Marathon

Die eine geht, die andere kommt: Die Metastase an der Lungenwurzel ist erfolgreich bestrahlt worden, dafür hat sich eine neue in der Lunge gebildet. Und damit ist noch einmal klarer geworden: Diese Krankheit geht nicht über die Kurzstrecke. Das wird Marathon.

Grundsätzlich hat sich also nicht so viel geändert. Das weitere Vorgehen wird in den nächsten zwei Wochen mit den Ärzten weiter besprochen werden. Vielleicht warten wir erst einmal wieder 4-6 Wochen. Eine Chemo zeichnet sich aber ab.

Gegen den obskuren Rückenschmerz, über den ich vor einer Woche schrieb, setzte der Arzt Akupunktur ein. Mit dem Ergebnis, dass ich nun total müde bin. Und ob der Schmerz weg ist, kann ich wohl erst morgen sagen. Sieht heute aber gut aus.

Im ganzen Wechselbad der Gefühle überwiegt deutlich die Zuversicht. Und wenn ich am Krebs sterbe? Macht nix, wenn das erst in 20 oder 30 Jahren ist. Und daran arbeiten wir.

Und wieder haben so viele von euch reagiert. Das tut gut. Und wir sind überzeugt: Das hat auch geholfen. Wer weiß, was sonst alles passiert wäre.

 

Lichtblick der Woche

In wenigen Stunden werden wir das Ergebnis der PET/CT erfahren. Und es ist gut möglich, dass es gar nicht nach unseren Wünschen ausfällt. Doch auf unserer Seite stehen:

  • Dr. A.M. mit seinen hochqualifizierten Teams aus der Onkologie, Radiologie, Orthopädie… im UKE, in Schnelsen und Mainz,
  • Dr. A.K., der in seiner Firma zurzeit an einem Gegenmittel gegen diesen Krebs arbeitet,
  • die Psychologinnen Dr. S.M. und Dr. J.S., die unseren Geist immer wieder aufrichten,
  • Partner*in und Kinder, die uns wunderbar tragen,
  • der Pastor F.P., der unsere Seele ausrichtet,
  • die Kolleginnen und Kollegen, die unsere Arbeit machen, wenn unsere Kraft nicht reicht,
  • Vorgesetzte, die unsere Arbeitsstellen an unsere Möglichkeiten anpassen und
  • das riesige Netzwerk in Familie, Freundeskreis und Gemeinde, die uns eine Wohnung besorgen, sie einrichten, mit uns feiern und fühlen, für uns beten, uns Lichtblicke schenken und umarmen.

Nach menschlichem Ermessen hat der Krebs auf Dauer keine Chance.

Das göttliche Ermessen ist schwerer einzuschätzen. Einerseits hat da jemand geschlafen, als ein paar üble Zellen in meinem Körper auf Reisen gingen, sich häuslich niederließen und Nachkommen zeugten. Andererseits ist in den letzten Monaten und Jahren soviel passiert, was mit „Zufall“ nicht mehr zureichend erfasst werden kann.

Im Brief, den ich jetzt von meiner Tante bekam, stand die Zusage Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,20) Dann gehen wir es mal gemeinsam an, mit Jesus an unserer Seite.

Es ist an der Zeit

„Du musst mir helfen“, sagt Abel Baumann alias Gott zu Jacob Jacobi. Die Sache mit der Erde ist ihm über den Kopf gewachsen. Er braucht einen neuen Messias. Was aber befähigt den 49-jährigen Psychologen zum Nachfolger Jesu Christi? Sicher, er gehört zu den netten Menschen, die sich – wie die meisten von uns – auf der Welt etwas mehr Liebe, Frieden und Gerechtigkeit wünschen. Aber das ist nicht alles. Er glaubt. Und Gott sagt: „Wenn Menschen nicht nur wünschen, sondern glauben, dann setzt das ungeahnte Energien frei.“

Das ist für ein solch leichtes Buch ungewöhnlich tiefsinnig. Noch etwas weiter geht der Theologe Eckhard Etzold. Es gibt nicht die eine, objektive Welt, sagt er. Der Glaube erschafft sich seine Wirklichkeit selbst. Und jeder Mensch glaubt. Der eine daran, dass Gott Wunder tut – und berichtet immer wieder von übernatürlichen Heilungen. Der andere schließt genau das aus, weil für ihn das materialistische Weltbild gilt. Aber „wo der Wunderglaube fehlt, da bleiben auch die Wunder aus“, schreibt Etzold in einem Artikel für die Zeitschrift Pastoraltheologie (1992!; ich hätte das alles schon vor 25 Jahren wissen können). Und der Theologe bezieht sich nicht nur auf die Bibel. Seine Grundlagen sind die Untersuchungen des Psychologen Paul Watzlawick zu selbsterfüllenden Prophezeiungen und die philosophische Theorie des radikalen Konstruktivismus. Klingt es vielleicht deshalb für Theologenohren „abenteuerlich verwirrend“, wie der ehemalige Hauptpastor Peter Stolt im Vorwort schreibt?

