Lichtblick der Woche

Vor einer Woche, als es uns nicht sehr gut ging, schickte uns meine Schwester Inke diesen „Wächter-Engel“.Engel Spannbrück1

Das Bild hing in unserem gemeinsamen Kinderzimmer; es hat sicher meine frühesten Jahre geprägt. Und die Eindrücke waren durchaus unterschiedlich: Der große Engel, freundlich und hell und groß und stark. Zu groß allerdings, um nahe zu sein. Die baufällige Brücke; das fehlende Brett hinter den Kindern strahlte für mich immer eine große Gefahr aus. Die Kinder selbst, klein und hilflos, aber stark als Geschwister. Und eigentlich war ich doch der große Bruder…

Heute ist das Bild immer noch ein Zeichen für die Verbundenheit unter uns Geschwistern und in der Familie. Es hängt jetzt bei unserem Neffen im Schlafzimmer.

_________________________
In meiner kindlichen Erinnerung war das Bild riesig, so etwa 2x3m. Das konnte natürlich nicht stimmen. Ich schätzte es gestern auf 1×0,70m. Thies hat noch einmal nachgemessen: Es ist 33x43cm groß. Soviel zu Erinnerungen aus der Kinderzeit.

Beitragsbild: Wächterengel, von unbekannt, erinnert an Werke von Fridolin Leiber – Deutsche Postkarte um 1900, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9459140
Bild im Text: © Thies Hörcher

Lichtblick der Woche

„Ce qui te manque,
Cherche-le dans ce que tu as.“
Koan Zen

yin-yangSuche das, was dir fehlt, in dem, was du hast.

Diese Weisheit aus dem Koan Zen schickte uns Waltraud aus dem Urlaub. Und sie meinte dazu: „Hier im Süden, in der Sonne, im Licht ist es wohl einfacher.“ Das dachten wir uns auch, als wir im Oktober den Urlaub auf Teneriffa buchten. Am kommenden Donnerstag hätte es losgehen sollen.

Aber wäre es wirklich so viel einfacher gewesen? Natürlich hätte eine bessere Diagnose vieles einfacher gemacht. Aber wenn ich genauer frage: Was ist denn, was mir wirklich fehlt – ist es dann ein Urlaub auf den Kanaren?

Wenn ich genauer frage, dann lautet die Antwort: Du bist, die mir fehlt. Und für andere: Du bist, der mir fehlt. Und dann könnte es weitergehen mit der Erkenntnis: Du bist ja da.

Lichtblick der Woche

Immer wieder werden wir darauf gestoßen, wie dünn das Eis ist, auf dem wir gehen. Was bedeutet die Hautverfärbung am Fuß? Unruhe. Am nächsten Tag ist sie verschwunden. Durchatmen. Aber die Atemnot – immer noch eine Nachwirkung der OP? Der Husten eine normale Erkältung? Oder doch eine gefährliche Immunreaktion? Und dann die Läsionen an Händen und Armen. Dr. Hezel war entspannt, aber…

Und dann wieder diese Kraft, die aus den Begegnungen kommt. Aus dem Formulieren neuer Gedanken. Aus einem ganz normalen besonderen Arbeitsalltag. Aus einem friedlichen Abendausklang zu zweit, mit unserer Spiri-Schale. Aus so vielen kleinen Kleinigkeiten.

Und dann spüren wir die Weisheit, die in der einfachen Erkenntnis Albert Schweitzers liegt:

Ich bin Leben, das leben will inmitten von Leben.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, doch immer wieder neu zu beherzigen.

____________________________________
Albert Schweitzer lebte von 1885 bis 1965
Beitragsbild: By Bundesarchiv, Bild 183-D0116-0041-019 / Unknown / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5361572

Lichtblick zwischendurch

Jeden Freitag veröffentlichen wir unseren „Lichtblick der Woche“. Ein- oder zweimal mussten wir ihn ausfallen lassen, weil uns nicht danach zumute war. Heute ist es umgekehrt.

