Der kleine Lord

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass wir es in diesem Jahr nicht geschafft haben, den „Kleinen Lord“ live und zur Original-Sendezeit zu sehen. Die moderne Arbeitswelt kam dazwischen. Ein Auftrag musste unbedingt vor Weihnachten noch erledigt werden, und so wären wir am Freitag nicht vollzählig gewesen. Aber auch gestern, einen Tag später, war es wieder ein richtig schönes Familienerlebnis. Das lag natürlich an unserer Familie, aber auch am Film.

Denn „Der kleine Lord“ funktioniert immer wieder. Wenn Cedric seine Freunde wiedersieht, seine Mutter unter dem Tannenbaum erscheint oder wenn er am Schluss aller Welt „Gesegnete Weihnachten“ wünscht, dann ist es leicht, an das Gute im Menschen und in der Welt zu glauben. Ricky Schroder spielt den Jungen absolut glaubwürdig, und Alec Guiness ist sowieso eine Klasse für sich. Aber auch an den Nebenrollen haben wir jede Menge Spaß: Wenn John Cater als Butler Thomas vielsagend guckt, Patrick „Captain Picard“ Stewart den Stallmeister spielt oder Ballard Berkeley als Lord Lorradaile grenzdebil kichert – das ist hohe Kunst. Nur Connie Booth als Mutter nervt uns mit ihrer gleichzeitig so gütigen und etwas hochmütigen Art. Dabei hatte sie doch bei Monty Python mitgespielt.

Immerhin – für fast zwei Stunden erleben wir eine heile Welt, in der die Probleme mit einfachen Mitteln gelöst werden. Das Leben ist schön und geht gut aus.

Ich darf das Ganze nur nicht zu sehr politisch angehen. Zwar werden die sozialen Probleme durchaus genannt: Die Enge im New York der Jahrhundertwende, der immense Reichtum und Hochmut der englischen Adligen, die furchtbare Armut unter den Pächtern. Aber diese Strukturen werden nicht angetastet, im Gegenteil. Der einzige „aufrechte Demokrat“, der amerikanische Krämer Hobbs, ist am Ende froh, für 14 Tage im Schloss wohnen zu dürfen. Seine anfänglichen kämpferischen Aussagen halten der Wirklichkeit kaum stand.

Aber so funktioniert ja auch Weihnachten, vor allem in seiner säkularen Variante und wenn es gut geht: Als kuscheliges Familien-Wohlfühlfest. Die Wirklichkeit kommt danach noch früh genug.

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Beitragsbild: Belvoir Castle, im Film Schloss Dorincourt. Von Nancy – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3677806

 

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