Eine Woche Chemoland

Die letzten Tage waren hart. Härter, als ich gehofft hatte. Aber wahrscheinlich auch besser, als es hätte sein können. In den Vorgesprächen habe ich mich bemüht, bei den möglichen Nebenwirkungen nicht ganz so genau hinzuhören und alles auf mich zukommen zu lassen. Das halte ich immer noch für eine gute Idee.

Vor einer Woche konnte ich noch einen kilometerlangen Spaziergang machen. Jetzt bin ich froh, wenn ich um die Hinschwiese komme. Im Bauch schmerzt und drückt es heftig. Mal sehen, ob die Ärztin morgen eine Idee hat.

In den nächsten beiden Wochen bekomme ich „nur“ Antikörper gespritzt. Die Nachwirkungen sollen überschaubar sein. So geht es weiter, in sechs Zyklen – eine Woche das volle Chemo-Programm, zweimal Antikörper, also 18 Wochen. Das wird ein langer Ritt.

Mit ungewissem Ausgang; denn ob die Therapie anschlägt, wissen wir noch nicht. Und während ich vor der OP in Mainz meine Zukunft noch in Jahren plante, sind es jetzt weitaus überschaubarere Zusammenhänge. Die Grenzen des Lebens werden sichtbarer, gerade wenn sich die Krankheit auch körperlich in den Vordergrund schiebt.

Und doch halte ich mit Christoph Schlingensief daran fest: „So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein.“ Dabei weiß ich doch gar nicht, wie es im Himmel aussieht. Kommt nach dem Tod die ewige Seligkeit? Oder eine neue Aufgabe? Oder gar nichts? Werde ich mit Gott beim Bier sitzen und feiern oder die großen Geheimnisse des Lebens klären? Diese Fragen sind noch nicht dran. Heaven can wait.

Was aber nicht warten kann, und das kann ich nicht oft genug sagen: Hier zu leben, mit Ute, mit der Familie, mit Euch. Ich möchte noch zwei, drei Ideen umsetzen, die ich ganz charmant finde. Ralf fragte auch nach einem Artikel über das Reformationsjubiläum. Auf der Terrasse vor dem Fenster versteckte gestern eine Krähe irgendein Zeugs unter den Steinen. Letzte Nacht hat es gestürmt. Und heute fallen wieder Blätter durch die Sonnenstrahlen.

Es ist so schön, dass es weh tut. Heaven can wait. Definitiv.

18 Gedanken zu “Eine Woche Chemoland

  1. Ingelor Schmidt schreibt:

    Wenn es Dir möglich ist: Ein Artikel von Dir über das Reformationsjubiläum ist eine gute Idee! Ich hatte mir ein kräftiges „Zukunftssignal“ gewünscht; könnte noch nicht mal sagen, wie es hätte aussehen sollen… Und nun ist der niedliche Playmobil-Luther der größte „Erfolg“?!?
    Aber erst einmal: Alle guten Wünsche für morgen! Möge es ein bisschen leichter werden für Dich und für Ute. Ingelor

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  2. Ralf Liedtke schreibt:

    Der Himmel kann warten! Ich/ Wir wollen mit Dir weiterleben, Du bist ein wichtiger Teil von uns! Luther und das Reformationsjubiläum noch einmal anpacken und abrunden – ich fände das schön! Für mich haben wir als Kirche eine große Chance vertan, uns ähnlich wie damals Luther ein Stück neu für die Zukunft zu erfinden.

    Lass Dich/ lasst Euch nicht unterkriegen! Zumindest der nächste Sturm ist vorbei! Ralf

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  3. heidrunbuitkamp schreibt:

    Der Kommentar vor diesem ist von „21:22“ – ha, Dein Blog hat die Zeit nicht umgestellt. Es ist erst 21 Uhr! Ist das nicht toll: Es ist noch längst nicht so spät wie gedacht. Ich wünsche Dir viele, viele, viele geschenkte Stunden, lieber Erik! Einfach mal an der Uhr drehen. Beste Wünsche und viel Kraft für Euch. Heidrun

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  4. Christina schreibt:

    Die meisten Menschen meinen, dass wir über den Himmel nicht viel wissen und auch nicht viel darüber erfahren können. Die landläufige Meinung ist, dass unser Wissen sich auf eine kurze Liste von Verneinungen beschränkt; keine Sonne, kein Mond, keine Nacht, kein Meer, keine Krankheiten, keine Sorgen, kein Leid, keine Tränen und kein Tod. Oh ja, wir müssen zugeben, dass es wunderbar sein wird, aber darüber hinaus wissen wir nicht viel.

