Auferstehung! Auferstehung?

Als gestern im Gottesdienst der Predigttext verlesen wurde, dachte ich spontan: Gut, dass ich nicht dran bin und darüber predigen muss. Paulus reflektiert über die Auferstehung, und er schreibt unter anderem: „Denn wenn es richtig ist, dass Tote überhaupt nicht auferweckt werden, dann wurde auch Christus nicht auferweckt. Wenn aber Christus nicht auferweckt wurde, dann ist euer Glaube vergeblich.“ (1. Korinther 15,16-17 nach der Basisbibel)

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Das leere Grab

Zweifel an der Auferstehung darf es also nicht geben, sonst können wir in letzter Konsequenz als Geistliche gleich unseren Beruf an den Nagel hängen und die Kirchen schließen. Andererseits glaubt nur die Hälfte der Kirchenmitglieder daran, dass Jesus von den Toten auferstanden ist.

Und die Bibel macht es einem nicht gerade leichter. Die Berichte vom Auferstandenen klingen reichlich mysteriös. Seine Vertraute Maria verwechselt ihn mit einem Gärtner (Johannes 20, 11-20), Kephas und sein Kumpel erkennen ihn stundenlang nicht, bis er ihnen in Emmaus das Brot bricht, er erscheint wie ein Geist, kann aber wie ein normaler Mensch Fisch essen (Lukas 24, 13-43). Und auch Paulus wehrt sich gegen ein allzu naturalistisches Verständnis: Er unterscheidet zwischen dem irdischen Leib, der stirbt, und dem himmlischen, der aufersteht (1. Korinther 15, 35-58). Er erinnert mich allerdings an einen Pastor, dessen Predigt umso länger wird, je unklarer ihm der Sachverhalt ist. Wie sollen wir uns diesen neuen Leib vorstellen? Als Astralkörper, reine Energie oder Sternenstaub?

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Dabei habe ich Auferstehung durchaus schon erlebt. Vielleicht nicht so wie in der Bibel, ich war natürlich auch noch nicht ganz tot. Aber nah dran. Und ich wäre es bestimmt ohne die Ärzte in Mainz und hier in Hamburg, ohne die Medizin – und wahrscheinlich ohne die Unterstützung vieler Menschen. Es ist allerdings die Art von Auferstehung, die Marie-Luise Kaschnitz in ihrem Gedicht beschrieben hat, das gerne von uns Pastorinnen und Pastoren zitiert wird: „Manchmal stehen wir auf / Stehen wir zur Auferstehung auf / Mitten am Tage / Mit unserem lebendigen Haar / Mit unserer atmenden Haut.“

Aber das ist nicht die Auferstehung, die in der Bibel gemeint ist. Dort wird deutlich gesagt: Jemand ist tot und wird wieder lebendig. Und das liegt außerhalb meiner Lebenserfahrung. Selbst Nahtod-Erlebnisse sind nichts anderes als das: nahe am Tod. Und neurologisch erklärbar. Von „drüben“ ist noch niemand wiedergekommen – außer Jesus. Und das ist eine Frage des Glaubens.

Der Glaube aber spielt sich nicht im Bereich der Erfahrungen ab, sondern im Bereich der Beziehung.

Diese Unterscheidung habe ich von Martin Buber. In seinem Buch „Ich und Du“ unterscheidet er die Du-Welt von der Es-Welt. Wir leben in beiden. In der Es-Welt sind Ich und Welt getrennt. Wir stehen den Menschen und Dingen gegenüber und können auch uns selbst „objektiv“ betrachten. In der Du-Welt gehen wir eine Einheit mit der Welt ein, leben in der Beziehung – unmittelbar und subjektiv. Und so „erfahren“ wir Gott auch nicht durch Anschauung und Denken, sondern nur, indem wir eine unmittelbare Beziehung zu ihm eingehen.

