Ein neues Jahr

An diesem Wochenende endet offiziell die Chemotherapie. Montag geht es in die PET/CT, und ein paar Tage später werden wir wissen, was sie gebracht hat. In Zukunft geht es dann in erster Linie darum, den Status zu halten. Die Hoffnung geht dahin, dass die Metastasen in den nächsten Jahren nicht größer werden. Dazu dient dann auch die „Erhaltungstherapie“ – alle 14 Tage bekomme ich weiterhin das Antikörpermedikament. Das wird die Haut wahrscheinlich weiter belasten. Aber mein Allgemeinzustand soll sich nun kontinuierlich verbessern.

Das neue Jahr kann also beginnen. Und es beginnt mit einem Gottesdienst. Übermorgen. Gemeinsam mit Daniel Birkner. Und Euch? Über den Bibeltext 1. Korinther 2, 1-10 – Von der menschlichen und der göttlichen Weisheit – haben wir uns schon im kleineren Kreis „Zwischen Himmel und Erde“ ausgetauscht. Wer das nächste Mal auch mitmachen will, meldet sich ganz einfach bei mir und bekommt das Passwort.

Ich freue mich aber in jedem Fall darauf, dass ich die Quarantäne der letzten Wochen in Zukunft deutlich lockern kann und die Chance steigt, dass wir uns (wieder) persönlich begegnen. Am Sonntag allerdings werde ich nach dem Gottesdienst noch nicht wieder an der Kirchentür stehen können.

Lichtblick der Woche

Der letzte Chemo-Zyklus ist angebrochen. Noch ist es anstrengend. Aber Mitte Januar bin ich offiziell durch. Die PET/CT wird das Ergebnis zeigen. Danach kommt die „Erhaltungstherapie“ – alle 14 Tage eine Antikörpergabe. Aber, so das Versprechen der Ärztin, es wird kein Vergleich zur Chemo sein. Ich kann wieder ein fast normales Leben aufnehmen. Ins Kino gehen. Oder ins Restaurant. Und mehr. Ein echter Lichtblick.

Gutschein

Aussichten

Aus aktuellem Anlass

Heute habe ich mir zum ersten Mal die Liste der Nebenwirkungen meiner Chemo-Medikamente durchgelesen. Nun weiß ich, warum ich mich fühle, wie ich mich fühle. Es ist schon ein rechtes Teufelszeug, das mir wöchentlich durch die Adern gejagt wird. Und die letzten Wochen waren durchaus anstrengender als ich gehofft hatte.

Andererseits: Wenn ich bedenke, was alles so auf den Beipackzetteln steht – es hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Und die letzten Nachrichten aus der PET/CT haben ja gezeigt, dass die Metastasen ebenfalls beeindruckt sind.

Die Aussichten sind jedenfalls gemischt. Nach Weihnachten beginnt der letzte Zyklus von drei Wochen; das wird sicher auch kein Spaß. Aber auch hier gibt es ein andererseits, eigentlich sogar zwei.

Das nächste Ereignis, dem ich mit Spannung entgegensehe, ist der Gottesdienst in der Christnacht. Nachdem es mir heute besser geht als in den letzten Tagen, bin ich ganz zuversichtlich, die nötige Kraft zu haben. Und der Prince of Peace ist nicht nur das Thema der Predigt, sondern hat uns ja auch schon in einem Blogbeitrag und bei „Zwischen Himmel und Erde“ beschäftigt.

Und dann freue ich mich schon darauf, dass Mitte Januar Schluss ist mit der Chemo. Danach folgt dann die sogenannte „Erhaltungstherapie“. Die verspricht nicht annähernd so anstrengend zu werden.

Und danach, so habe ich Ute schon angekündigt, würde ich gerne noch einmal in die Sonne.

35,2%

Aus aktuellem Anlass

Die Horde Pacmen, die auf meinen Körper seit gut sechs Wochen losgelassen werden, hat erfolgreich gearbeitet. Die Größe der Metastasen ist um mehr als ein Drittel – genau um 35,2% – zurück gegangen. Das ist ein schöner Erfolg.

Als ich Dr. Bußmann vor einer Woche nach dem Ziel der Chemo fragte, meinte sie: Das Wachstum der Metastasen zum Stoppen zu bringen. Ein Rückgang wäre schon ein doppelter Erfolg. Und die Vision, natürlich, eine vollständige Rückbildung.

Wir werden sehen, was die Pacmen noch zu leisten imstande sind. Die Ärztinnen legen sich natürlich auf keine Voraussage fest. Aber der erste gute Schritt ist getan.

Und das ist auch eine gute Motivation für die zweite Hälfte – die wir aber auch gut gebrauchen können. Denn die Chemo ist kein Spaß. Besonders diese, die erste Woche eines Zyklus, ist anstrengend. Das wird dann zwar tendenziell besser, aber die Tagesform ist wenig berechenbar.

