auf alternative „Pfeile“ richten. Und dabei sind uns auch eure Informationen und euer Wissen wichtig.

Der Säbelzahntiger brüllt wieder. Es gab Zeiten, in denen es einfacher war, ihn zu ignorieren. Aber wir haben bei Fulbert Steffensky ja auch gelernt: „Hoffen lernt man auch dadurch, dass man handelt.“

P.S. Der nächste Gottesdienst ist bereits am 24. März. Ich stelle schon einmal den Predigttext bei „Zwischen Himmel und Erde“ rein. Wer noch nicht bei unserem Online-Bibelgesprächskreis dabei ist und gerne mitmachen möchte, dem gebe ich gerne das Passwort.

Wir wollen weiter hoffen lernen.

 

 

Aus aktuellem Anlass

Am Sonntag möchte ich wieder auf die Kanzel. Ich kann in dieser Chemo zwar nicht seriös über den Tag hinausplanen, und in den letzten Wochen gab es durchaus Zeiten, in denen es mir nicht gut ging. Aber der Wille ist da.

Kohelet ist mein Gesprächspartner, der von Martin Luther so genannte „Prediger Salomo“. Früher war er für mich ein etwas melancholischer Weisheitslehrer, dem ein paar gute Sinnsprüche eingefallen sind („Alles ist Hauch“, „Jegliches hat seine Zeit“). Heute ist er für mich einer der modernsten biblischen Autoren, ein Existentialist lange vor Jean-Paul Sartre, geschult in der Philosophie Epikurs und anderer Griechen. Es hat Spaß gemacht, ihn – neu – kennenzulernen.

Und vielleicht sehen wir uns ja am Sonntag, 10 Uhr, in der Kirche am Markt?

Aus aktuellem Anlass

Die Metastasen wachsen, dafür schrumpft der Atem – es muss etwas getan werden. Deshalb hat heute die neue Chemo begonnen. Und damit stehen wir wieder am Anfang einer schwierigen Zeit. Wie stark die Nebenwirkungen sein werden, ist jetzt natürlich noch nicht abzusehen. Aber wir können davon ausgehen, dass sie kommen.

Und anders als vor einem Jahr ist der Zeitraum nicht genau definiert. Der Arzt sprach zwar von 6 Zyklen à 3 Wochen. Das wäre dann bis in den Mai, ohnehin eine lange Zeit. Aber das hängt alles von der Wirkung ab. In sechs Wochen werden wir nachschauen, ob das Wachstum der Metastasen zum Stillstand gekommen ist oder ob sie sogar geschrumpft sind. Wenn ja, machen wir weiter. Wenn nicht, müssen wir die Therapie wechseln.

In dem Zusammenhang hat uns der Arzt geraten, dass wir schon mal eine Palliativberatung in Anspruch nehmen – für den Fall, dass sich der Zustand weiter verschlechtert: Was müssen wir bedenken, wenn nichts mehr hilft und wir den letzten Abschnitt des Weges in Angriff nehmen müssen? Diese Vorstellung beschäftigt uns zurzeit auch sehr.

Aber noch ist es nicht so weit, noch lange nicht. Die letzte Chemo war ein voller Erfolg gewesen. Warum sollte er sich nicht wiederholen, zumindest zum Teil?

Wir werden weiterhin versuchen, aus jedem Tag das zu schöpfen, was er hergibt. Täglich fallen neue Aufgaben an. Eine der wichtigeren ist in dieser Woche die Vorbereitung auf den Gottesdienst am kommenden Sonntag. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich ihn gemeinsam mit Hendrik Hoever und Helge Baumann werde halten können. Außerdem spielt unser neuer Posaunenchorleiter Andrii Spharkyi gemeinsam mit Gudrun Fliegner an der Orgel. Das wollen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.

Also lassen wir die Höllenhunde wieder los und hoffen, dass sie die Krebszellen erkennen und richtig Appetit auf sie haben – und die anderen möglichst verschonen.

_______________________________
Das Beitragsbild habe ich auf der Seite http://de.call-of-duty.wikia.com/wiki/H%C3%B6llenhund gefunden. Wenn ich es richtig verstanden habe, fällt es unter CC BY-NC License und ich darf es zu nichtkommerziellen Zwecken verwenden. Sollte ich es missverstanden haben, bitte ich um Benachrichtigung.