Klingt kompliziert. Und ich bin mir auch nicht sicher, dass ich ganz begriffen habe, was Buber meint. Aber nach vielen Jahren Theologie, theoretisch und praktisch, bin ich mir sehr sicher: Weder Gott noch die Auferstehung begreife ich jemals wirklich durch Denken und Logik, sondern nur, indem ich mich drauf einlasse. Erst dann werde ich mitkriegen, ob an dem Ganzen etwas dran ist.

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Die Fotos stammen von unserem Besuch im „Holy Land Experience“ in Orlando/Florida. Sie zeigen Nachbildungen des Grabes Jesu außen (Beitragsbild) und innen (Bild 1) sowie ein lebensgroßes Diorama von der Auferstehung (Bild 3). (c) Erik Thiesen

 

 

 

20 Gedanken zu “Auferstehung! Auferstehung?

  1. Jutta Seeland schreibt:

    Ja, lieber Herr Thiesen! Genau so ist es!
    Denken und Logik verschaffen uns – gelegentlich – ein Wissen. Das aber hat nichts mir Glauben zu tun.
    Glauben heißt eben genau das (jedenfalls für mich): sich auf eine Idee einlassen, die kein gesichertes Wissen darstellt. Sich vertrauend einlassen, ohne mit logischem Denken den Inhalt der Idee überprüfen zu können – das ist Glauben. Und das fällt all denen schwer, die eben nicht mehr sind wie ‚die Kinder‘.
    Mein Verstand weiß, dass niemand übers Wasser gehen kann, wenn er nicht weiß, wo die Steine liegen, und dass von einem Brot nicht Tausende satt werden. Im übertragenen Sinne kann ich mir aber alles vorstellen. Auch die Auferstehung.
    Und ich glaube daran, dass wir alle das tun. ‚Ihm nach‘ sozusagen. Und wohl gemeinerweise auch die, die gar nicht daran glauben. Letzteres unterscheidet sich von der biblischen Aussage, das ist mir bewusst. Gott sieht es mir nach, da bin ich mir sicher.
    Ich bin in Gedanken immer bei Ihnen, und auch diesbezüglich glaube ich.
    Österliche Herzensgrüße an Sie und ihre Frau!
    Jutta Seeland

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      Liebe Frau Seeland, ob die, die „nicht glauben“, tatsächlich in jedem Fall weiter weg sind vom Glauben oder von Gott? Ich bin mir nicht sicher. Warum fühle ich mich sonst etlichen „Nichtglaubenden“ näher als manchen „Glaubenden“? Ich glaube: Sollten wir uns alle dereinst einmal wiedersehen, werden wir noch so manche Überraschung erleben.
      Herzliche Grüße
      Erik Thiesen

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  2. Thomas Jakob schreibt:

    Regelmäßig zu Ostern gibt es in christlichen Internet-Seiten und Foren Artikel und Beiträge zum Thema Auferstehung, bei denen denjenigen, die nicht im vermeintlich richtigen Sinne an die Auferstehung glauben, also Leuten wie mir, das Christsein gleich ganz abgesprochen wird, wenn nicht vom Autor selbst, dann in den zugehörigen flankierenden Kommentaren.

    Für nachdenkliche Beiträge wie diesen bin ich deshalb sehr dankbar. Sie halten die Kirchentür für mich geöffnet.

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      Lieber Thomas Jakob, Du nennst Dich Schwergläubiger – so der Name Deines Blogs. Mir fällt es schwer, an eine naturalistische Vorstellung von Auferstehung zu glauben, an Wunder, die Naturgesetzen widersprechen, an einen Gott, der alles wunderbar macht und mir aus jeder Patsche hilft. Da habe ich meine ganz eigenen Erfahrungen gemacht.
      In den Exerzitien in Bingen (darüber habe ich in früheren Beiträgen geschrieben) habe ich dem Spiritual immer mal wieder meine Probleme mit Paulus oder Gott selbst erzählt. Und er riet mir: Rede mit ihnen, mit Paulus und mit Gott. Ich hab’s probiert. Es funktioniert. Aber wie in anderen Gesprächen auch: Manchmal kommt man zueinander, manchmal gar nicht. Manchmal bleibt man gelassen, manchmal wird man ärgerlich. Wichtig ist bloß, den Respekt voreinander nicht zu verlieren und den Kontakt nicht abbrechen zu lassen.
      Ich glaube, Du bist auch so einer – der trotz aller Schwierigkeiten den Kontakt nicht abbrechen lassen will. Wir Schwer-Leichtgläubigen sollten zusammenhalten 😉
      Herzlichst
      Erik Thiesen