Vor anderthalb Wochen endeten die Bestrahlungen an Rücken und Fuß. Ob sie erfolgreich waren, werden wir in anderthalb Wochen wissen; dann liegt das Ergebnis der PET-CT vor. Bis dahin wird unser Adrenalinspiegel eigenen Gesetzen gehorchen. Und das heißt: Wir wissen nicht genau, wie es uns am kommenden Freitag geht.

Heute aber stehen wir noch ganz unter dem Eindruck der letzten Tage. Wir haben unsere Freunde in Kitzingen besucht. Ich kenne Johannes jetzt 42 Jahre, und wir haben viel Sinniges und Unsinniges gemeinsam gemacht. Aber so dicht wie jetzt war unsere Freundschaft wohl noch nie. Und das Beste: Es ist eine Freundschaft, die mittlerweile auch unsere Frauen einschließt. Es war ein tolles langes Wochenende. Und die Mutter von Johannes, fast 90 Jahre alt, ließ uns grüßen und wünschte uns von Herzen „Gott befohlen“. Und so, wie sie es sagte, ging uns das sehr nahe.

Und heute bin ich wieder zur Immuntherapie im UKE gewesen, wie immer mit Sprechstunde. Und Marcus Hezel, der Arzt, war tiefenentspannt. Die „Läsionen“ auf der Haut, die mich beunruhigten, fand er gar nicht spannend. Und vor allem, meinte er, hätte er so ein Gefühl, dass die Immuntherapie anschlagen würde. Nicht immer würde dieses Gefühl stimmen, aber oft genug. Und als ich ihm andeutete, dass ich nicht wüsste, ob ich meinen nächsten Geburtstag noch erleben würde, war er der Meinung, dass meine Perspektiven viel weiter gespannt seien. Und wir hätten noch viele aussichtsreiche Therapie-Pfeile im Köcher.

Er hat mir viel Mut und gute Laune gemacht. Ein echter Lichtblick. Nicht nur heute.

Lichtblick der Woche

Von Birgit kommt dieses Gedicht von Heinz Kattner:

Morgen
Das Neue an diesem Morgen heißt:
Nimm deinen Platz ein und lebe
mit dem Dunkel und dem Licht.

Mittag
Das Neue an diesem Tag heißt:
Weiche deinem Anblick im Spiegel nicht aus.
Nimm deinen Platz ein und lebe
mit dem Schönen und dem Schrecken.

Abend
Das Neue an diesem Tag heißt:
Ich nehme meinen Platz ein
und begrüße das Ungeordnete.
Ich gehöre dazu, voll Freude und Angst
und nichts will ich verleugnen.

_____________________________________
Morgen, Mittag und Abend sind jeweils Abschlussverse aus vorhergehenden Gedichten in dem Zyklus „Einfache Dinge, Menschen und große Namen“, aus: Heinz Kattner, Unauffälliges Zittern, zu Klampen Verlag 2001. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Lichtblick der Woche

route-66-historic.jpgJohanna und Jörn schenkten uns, nachträglich zu meinem Geburtstag, diese „Route 66“. Sie erinnerten sich an unseren Wunsch, die „Main Street of America“ einmal zu fahren. Und damit ist sie ein Symbol für unsere Hoffnung, dass es auch möglich sein wird. Dieses Schild hängt nun im Flur.

Die beiden schrieben dazu: „Die Route 66 beginnt ganz bestimmt in Niendorf.“

Und der Tag, an dem wir dieses Geschenk bekamen, hielt noch mehr Lichtblicke für uns bereit: Ute und Sönke besuchten uns, und es wurde ein wunderbarer Nachmittag.

Und abends lasen wir die Herrnhuter Losung, die diesmal ganz besonders zu passen schien: Paulus sprach zu den Mitreisenden: Diese Nacht trat zu mir der Engel des Gottes, dem ich gehöre und dem ich diene, und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus, du musst vor den Kaiser gestellt werden; und siehe, Gott hat dir geschenkt alle, die mit dir fahren. (Apostelgeschichte 27,23-24) Die Begegnung mit dem Kaiser wurde für Paulus alles andere als angenehm. Aber bis dahin hatte er Mitreisende, die ihm Gott geschenkt hatte und die ihm zur Seite standen.