Lichtblick der Woche

 

Wir haben zwar kein Torffeuer entzündet. Doch nachdem wir einen Strandspaziergang bei starkem Wind mit Sturmböen gemacht und den Kamin entzündet haben, können wir sehr gut nachvollziehen, wie sich der Fremde gefühlt haben mag, wenn er eingeladen wird, sich daran zu wärmen. Mögen alle Fremden und solchen, denen es außen oder innen kalt ist, ein solches Feuer finden.

Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes,kaminfeuer
Licht um dich her und innen in deinem Herzen.
Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz,
bis es zu glühen beginnt wie ein großes Torffeuer –
und der Fremde tritt näher,
um sich daran zu wärmen.

Aus deinen Augen strahle gesegnetes Licht,
wie zwei Kerzen in den Fenstern eines Hauses,
die den Wanderer locken,
Schutz zu suchen dort drinnen
vor der stürmischen Nacht.

Wen du auch triffst,
wenn du über die Straße gehst –
ein freundlicher Blick von dir
möge ihn treffen.

Und der gesegnete Regen,
der köstliche, sanfte Regen
ströme auf dich herab.
Die kleinen Blumen mögen zu blühen beginnen
und ihren köstlichen Duft ausbreiten,
wo immer du gehst.

Der Segen der Erde,
der guten, der reichen Erde
sei für dich da.
Weich sei die Erde dir, wenn du auf ihr ruhst,
müde am Ende des Tages,
und leicht ruhe die Erde auf dir
am Ende des Lebens,
dass du sie schnell abschütteln kannst –
auf und davon
auf deinem Wege zu Gott.

Irischer Segen

_____________________________________
Betragsbild: unixgeek42, Torffeuer, Flickr, https://www.flickr.com/photos/mo-photo/305744294/in/photostream/
Bild im Text © Erik Thiesen
Für den Segen konnte ich kein Copyright ermitteln. Im Netz firmiert er unter „Volksgut“. Für Hinweise bin ich dankbar.

Familienurlaub

Andere Menschen fahren im Urlaub zum Base Jumping nach Norwegen, fliegen auf die Malediven oder zum Shoppen nach New York. Wir machen Familienurlaub in Dänemark. Und das sieht auch ziemlich spannend aus: Sechs Personen und zwei Hunde, alle mit durchaus eigenem Kopf und Charakter, in einem Ferienhaus mit einem Wohnzimmer und integrierter Küche, meistens warm, und vier kleinen Schlafzimmern, immer kalt. Ich kann mir vorstellen, dass diese Konstellation in manchen Familien durchaus zu Konflikten führen kann. In unserer im Prinzip auch. Aber es wurde im Gegenteil eine außerordentlich entspannte Zeit.

Morgen fahren die Kinder wieder zurück nach Hamburg, mit Ute bleibe ich noch einen Tag länger. Wir haben miteinander geredet und gespielt, haben gepuzzelt und Bücher gelesen. Wir haben abwechselnd Essen gemacht und eingekauft – neben Lebensmitteln ein paar Sack Brennholz – und dann noch einen und noch einen… So konnte der Kamin bollern, während die Hunde im Korb lagen oder durch das Zimmer getigert sind.

dänemark2Die Nordsee zeigte sich uns bei jedem Wetter – der Wind fegte uns den Kopf frei, der Regen erfrischte uns, und die Sonne zauberte wunderbare Farben auf das Wasser. Besonders die Hunde haben die Weite des menschenleeren Strands ausgenutzt, und die Familie säuberte ihn noch von einigem Abfall.

Das Schöne an diesem Urlaub ist, dass so gar nichts Spektakuläres passiert ist. Unser „großer“ Ausflug ging nach Ringkøbing. Wir besichtigten die alte Kirche, die uns mit modernem Altarbild und Taufbecken überraschte. Anschließend spazierten wir durch die nicht sehr lange Fußgängerzone und besuchten danach ein schönes Keramikgeschäft, in dem Inga eine Teekanne fand, die sie schon lange suchte.

Alles in allem ist es ein sehr gelassener Urlaub. Wir erholen uns und genießen die gemeinsame Zeit. Wir nehmen aufeinander Rücksicht. Und neben all den gemeinsamen Unternehmungen machen wir auch unsere eigenen Dinge. Und das alles auf so engem Raum, fast eine Woche lang. Ein großes Dankeschön an alle.

____________________________________
Beitragsbild © Ute Thiesen, Bild im Text © Rasmus Thiesen