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      • Thomas Jakob schreibt:

        Lieber Erik, danke für den Tipp, mit Paulus und mit Gott zu reden. Ich halte das für eine gute Idee, werde aber darauf achten, dabei unbeobachtet zu bleiben.
        Herzliche Grüße
        Thomas

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  3. Ralf Liedtke schreibt:

    Ja, die Auferstehung ist logisch nicht zu erklären! In einer Predigt, der ich am Ostermontag beiwohnte, gab es den Versuch, die Brücke mit Nahtod-Erlebnissen zu bauen – in einem modernen Gewand verkleidet (Fußball-WM 2014). Es überzeugte mich nicht. Obwohl es ein schöner Gottesdienst war, blieben meine Zweifel auf der Ebene von Logik und Denken. Da gehe ich mit Jutta Seeland absolut konform.

    Es bleibt also eine Frage des Glaubens und damit der Beziehung zu Gott und denen, die in der Bibel sein Wort vertreten. Danke für den Hinweis, Erik. In dieser Klarheit hatte ich das so noch nicht gesehen. Und der ganz praktische HInweis, in diese Beziehung im „Gespräch“ einzutreten, gefällt mit sehr. Da bin ich auch sehr bei Thomas.

    Also reden wir, miteinander und über unseren Glauben oder Nicht-Glauben, besser Zweifel. So wie hier. Letztere sind berechtigt und es wert, erörtert zu werden. Und wenn sie bleiben, ist es auch gut. Warum nicht! Und wir reden im Stillen und ungestört – mit „Gott“.

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  4. Thomas schreibt:

    Ihr Lieben, was für ein spannendes Thema ! Für mich war und ist es ein langer Weg, auch „gefühlten Wirklichkeiten“ ihre Existenzberechtigung nicht abzusprechen. Neben naturwissenschaftlichen Erkenntnissen leben in mir und anderen Menschen eben auch unsere Sehnsüchte, Träume, Visionen und Hoffnungen, die nur auf einer emotionalen Ebene beschreibbar sind und dennoch existent sind – jedenfalls für mich ! Geborgenheit im Sein – so nannten es schon die Vorsokratiker ! Tief in uns zu erahnen, zu spüren, Teil eines großen Ganzen zu sein, zu erträumen, woher ich wohl komme und wohin ich gehe … Unseren Gefühlen einfach viel mehr Realität zutrauen … Vielleicht ist das Phänomen der Religion wirklich nur emotionalen Menschen zugänglich … wie einem Romantiker wie Rainer Maria Rilke:

    Herbst

    die Blätter fallen wie von weit
    als welkten in den Himmeln ferne Gärten
    sie fallen mit verneinender Gebärde
    und in den Nächten fällt die schwere Erde
    aus allen Sternen in die Einsamkeit
    wir alle fallen
    diese hand da fällt und sieh dir andre an
    es ist in allen
    und doch ist Einer
    welcher dieses Fallen
    unendlich sanft in seinen Händen hält

    Da finde ich mich wieder ! Das kann ich innerlich nachvollziehen, fühlen , spüren … und es erfüllt mich tiefer als so manches theologisch-orthodoxes Reden und Erklären … Und dieser emotionalen Wirklichkeit vertraue ich – nicht, weil ich es muss, sondern weil es mir und manchmal anderen gut tut … :“Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält !“

    Liebe Grüße aus Glücksburg nach Hamburg !