Nun, im Grunde ist es genau die Botschaft, die uns Frau Dr. Seeland in Gesprächen, Mails und Kommentaren versucht beizubringen. Mit den Worten Etzolds: „Unsere Vorerwartungen bestimmen entscheidend, was wir erleben und zu sehen bekommen. Sie werden zu selbsterfüllenden Prophezeiungen. Das gilt nicht nur für soziale Realitäten, sondern auch für biologische und physikalische Realitäten.“

Und dann kommt er noch auf das Psychotraining der „Visualisierung“ zu sprechen, das im Hochleistungssport Anwendung findet. „Dabei werden innere Bilder, geistige Vorstellungen und positive Bewußtseinsinhalte im Zustand tiefer Muskelentspannung produziert und durch wiederholtes Üben im Gehirn festgeschrieben. (…) Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, daß man auf diese Bilder angewiesen ist, Worte allein reichen nicht.“

Es ist also an der Zeit, sich den nächsten Untersuchungstermin vorzustellen und nicht nur zu wünschen, dass keine Metastasen gefunden werden. Sondern zu glauben, ja zu sehen, wie Dr. Münscher verkündet: Alles ok.

Und wenn er es morgen nicht tut? Nun, man kann davon ausgehen, dass Gott seinen eigenen Zeitplan hat. Wenn es nicht jetzt passiert, dann eben das nächste Mal. Aber er wird es tun. Ich sehe es schon vor mir. Ziemlich deutlich.

Was man so braucht

Die Kinder sind aus dem Haus. Sie haben ihre eigenen Wohnungen, gehen ihre eigenen Wege. Und doch gibt es, außer Weihnachten, ein Ereignis, das uns Jahr für Jahr wieder zusammenführt. Und zwar in Bad Segeberg.

Karl May ist Kult in unserer Familie. 2000 waren wir zum ersten Mal dort. Der Ölprinz, damals noch ohne Inga, für die das Geballer einfach zu laut war. Seitdem waren wir in jedem Jahr dort. Bis auf 2016. Was noch einmal deutlich macht, wie dramatisch das letzte Jahr für uns war.

Pierre Brice haben wir natürlich verpasst. Aber Gojko Mitic wurde für uns und besonders für die Kinder zur Winnetou-Legende. Und im ersten Jahr holte sich Maj-Britt ein Autogramm von Matthieu Carriere, der auch in diesem wieder den Schurken spielte. Damals hatte die Story auch noch eine Bedeutung; nach und nach trat sie in den Hintergrund. Aber immer noch macht es Spaß, emotional einzusteigen: mitzufiebern beim ersten Kuss des Liebespaars, Entsetzen zu zeigen, wenn der Bösewicht erscheint oder dahinzuschmelzen, wenn Winnetou bei „seinem“ Soundtrack auftritt.

Zu Karl May gehörte eigentlich auch immer die Currywurst mit Pommes und Mayo oder Ketchup und Cola. Doch zeigt sich gerade hier der Wandel der Zeiten. Aus der Cola wurde für die einen Wasser, für andere Bier. Und die Currywurst fiel teilweise ganz weg, weil sie den veganen Vorgaben nun gar nicht mehr genügte.

Kalkberg17.jpgNatürlich ist das alles nahe am Kitsch oder vielmehr schon jenseits davon. Selbst Sila Sahin aus der Soap Opera „GZSZ“ fragte an, ob das mit dem Schmalz bei den Liebesszenen „nicht alles einen Tacken zu viel sei“. Die Regie reagierte und „verdoppelte die Schmuse-Dosis“ (Abendblatt vom 22.7.17).

Hach, das Leben kann so einfach sein. Und so schön. Nächstes Jahr fahren wir wieder alle zu Karl May. Wir brauchen das.

Das Beitragsbild zeigt das Bühnenbild von „Winnetou II“ aus dem Jahr 2012 (Pixabay).
Das Bild im Text zeigt die Schlussszene aus diesem Jahr (Old Surehand, 2017) (c) Erik Thiesen.