 

Aus aktuellem Anlass

Der zweite von vier Zyklen der Chemo geht am Sonntag zu Ende. Und da am Ende eines Zyklus die Kräfte erfahrungsgemäß ansteigen, werde ich den geplanten Gottesdienst zum 1. Advent im Immanuel-Haus auch halten können. Ihr seid alle ganz herzlich eingeladen. Um 10h geht es los – und Thema der Predigt ist das „Buch mit den sieben Siegeln“ aus der Offenbarung des Johannes, Kapitel 5.

Update und Idee

Aus aktuellem Anlass

Knapp vier Wochen Chemo sind geschafft, gut acht kommen noch. Und die Nebenwirkungen sind sehr unberechenbar. Die erste Woche war zweifellos die härteste, aber auch in der vergangenen gab es zwei Tage, die so gar keinen Spaß gemacht haben. Nach wie vor lebe ich wegen der Infektionsgefahr für meine Verhältnisse relativ zurückgezogen.Und vom Großteil meiner Haare musste ich mich schon verabschieden.

Doch ich kann spazieren gehen, bloggen – und an die Predigt zum Gottesdienst am 1. Advent denken.

Und das führt mich auch gleich zur Idee. Ich vermisse unsere Bibel- und Glaubensgespräche. Sie waren voller Energie und Emotion, Zweifel und Glauben, Fragen und – meist vorläufigen – Antworten und sind nicht wirklich zu ersetzen. Aber vielleicht müssen wir nicht ganz darauf verzichten.

Wir haben doch Facebook.

Und dort existiert seit heute eine geschlossene Gruppe mit dem Namen „Zwischen Himmel und Erde“. Wie wäre es, wenn wir uns dort treffen würden, um uns über Bibel und Glaubensfragen auszutauschen? Das erste Thema könnte dann gleich der Bibeltext für den 1. Advent sein, Offenbarung 5, 1-5. Der ist dann auch gleich so crazy, dass er entweder sprachlos macht oder für viel Gesprächsstoff sorgt.

Regeln würde es in dieser Gruppe natürlich auch geben:

  1. Keine Meinung ist zu klug, zu unvernünftig, zu fromm oder ketzerisch oder was auch immer – vorausgesetzt, sie ist ehrlich. Es gibt kein falsch und richtig in Glaubensfragen. Es gibt nur wahrhaftig oder nicht.
  2. Hasskommentare oder solche, die unsachlich sind, werden herausmoderiert. Und alles, was gegen geltendes Recht verstößt, natürlich auch.
  3. Konstruktiver Streit ist durchaus erwünscht. Das schließt aber den Respekt vor anderen Meinungen ein.

Und, seid ihr interessiert?

Eine Woche Chemoland

Die letzten Tage waren hart. Härter, als ich gehofft hatte. Aber wahrscheinlich auch besser, als es hätte sein können. In den Vorgesprächen habe ich mich bemüht, bei den möglichen Nebenwirkungen nicht ganz so genau hinzuhören und alles auf mich zukommen zu lassen. Das halte ich immer noch für eine gute Idee.

Vor einer Woche konnte ich noch einen kilometerlangen Spaziergang machen. Jetzt bin ich froh, wenn ich um die Hinschwiese komme. Im Bauch schmerzt und drückt es heftig. Mal sehen, ob die Ärztin morgen eine Idee hat.

In den nächsten beiden Wochen bekomme ich „nur“ Antikörper gespritzt. Die Nachwirkungen sollen überschaubar sein. So geht es weiter, in sechs Zyklen – eine Woche das volle Chemo-Programm, zweimal Antikörper, also 18 Wochen. Das wird ein langer Ritt.

Mit ungewissem Ausgang; denn ob die Therapie anschlägt, wissen wir noch nicht. Und während ich vor der OP in Mainz meine Zukunft noch in Jahren plante, sind es jetzt weitaus überschaubarere Zusammenhänge. Die Grenzen des Lebens werden sichtbarer, gerade wenn sich die Krankheit auch körperlich in den Vordergrund schiebt.

Und doch halte ich mit Christoph Schlingensief daran fest: „So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein.“ Dabei weiß ich doch gar nicht, wie es im Himmel aussieht. Kommt nach dem Tod die ewige Seligkeit? Oder eine neue Aufgabe? Oder gar nichts? Werde ich mit Gott beim Bier sitzen und feiern oder die großen Geheimnisse des Lebens klären? Diese Fragen sind noch nicht dran. Heaven can wait.

Was aber nicht warten kann, und das kann ich nicht oft genug sagen: Hier zu leben, mit Ute, mit der Familie, mit Euch. Ich möchte noch zwei, drei Ideen umsetzen, die ich ganz charmant finde. Ralf fragte auch nach einem Artikel über das Reformationsjubiläum. Auf der Terrasse vor dem Fenster versteckte gestern eine Krähe irgendein Zeugs unter den Steinen. Letzte Nacht hat es gestürmt. Und heute fallen wieder Blätter durch die Sonnenstrahlen.

Es ist so schön, dass es weh tut. Heaven can wait. Definitiv.