    Thomas

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  5. gebrocheneslicht schreibt:

    @ Lieber Thomas Jakob – das ist anzuraten; sonst könnte man sich dort wiederfinden, wo man plötzlich gaaanz viel Zeit hat, mit Gott zu reden 🙂

    @ Lieber Thomas Rust – ja, die Sprache der Poesie ist oft näher dran an unserem Glauben als die Sprache der Theologen. Ich lese gerade Martin Buber, Ich und Du, und versuche(!) es zu begreifen. Und genau das scheint die Schwierigkeit zu sein: Sobald man versucht etwas zu begreifen, zu beschreiben, zu objektivieren, bewegt man sich in der „Es-Welt“. Doch nur in der „Du-Welt“ begegnen wir Gott. Genau hier spielt sich nach Buber das wirkliche Leben ab: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Ich versuche demnächst mal weiter in Worte zu fassen, was ich meine von Buber begriffen zu haben.

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  6. Ute Klingwort-Finster schreibt:

    Für mich ist der Glaube an die „Auferstehung“ eine ganz große Hoffnung, die Hoffnung, dass mit unserem Tod nicht alles zu Ende ist. Zwischendurch kommt mir allerdings Dorothee Sölle in die Quere, die dieser individuellen Ewigkeitshoffnung eine Absage erteilt hat.
    Aber ich möchte an der Hoffnung festhalten, dass wir uns „wiedersehen“ und dass Gott nicht nur unsere Tränen abwischen, sondern auch eine endgültige Gerechtigkeit aufrichten wird, vor der das Böse in Ewigkeit keinen Bestand hat.
    Ich halte diese Hoffnung für sehr anspruchsvoll, auch kindlich, ja, aber auch anspruchsvoll.

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  7. Thomas schreibt:

    Liebe Ute ! Sicherlich kindlich, aber ganz und gar nicht kindisch … je älter wir werden, so kommt es mir vor, desto mehr kehren „kindliche Gefühlswelten“ in uns zurück … Jemand sagte, das Erwachsenwerden sei so etwas wie ein „ontologischer Schock“ angesichts der Möglichkeit, wie ein kleines Staubkorn völlig bedeutungslos in die Leere , Einsamkeit und Kälte des Universums heraus geschleudert zu sein … Religion versuche in all ihren Variationen, dem Menschen ein viel umfassenderes, die ganze Welt umfassendes Heimatgefühl zurück zu geben und zu vermitteln – jene unbedingte Sicherheit und Geborgenheit, die uns als Erwachsener das frühere Elternhaus nun nicht mehr geben kann … Vielleicht ist da ein Quentchen gefühlter Wahrheit und Wirklichkeit sichtbar in diesem Gedankengang … „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ ist mancher von uns durch die Krisen und Brüche seines Lebens innnerlich ganz anders gegangen …

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  8. Ralf Liedtke schreibt:

    Vor einigen Jahren entspann sich über Pfingsten in unserer damaligen Wandergruppe eine sehr „heftige“ Diskussion über Glaubensfragen. Auf der einen Seite standen Naturwissenschaftler, die alles in Zweifel zogen und letztlich für „Unsinn“ erklärten, auf der anderen Seite überzeugte Christen, die aber nichts „beweisen“ konnten. Die Diskussion führte zu nichts außer einer schlechten Stimmung, weil sie letztlich fehl ging. Ich spürte das irgendwie und zog mich heraus, weil ich nichts „beweisen“ wollte, auch die „Skeptiker“ nicht überzeugen wollte.

    Heute würde ich die Diskussion vermutlich anders führen. Apropos Auferstehung: Das Thema führt ja zu vielen interessanten Beiträgen. Als meine Mutter letztes Jahr im Januar verstarb, waren einige ihrer letzten Worte: Wir sehen uns in einem anderen Reich wieder! Sie ging mit Zuversicht und festem Glauben in eine Art von Auferstehung von dieser Erde. Das war für sie sehr tröstlich und gab ihr sichtbaren Mut.

    Liebe Ute und lieber Thomas: Es ist wahr, dass dem Glauben etwas Kindliches anmutet, gerade wenn man ein Zahlen-Daten-Fakten-Mensch ist. Ich bin noch nicht so weit, dass ich wie meine Mutter bedingungslos an eine Auferstehung glaube. Ich hoffe, dass mit dem Tod kein abruptes Ende unserer Existenz verbunden ist und es irgendwie weiter geht – allerdings nicht mehr mit dieser irdischen. Wie, dazu fehlt mir jede Vorstellung und somit hätte ich noch nicht einmal einen Wunsch oder Erwartung.

