Plattdüütsch in de Kark

Meine erste Fremdsprache ist nicht Englisch, sondern Plattdeutsch. Ich bin in einer plattdeutschen Umgebung groß geworden. In Angeln sprachen fast alle Verwandten, Nachbarn und Freunde untereinander platt – wenn sie meiner Eltern- oder Großelterngeneration angehörten. Mit uns sprach man Hochdeutsch. Wir sollten in der Schule keine Nachteile haben. In Nordfriesland übrigens sprachen auch die Jugendlichen miteinander platt.

Mein Plattdeutsch hat einen hochdeutschen Akzent. Das spielt aber heute in Hamburg keine große Rolle und ist auch nicht der Grund, dass ich in den vergangenen Jahrzehnten mit plattdeutschen Gottesdiensten und Ansprachen eher sparsam umgegangen bin.

Vielleicht lag es eher daran, dass es in Angeln traditionell unangemessen und unhöflich war, mit dem Pastor und in der Kirche platt zu sprechen. Selbst als einer der bekanntesten „Plattdeutsch-Pastoren“, Dieter Andresen, in Toestrup predigte, sprach ein Kirchenvorsteher – sonst nur in platt unterwegs – mit ihm hochdeutsch.

Ich hatte allerdings auch den Eindruck, dass schon vor 20 Jahren nicht mehr allzu viele Niendorfer platt wirklich verstanden. Damals hatten wir einmal einen Gastprediger aus Norderstedt in unserer Kirche. Der Inhalt seiner Predigt war so evangelikal, dass ich erheblichen Protest aus der Gemeinde befürchtete. Das Gegenteil war der Fall. Die Zuhörerschaft war begeistert. Das konnte eigentlich nur zwei Gründe haben: Entweder sie haben ihn nicht wirklich verstanden und fanden den Dialekt einfach nett. Oder auf platt lassen sich Dinge sagen, die auf hochdeutsch auf Ablehnung stoßen würden. Wahrscheinlich beides.

In besonderen Fällen habe ich durchaus plattdeutsche Gottesdienste gehalten. Eine Beerdigung zum Beispiel – der Verstorbene war ein eingefleischter Plattdeutscher gewesen. Oder ein paar Mal in Quickborn-Heide – dann waren aber auch echte Plattdeutsche aus dem ganzen nördlichen Hamburger Umland dabei. Nicht alle, aber die meisten verstanden auch plattdeutsche „Fachausdrücke“. Und beim Kirchenkaffee konnte ich mich mit den meisten auch auf platt unterhalten.

Plattdeutsch ist inzwischen in Hamburg aber fast nur noch Folklore. Deshalb passt es für mich so schlecht in einen „normalen“ Gottesdienst.

Es gibt allerdings eine Ausnahme, in der ich aus Überzeugung platt spreche: Das Adventssingen auf dem Spielplatz hinter der Kirche. Weil dieses Niendorfer Event genau das ist: Eine Mischung aus Folklore und Christentum. Wenn wir Advents- und Weihnachtslieder singen, dann tun wir es immer aus beiden Gründen: Weil es irgendwie schön ist, Heimatgefühle weckt und zu unserer Tradition gehört. Aber auch, weil in diesen Liedern eine Wirklichkeit zur Sprache kommt und zu uns spricht, die jenseits unserer materiellen Welt liegt. In der Kirche nennen wir sie die Wirklichkeit Gottes.

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