    Es stimmt, dass wir nicht alles wissen, was wir gerne wissen würden, oder was unsere Neugierde über unsere himmlische Heimat befriedigen würde. Es ist jedoch erstaunlich, wieviel wir über den Ort, den der Erlöser uns bereitet hat wissen können. Wenn wir die Tatsachen, die die Bibel nennt und die Anhaltspunkte, die deutlich aufgezeigt sind, nehmen und ein wenig geheiligte Vorstellungskraft anwenden, können wir uns ein unbeschreiblich wunderbares Bild von einem unbeschreiblich schönen Ort machen:

    https://clv.de/clv-server.de/wwwroot/pdf/255782.pdf#page=4&zoom=auto,-175,2

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  5. Ralf Liedtke schreibt:

    Liebe Christina,

    wir sind uns bereits in diesem Blog begegnet, konnten aber nicht zueinander kommen. Dazu sind unsere Auffassungen zu unterschiedlich. Trotzdem glaube ich, dass wir gut damit tun, wenn wir die Wertschätzung und Achtung voneinander nicht verlieren. Und bisher würde ich das noch bejahen. Was uns sicher trennt ist, dass ich Dich/ Sie nicht „missionieren“ möchte – sicher auch, weil mein Gottes- und Menschenverständnis ein deutlich anderes ist und bleiben wird.

    Selbst wenn dieses nicht zementiert ist und ich ein in gewissem Sinne Suchender immer bleiben werde. Und dieses,weil ich den Zweifel und die damit aufkommenden Fragen und mögliche neue Antworten für die Triebkraft jeglicher immer auch notwendigen Veränderung und Anpassung halte. Auch und gerade im Blick auf meine Person selbst!

    Ich vermute und empfinde eine gute Absicht Deines/ Ihres Kommentars. Die Botschaft, die ich dahinter spüre ist, Erik Mut zu machen, ihm Zuversicht zu geben ob seiner sicher so ungewissen Zukunft auf Erden. Und dass der Himmel ein unbeschreiblich schöner Ort sein könnte! Und das Du/ Sie das tut, finde ich gut!

    Das Bild, das Du/ Sie hast mag und kann so sein und darüber entscheidet immer der eigene Glaube, woraus er sich auch speist. Wir wissen es nicht. Selbst meine zu Anfang des Jahres verstorbene Mutter – und dies im gesegneten Alter von 93 Jahren – hielt beharrllich an ihrem Wunsch zu leben bis zuletzt fest. Obwohl sie extrem festen Glaubens war, es gibt das so schöne andere nach dem Leben im Diesseits. Eine Ihrer letzten Worte und Glaubenssätze waren, wir sehen uns wieder an diesem, einem anderen Ort. Ein wirklich fester Glaube und trotzdem hat diese durch viele Schicksalsschläge geplagte Frau aus dem ehemaligen Ostpreußen nie die Offenheit und Toleranz für anderes verloren.

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  6. Christina schreibt:

    Lieber Herr Liedtke,

    selbstverständlich wünsche ich Ihrem Freund Erik Thiesen gesundheitlich und auch sonst alles erdenklich Gute. 🙂 Auch weil Lebenszeit ja auch immer noch Gnadenzeit ist, Zeit zur Umkehr usw.

    Das werden Sie mir jetzt sicher als Mission auslegen, macht nichts, denn damit haben Sie nicht mal so Unrecht. Doch was soll an Mission Schlimmes sein? Dass man das Beste für jemand anderen möchte?

    Meinen Kommentar hatte ich vor dem Hintergrund folgender getroffener Aussage verfasst:

    „So schön wie hier kann’s im Himmel gar nicht sein.“ Dabei weiß ich doch gar nicht, wie es im Himmel aussieht. Kommt nach dem Tod die ewige Seligkeit? Oder eine neue Aufgabe? Oder gar nichts? Werde ich mit Gott beim Bier sitzen und feiern oder die großen Geheimnisse des Lebens klären?