    Vielleicht lasse ich mich überraschen. Wenn man keine Erwartung hat, kann man auch nicht enttäuscht werden. Aber wenn trotz Zweifeln Hoffnung und Zuversicht überwiegen, fällt ein Abschied vom irdischen Leben leichter.

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    • Thomas Jakob schreibt:

      Zur Diskussion mit Naturwissenschaftlern: Leider werden solche Diskussionen viel zu selten geführt. Man belässt es lieber von beiden Seiten bei einem faulen Burgfrieden. Naturwissenschaftler sind es wohl irgendwann leid, mit Kirchenleuten zu diskutieren, wollen sie aber auch nicht ärgern. Wie bei einer alten Tante, die manchmal irgendwelche traditionellen Ammenmärchen erzählt, aber eigentlich ganz nett ist und gut mit Kindern umgehen kann. Und Theologen sind vielleicht ganz froh, wenn sie nicht immer wieder zu naturwissenschaftlichen Einwänden Stellung nehmen müssen.

      Zum konkreten Thema Auferstehung: Wenn man in Betracht zieht, dass unmittelbar nach dem Tod irreversible chemische Prozesse einsetzen, limitiert das die Phantasie hinsichtlich einer leiblichen Auferstehung ganz erheblich. Sich dann auf einen Auferstehungsleib zurückzuziehen, bringt auch nicht viel weiter, wenn man eigentlich keine Vorstellung hat, was das eigentlich sein soll. Das ist irgendwann Dialektik pur ohne brauchbare Anknüpfungspunkte zur naturwissenschaftlichen Realität.

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      • Ralf Liedtke schreibt:

        Vielleicht sollten diese Diskussonen häufiger geführt werden. Aber meine erste Frage wäre: Mit welchem Zweck oder welcher Intention?
        Ich habe in der Vergangenheit oft erlebt, dass auf beiden Seiten die „Überzeugungstäter“ überwogen. Selbst mag ich mir weder meinen Glauben nehmen lassen, noch will ich andere von meinem Glauben überzeugen. Ich möchte ernst genommen werden, so wie ich andere auch ernst nehme. Aber allein dies erweist sich mitunter schon als der erste Stolperstein. Schade!
        Wir bewegen uns in diesen Gesprächen auf zwei ganz unterschiedlichen Ebenen, die Erik aus meiner Sicht gut beschrieben hat. Kann man hier in einen wirklichen Dialog kommen oder ist dieser per se nicht möglich?
        Und wenn wir von wissenschaftlichen Erkenntnissen reden, haben auch diese meist nur eine Halbwertszeit. Mich persönlich beschäftigt, ob es so etwas wie eine „Seele“ gibt. Oder überhaupt, was das sein kann. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse kommen wohl zu dem Schluss, dass es eine „Seele“ nicht geben kann. Das mag sein, aber bleibt dies das letzte Wort?
        Eine leibliche Auferstehung ist für mich auch nicht vorstellbar, ohne Frage. Doch daran schließen sich weitere Fragen an: Unterstellt, es gäbe etwas wie eine Auferstehung – wer oder was „steht“ auf und begibt sich auf eine „Reise“ wohin?
        Doch da bin ich fast wieder am Anfang: Da ich diese Fragen nicht beantworten kann und mir vermutlich auch niemand eine Antwort geben kann, bliebe hier nur der Glaube. Oder die momentane Einsicht: Das Leben ist ein Geschenk und ich lasse mich einfach mal überraschen, was nach dem irdischen Tod kommt. Käme nichts, wäre mein Leben trotzdem liebenswert gewesen.

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      • Thomas Jakob schreibt:

        @ Ralf Liedtke

        „Mit welchem Zweck oder welcher Intention?“

        Mögliche Zwecke solcher Gespräche wären: etwas zu lernen, der Wahrheit näher zu kommen, dem anderen näher zu kommen, Verständnis für die eigene Sache zu wecken, oder einfach über Smalltalk hinauszukommen.