Lichtblick abhandengekommen

Treue Leserinnen und Leser dieses Blogs haben vielleicht den Lichtblick vermisst, der seit vielen Monaten am Freitag erscheint. Er ist uns abhandengekommen, und das kam so:

Vor gut vierzehn Tagen tauchte in meinem Rücken ein neuer, sehr unangenehmer Schmerz auf. Auch zwei Orthopäden, zwei allgemeine Ärzte, ein Onkologe und ein Physiotherapeut fanden – trotz CT – keinen Grund dafür. Sie verschrieben mir Schmerzmittel.

Wahrscheinlich reagiert der Körper nach den OPs und Bestrahlungen einfach sensibler als sonst, vielleicht aber auch… Im letzten Jahr begann die Katastrophe mit Rückenschmerzen…

Trotzdem buchten wir eine Hütte in Schweden und wollten auf dem Weg dorthin noch ein paar Freunde und Verwandte besuchen. Doch schon dem ersten Freund mussten wir absagen; wir konnten erst einen Tag später nach Angeln fahren. Als ich dann aber bei meinem Bruder auch noch Fieber bekam, fuhren wir wieder zurück nach Hamburg.

Das war gestern, der Tag des Lichtblicks. Vielleicht kam er ja vorbei? Immerhin waren wir bei lieben Menschen zu Gast und machten noch einen längeren Spaziergang an der Ostsee. Aber am Ende entsprach unsere Stimmung doch ziemlich genau dem Wetter heute.

Auch solche Zeiten gibt es. Wir werden versuchen, aus den nächsten beiden Wochen das Beste zu machen. Dann kommt die nächste Nachuntersuchung, und die Karten werden wieder völlig neu gemischt.

Adler vegan

Wenn wir mit der Familie essen gehen, ist die Auswahl des Restaurants gar nicht so einfach. Wir sind fünf Personen, und es gibt unter uns Veganerinnen, Vegetarierin und Carnivore in unterschiedlicher Konsequenz und Abstufung. Meistens ist das Angebot für Vegetarier – und Veganer sowieso – recht übersichtlich. Das gilt übrigens auch für Buffets bei kirchlichen Festen.

VeganEagleVor ein paar Tagen waren wir deshalb zum ersten Mal im Vegan Eagle in Langenhorn, und ich muss sagen: Es schmeckte ziemlich gut, und satt wurde ich auch. Das Gespräch drehte sich bald um unsere Essgewohnheiten, und ich begann über meine ethischen Einstellungen nachzudenken.

Denn unsere vegane Fraktion hatte gute Gründe: Das Leiden der Tiere, der ökologische Fußabdruck, Gesundheit. Meine Rechtfertigung klang da eher nach: Fleisch zu essen, das war schon immer so, es macht Spaß und ich darf das. Bei Harley-Fahrern, die ihre Maschinen aufdrehen, verabscheue ich diese Argumentation.

Ok, ganz so einfach mache ich mir es natürlich nicht. Ich glaube aber, dass sich vieles regelt, wenn wir konsequent Biofleisch essen würden – schon über den Preis. Daraus würde dann eine ausgewogenere Ernährung folgen. Kükenschreddern und Tiertransporte gehen dann schon mal gar nicht. Aber auch auf dem Biohof werden Kühen die Kälber weggenommen, das Tierwohl wird oft den ökonomischen Zwängen untergeordnet, und am Ende werden alle Tiere sowieso getötet.

Und da denke ich: Ja, so ist es. Ich bin auf einem Hof aufgewachsen. Tiere, die auf dem Bauernhof leben, sind Nutztiere und dazu da, dem Menschen als Nahrung zu dienen. Und zum Spaß kann man sich Haustiere halten. Man soll Tiere nicht unnötig quälen. Aber sie sind keine Menschen.

Ich kann den Unterschied zwischen Mensch und Tier nicht schlüssig begründen, weder mit der Biologie noch mit der Theologie. Ich kann nur sagen: So bin ich aufgewachsen, das ist für mich natürlich.

Reicht das?

Das Beitragsbild stammt von Pixabay, das Bild im Text von der Webseite des Vegan Eagle (c) Hannah Elser

Ein neues Herz

Nach dem Fest am 23. Juli hatten wir nicht  das Problem, einen „Lichtblick der Woche“ zu suchen, sondern vielmehr, einen unter den vielen Angeboten auszusuchen. Wir entschieden uns für die Karte des Kinder- und Jugendausschusses:

Herzzuverschenken1Ich schenke euch ein neues Herz und einen neuen Geist.

Herz zu verschenken.
Tollkühn. Vertrauensvoll. Himmelleicht.
Zum sofortigen Gebrauch.
Gott

(c) www.editionahoi.de
Susanne Niemeyer
(www.freudenwort.de)