    Aufgrund der Bibel können wir schon Einiges über den Himmel wissen. Das wollte ich mit meinem Kommentar rüber bringen. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man der Bibel nicht die göttliche Inspiration abspricht, wie das in liberalen Kreisen leider häufig der Fall ist. Nur, wenn man so denkt, dann könnte man eigentlich gleich die ganze Bibel in die Tonne klopfen. Weil nichts darin verläßlich wäre. Auch der Himmel nicht. Wieso gehen Sie davon aus, dass es den Himmel dann überhaupt gibt?

    Ich finde es z. B. auf dieser Erde nicht so schön, dass ich mir nichts Schöneres vorstellen könnte. Das Einzige, was mich hier halten würde, sind die Menschen, die mir lieb und teuer sind und die meiner Anwesenheit und Hilfe vielleicht noch bedürftig wären. Doch es gibt so viel Leid und Elend hier auf dieser Welt. Den allerwenigsten Menschen geht es so gut wie uns hier in Deutschland, materiell betrachtet. Auch können wir in einigermaßen friedlichen Umständen leben. Das können bei weitem die wenigsten Menschen von sich sagen. Und trotz des Wohlstandes sind auch viele Menschen in unserem Land unglücklich, versinken in Alkohol, Prostitution, Drogen und Selbstmord.

    Was mir noch dazu einfällt sind: Dürren, Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdbeben, Tsunamies usw. Das ist dann die nichtselbstgemachte Seite der Medaille.

    „So schön wie hier kann`s im Himmel gar nicht sein???“ Ist das wirklich ernst gemeint?

    Habe heute auch noch einen anderen und passenden Artikel dazu gefunden:

    Das Insektensterben ist eines der Ergebnisse unserer kollektiven marktpolitischen Wünsche. …und es geht weiter den Bach runter.

    Langsam aber sicher geht es uns an den Kragen. Da können wir noch so gescheit daherreden oder -schreiben. Alles geht den Bach runter mit dieser Giftspritzerei überall. Die Römer hatten sich mit Blei vergiftet, wir vergiften uns mit Spritzmitteln, Glyphosat und und … Jede Epoche geht irgendwann zu Ende! Ob es das Massensterben der Insekten ist, das Leerfischen und Vergiften der Meere, der CO2 Ausstoss, die erwarteten Dürren, kürzere Interwalle bei Naturkatastrophen usw. usw., kurz egal welche Auswirkungen wir in der Natur beobachten, diese sind nur der materielle Spiegel unseres gottlosen, und egoistischen Mehr-haben-wollens. „Was können wir gegen das Insektensterben tun?“
    Die Globalisierung und das unendliche Wirtschaftswachstum beenden. Schließt sich aber aus, da mit diesem Maßnahmen das westlich propagierte „Wachstums- und Gewinnsystem“ alternativlos zusammen brechen würde! Wir sind in einer Falle. Vorwärts immer, Rückwärts nimmer?“ (Zitat: E.H.) Ist schon mal krachend in die Hose gegangen! Erinnern wir uns?

    Allein Gott hat für die sterbende und gerichtsreife Erde und ihre Bewohner eine Antwort: Viele Menschen haben ein Miss-Verständnis von dem, wie der Himmel wirklich ist. Offenbarung 21-22 gibt uns ein genaues Bild von den Neuen Himmeln und der Neuen Erde. Nach der Endzeit werden die jetzigen Himmel und die Erde abgeschafft und von den Neuen Himmeln der der Neuen Erde ersetzt. Die ewige Wohnstätte der Gläubigen wird die Neue Erde sein. Die Neue Erde ist der „Himmel“, auf der wir die Ewigkeit verbringen werden. Es ist die Neue Erde, auf der sich das Neue Jerusalem, die himmlische Stadt, befinden wird. Es ist die Neue Erde, auf der sich die Tore aus Perlen und die Strassen aus Gold befinden werden. gotquestions.org

    Hier gefunden: http://www.soulsaver.de/blog/das-insektensterben-ist-eines-der-ergebnisse-unserer-kollektiven-marktpolitischen-wuensche-und-es-geht-weiter-den-bach-runter/

    Ich wünsche Ihnen und Erik alles erdenklich Gute !!! 🙂

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  7. Martina Kaul und Pastor Trunz schreibt:

    Liebe Christina ,
    Wir möchten Sie bitten keine Texte mehr hier in diesem Blog zu schreiben, die mit der Erkrankung von Pastor Thiesen überhaupt nichts zu tun haben. Der Blog ist dafür da , um Pastor Thiesen Mut zu machen und nicht um Umwelt -Probleme zu diskutieren !!!!!