        Diese Woche stand in der Zeitung, dass man in einer Gemeinde zwei Stunden gebraucht hat, um das Osterfeuer in Gang zu bekommen, weil das Holz so durchfeuchtet vom Regen war. Als es schließlich brannte, waren die meisten Leute schon gegangen.

        Vielleicht ein Sinnbild für Kirche in Deutschland. Das Denken vieler ist derart durchfeuchtet von naturwissenschaftlich-technischem Weltbild, dass es ganz schwer ist, da noch den Glauben zum brennen zu bekommen. Hoffentlich gehen nicht zu viele, bis man da einen Weg findet.

        „Wenn wir von wissenschaftlichen Erkenntnissen reden, haben auch diese meist nur eine Halbwertszeit.“

        Das stimmt. Und was ist mit Theologie? Mit menschlichen Gottesvorstellungen? Haben die auch so eine Halbwertszeit?

        „Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse kommen wohl zu dem Schluss, dass es eine „Seele“ nicht geben kann. Das mag sein, aber bleibt dies das letzte Wort?“

        Monismus scheint sich tatsächlich besser mit den Naturwissenschaften zu vertragen. Trotzdem halte ich es für möglich, dass der Begriff Seele und vieles, was damit zusammenhängt, sinnvoll ist, um Menschen zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Und dass z. B. in der Bibel wertvolles uraltes Menschheitswissen zu finden ist, das auch für monderne Menschen relevant ist.

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  9. Thomas schreibt:

    Lieber Ralf, ich will ganz ehrlich sein … : Von Jesus als Mensch – so menschlich, dass es schon wieder göttlich ist – war und bin ich immer schon fasziniert. Aber das mit der Auferstehung – da bin ich doch innerlich ziemlich hin- und hergerissen … Manchmal frage ich mich, ob ich diesen Gedanken überhaupt brauche oder ob ich dem Gott dieser Welt in meinen letzten Atemzügen nur ein leises Dankeschön sagen möchte für alles, was mir im Leben zuteil wurde … und das ist sehr, sehr viel ! Vielleicht warten wir gelassen und geduldig ab, wie es wird, was geschieht, wie es sich anfühlt und was uns auf der anderen Seite des Horizontes alles an hoffentlich schönen Überraschendem erwartet …

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    • Ralf Liedtke schreibt:

      Lieber Thomas, aus Deinen Worten schließe ich, dass es Dir ähnlich wie mir geht. Wir haben Zweifel an der Auferstehung und eigentlich auch keinerlei Vorstellung, was Auferstehung eigentlich heißen kann. Wer oder was „steht“ auf und wohin?
      Das Leben ist ein Geschenk, auch das teile ich! Also sich überraschen lassen, ob und/ oder was uns nach unserem Abschied vom irdischen Leben erwartet. Auch damit kann ich gut leben.

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      • gebrocheneslicht schreibt:

        Gestern las ich irgendwo, als ich mich mit dem Chassidismus beschäftigte (einer Frömmigkeitsbewegung im osteuropäischen Judentum seit dem 18. Jh.):

        Ein Zaddik (Gerechter) sagte: Ich bin Zaddik geworden, weil mein Lehrer mich alles lehrte, was er wusste, und ich das hörte, was ich brauchte.

        Ich finde: Es ist gut, dass es die Heilige Schrift gibt, die Dogmen und die Überlegungen der Theologen, damit Erkenntnisse früherer Menschen nicht verloren gehen und neue gewonnen werden. Wichtig aber ist nur, was für mich, für uns, für diese Situation wichtig ist. Was ich begriffen habe und mir zum Leben – und dann auch mal zum Sterben – hilft. Und das kann durchaus das Gegenteil von dem sein, was ein berühmter Theologe oder besonders frommer Mensch sagt denkt und glaubt. Muss es aber nicht. 😉

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  10. gebrocheneslicht schreibt:

    Ihr fragt nach den Anknüpfungspunkten Naturwissenschaft – Glaube. Meine Meinung:

