Lichtblick der Woche

Vor einer Woche, als es uns nicht sehr gut ging, schickte uns meine Schwester Inke diesen „Wächter-Engel“.Engel Spannbrück1

Das Bild hing in unserem gemeinsamen Kinderzimmer; es hat sicher meine frühesten Jahre geprägt. Und die Eindrücke waren durchaus unterschiedlich: Der große Engel, freundlich und hell und groß und stark. Zu groß allerdings, um nahe zu sein. Die baufällige Brücke; das fehlende Brett hinter den Kindern strahlte für mich immer eine große Gefahr aus. Die Kinder selbst, klein und hilflos, aber stark als Geschwister. Und eigentlich war ich doch der große Bruder…

Heute ist das Bild immer noch ein Zeichen für die Verbundenheit unter uns Geschwistern und in der Familie. Es hängt jetzt bei unserem Neffen im Schlafzimmer.

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In meiner kindlichen Erinnerung war das Bild riesig, so etwa 2x3m. Das konnte natürlich nicht stimmen. Ich schätzte es gestern auf 1×0,70m. Thies hat noch einmal nachgemessen: Es ist 33x43cm groß. Soviel zu Erinnerungen aus der Kinderzeit.

Beitragsbild: Wächterengel, von unbekannt, erinnert an Werke von Fridolin Leiber – Deutsche Postkarte um 1900, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9459140
Bild im Text: © Thies Hörcher

3 Gedanken zu “Lichtblick der Woche

  1. Jutta Seeland schreibt:

    Faszinierend, wie unterschiedlich das Empfinden beim Betrachten dieses Bildes sein kann!
    Für mich ist es – und wäre es ganz sicher auch in meiner Kindheit gewesen – ein absolut tröstliches Bild! Die Brücke ist ja *hinter* den Kindern schadhaft, was für mich ein Zeichen für den bereits *gehabten* Schutz ist! Da *hat* der Engel schon aufgepasst! Außerdem ist das rettende Ufer doch schon fast erreicht, oder? Für mich sieht es so aus. Die Größe des Engels hätte ich eher angemessen gefunden angesichts der großen Aufgabe. 😉
    So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein…

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      Genau das habe ich auch gemeint. Die Wirkung kann durchaus unterschiedlich sein: Für ein dreijähriges Kind ist es riesig, und die Bilder wirken anders, anders wieder, wenn man es betrachtet oder wenn man jeden Abend damit einschläft, anders für Bruder und Schwester. Das Bild selbst bleibt dasselbe, das Bild vom Bild verändert sich.

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  2. Ute Klingwort-Finster schreibt:

    Es ist so unglaublich spannend: wie unterschiedlich jeder von uns die „Wirklichkeit“ wahrnimmt.

    Dazu fällt mir ein Film ein, den ich vor ein paar Wochen mit einer Freundin gesehen habe. Wir waren beide sehr bewegt, richtig überwältigt von der Wucht der Bilder; dazu die Musik! – und das, obwohl wir vorher gehört hatten, dass die Kritiken nicht gut sein sollten.
    Erst am Tag darauf habe ich einige dieser Rezensionen gelesen. Allesamt Verrisse der heftigsten Sorte. Und beim Lesen dachte ich: Ja, stimmt. Ist alles richtig, was da Kluges steht, was alles schlecht bzw. unzureichend an dem Film und dem Konzept des Regisseurs ist.

    Trotzdem bleibt die Wirkung auf uns. Beides scheint „richtig“ zu sein. Oder sogar „wahr“. Es geht um den Film „Werk ohne Autor“.

    Ich wollte den Engel-Lichtblick nicht ignorieren. Zumal Geschwister-Geschichten mich als Einzelkind sowieso faszinieren.
    Der große Wächter-Engel, der Aufpasser in gefährlichen Lebenslagen, Beschützer vor allem Bösen. Ach, wenn es doch so wäre!

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