    Hochachtungsvoll

    Martina Kaul und Pastor Trunz

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  8. gebrocheneslicht schreibt:

    Liebe Martina, lieber Pastor Trunz, ich spüre Eure Sorge um mich, und das tut mir auch gut. Nun werdet Ihr gemerkt haben, dass sich auch die Blogbeiträge längst nicht alle um die Krankheit drehen. Und das hat auch seinen Grund: Das Leben ist viel mehr – ja, eigentlich ist es gerade nicht der Krebs, der das Leben ausmacht. Und das soll nicht nur in den Beiträgen, sondern auch in den Kommentaren zum Ausdruck kommen.
    Und ich möchte ausdrücklich dazu ermutigen, die eigene Meinung zu sagen und die der anderen zu akzeptieren. Das zeigt, wie unterschiedlich wir sind, fördert vielleicht das Verständnis füreinander und lässt mich immer wieder die Vielfalt von Gottes Schöpfung bewundern. Nur wenn wir alle unser Licht in die Welt strahlen lassen, wird es hell.
    Und genau dieses Licht möchte Christina auch für mich anzünden, indem sie von ihrem Glauben und ihren Vorstellungen des Ewigen Lebens erzählt. Und auch wenn meine davon durchaus verschieden sind, sind sie mir nicht fremd.
    Ich freue mich über jeden Kommentar; es könnten auch noch mehr sein.
    Herzlichst
    Erik

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  9. Christina schreibt:

    Liebe Martina Kaul und Pastor Trunz,

    wie kommen Sie auf die Idee, dass ich Umweltprobleme diskutieren möchte? Der Schwerpunkt meiner Aussage (und meiner 2 Kommentare überhaupt) liegt doch auf dem letzten Absatz. und auf dem Begriff „Himmel“ Alles andere ist nur Beiwerk und zum besseren Verständnis gedacht.

    Lieben Gruß
    Christina 🙂

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  10. Ralf Liedtke schreibt:

    Lieber Erik! Da bin ich in Gedanken sehr bei Dir! Aber auch bei Ihnen, Christina, da ich Ihren Beitrag anders und in Ihrem Sinne verstanden habe. Ich versuchte selbst in meinem Beitrag deutlich zu machen, dass wir miteinander im Gespräch bleiben sollten, selbst wenn oder gerade weil wir sehr unterschiedliche Auffassungen zu unserem Glauben haben.

    Liebe Martina Kaul und lieber Pastor Trunz!
    Ich kann Ihren Wunsch nachempfinden, Erik zu begleiten und ihm weiter Mut zu machen. Doch gibt es da nicht ganz unterschiedliche Wege oder auch was tut ihm gut? Ich habe immer wieder Lust auf diesen Blog, weil er bislang ein Marktplatz für ganz viele religiöse und soziale Themen war, die auch mich zutiefst beschäftigen. Direkten Trost spenden ist eine Seite. Die ist gut und wichtig! Die andere ist, und das scheint Deine Lebenskraft, lieber Erik, zu bewahren ist die nun freie, ungezwungene Beschäftigung mit Themen, die Dir wichtig sind und die Du für Dich und als Anregung für andere noch einmal ganz neu durchdringen möchtest. Frei aller Konventionen oder vorweg genommener gefühlter Rücksichtnahme. Und das ist klasse!

    Danke für Ihr dargestelltes Verständnis von Himmel und Erde, liebe Christina. Sicher haben wir eine Schnittmenge darin, dass unsere Erde nicht so schön ist, wie wir uns das von Herzen wünschten! Ihre Beschreibungen über das, was geschieht, sind treffend und kommen von Herzen, auch da bin ich dabei.