    Wir können uns über den Glauben und über die Religion in wissenschaftlichen Kategorien unterhalten. Aber wir werden dann nur die Außenseite erfassen. Zum Beispiel die Auferstehungsberichte der Bibel: Wir können nur untersuchen, welche Worte benutzten die Menschen und wie haben sie diese Worte damals verstanden, welches Weltbild haben sie (vermutlich) gehabt, welche Wirkungsgeschichte hatten diese Worte? Und dann gleichen wir das mit unseren eigenen Erfahrungen von der „Wirklichkeit“, unserem eigenen Weltbild ab und machen uns ein Bild davon, was damals „tatsächlich“ passiert ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dabei richtig liegen, liegt immer zwischen 0 und 99% – nie bei 100! Denn wir können unser Bild nie verifizieren, dazu müssten wir in der Zeit zurück reisen. Und selbst dann nicht. Ich mag ja den Satz: Ich habe noch nicht mal meine Eltern verstanden, und mit denen habe ich zusammengelebt. Wie soll ich da Paulus verstehen, der seit fast 2000 Jahren tot ist?

    Glauben im Sinn von Vertrauen spielt in einer anderen Liga. Vertrauen kann ich nur zu 100% oder gar nicht. Selbst wenn ich objektiv weiß, dass mich jeder Mensch – der beste Freund, die eigene Frau – betrügen kann, habe ich keine andere Wahl als in diesem Moment zu 100% zu vertrauen. Oder, wenn ich zweifle, mich daran mache, diesen Zweifel zu 100% auszuräumen.

    Die Diskussion kann weitergehen… 🙂

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  11. Ralf Liedtke schreibt:

    Ja. lieber Erik, Glauben spielt in einer anderen Liga, hat viel mit Vertrauen zu tun und ist damit auch eine elementare Beziehungsfrage. Und wenn wir uns „wissenschaftlich“ an Bibeltexte, Religion heranrobben, kann das durchaus nützlich sein, um die Aussagen aus heutiger Sicht zu betrachten und zu verstehen. Und ich selbst bin ein absoluter Fan davon, dass jeder seinen eigenen Zugang hier finden muss und kann. Hintergrundinformationen aus theologisch „belesenen“ Kreisen können dabei immer helfen.

    Nur auf diese Weise können alte tradierte Texte eine neue Wirkung für uns heute entfalten und das wäre schon ein erster guter Schritt. Gleichwohl löst dies nicht das Problem mit dem Glauben. Das sind und bleiben auch für mich 2 Ebenen.

    Danke für Deine Gedanken, lieber Thomas J.:

    Ich teile den beschrieben Zweck für einen offenen Dialog zwischen Wissenschaft und Glaubensfragen und mache einen dicken Haken dahinter. Ich hatte die Frage je selbst gestellt. Den „Burgfrieden“ aufzubrechen wäre dabei das eine, das andere ist vielleicht auch die „Sprachlosigkeit“ auf beiden Seiten zu überwinden.

    Dass die menschliche Gottesvorstellung auch eine „Halbwertszeit“ umfasst, ist ein treffender Gedanke! Insofern ist ein Ringen um die Transparenz unserer Vorstellungen von Gott oder auch der Kernelemente der christlichen Lehre nicht nur wünschenswert, sondern scheint mir zwingend geboten. Aber passiert das und dies auch ausreichend in der Kirche? Ich bezweifele dies.

    Vielleicht ist es auch ein Sinnbild der „modernen“ Kirche, dass ihre offiziellen Vertreter und Sprecher einen offenen Diskurs mit der Wissenschaft nur selten suchen und selbst elementare Fragen des Glaubens öfter hinten anstehen hinter ethischen,hoch moralischen wie auch aktuell-politischen Aussagen. Ob damit das notwendige „Feuer“ für einen Glauben in heutiger Zeit entfacht werden kann – übrigens ein schönes Bild – mag ich eher bestreiten. Hier wird nur ein empfundener und vielleicht schon in die Jahre gekommener Zeitgeist bedient.

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