    Und doch gibt es Vieles, viele auch kleine Momente in meinem Leben, die mir deutlich machen, was für ein Geschenk dieses Leben ist. Ich will es nicht zurückgeben oder auf einen schönen Himmel warten, sondern dieses in Verantwortung annehmen. Und annehmen bedeutet für ich, mein Leben aktiv zu gestalten und trotz aller Widrigkeiten für mich eine gute Balance im Hier und Jetzt zu finden. Das tut dann mir, anderen und auch der Gesellschaft wie der Natur am ehesten gut!

    Mir scheint Ihr Blick zu eng, fokussiert nur auf das Negative. Ihre Hoffnung ruht allein auf der Zeit nach der Zeit. Sie sprechen hier konkret von der sterbenden und gerichtsreifen Erde und neuen Himmeln und Erden. Das spricht eine Endzeitstimmung aus, die es auch in früheren Zeiten in religiösen Bewegungen immer wieder gegeben hat.

    Der Mensch, so bescheuert er immer auch agiert, bleibt für mich das handelnde Subjekt, an dem ich ansetze. Gott kann transzendente Orientierung sein. Wenn alles so tatsachenfest wäre, wie Sie darlegen, aus Ihrer Interpretation aus der Bibel folgend, so möchte ich folgendes einwerfen oder fragen:

    Die Bibel ist von Menschenhand verfasst und ein Spiegel der Zeit, in dem sowohl universelle wie durch die Zeit geprägte Gedanken deutlich werden. Yuval Noah Harari beschreibt dieses sehr konkret und für mich überzeugend in seinem neuen Buch „Homo Sapiens“, das ich jedem zur Lektüre empfehle. Manches hat mich sehr betroffen werden lassen, gerade auch der Blick in mögliche Zukunftsszenarien, die noch ganz andere sind, als Sie es schildern.

    Zweitens existiert für mich kein klares Bild vom Himmel oder der neuen Erde in der Bibel. Von Tatsachen möchte ich hier ganz schweigen. Wenn Ihnen das Sicherheit gibt, warum nicht. Für mich ergeben sich eher Fragen und Zweifel, die mich auch nicht verunsichern.

    Und drittens: Wenn es so wäre, dass wir Menschen und die Erde erst untergehen müssen, um ein neues noch fragwürdiges Heil zu erlangen, hat Gott dann nicht in seiner Schöpfung richtig gefuscht, als er uns Menschen schuf? Wäre er gar ein Sadist, der Freude und Vergnügen an unserem Untergang findet? Oder ist er gar nicht unfehlbar und fragt sich mittlerweile auch, was er geschaffen hat?

    Immer unterstellt, man könnte ihn personifizieren oder dieses wäre uns hilfreich. Da wären wir wieder bei Eriks Gedanken, mit Gott beim Bier zu setzen. Udo Lindenberg hatte diesen auch schon, er führte ein „Interview mit Gott“.

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  11. Christina schreibt:

    Lieber Ralf Liedtke, Sie schreiben:

    Mir scheint Ihr Blick zu eng, fokussiert nur auf das Negative.

    Das täuscht vielleicht. Ich bin halt Realist.

    Ihre Hoffnung ruht allein auf der Zeit nach der Zeit.

    Das stimmt allerdings. Ich kenne die Menschen und ich kenne mich selbst nur zu gut und weiß, von uns ist nicht allzu viel zu erwarten. Außerdem halte ich es da auch ganz mit dem Apostel Paulus: „Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.“ (1. Kor. 15, 19)

    Die Bibel ist von Menschenhand verfasst und ein Spiegel der Zeit, in dem sowohl universelle wie durch die Zeit geprägte Gedanken deutlich werden.

    Das ist jetzt einfach nur mal eine Behauptung ihrerseits. Genauso behaupte ich das Gegenteil. Wer von uns hat nun Recht? ^^

    Yuval Noah Harari beschreibt dieses sehr konkret und für mich überzeugend in seinem neuen Buch „Homo Sapiens“, das ich jedem zur Lektüre empfehle.

    Ich könnte Ihnen im Gegenzug viele Bücher nennen, die mich von der Falschheit dieser Ihrer Annahme überzeugt haben. Was nun? ^^

    Natürlich ist die Bibel in gewissem Sinne von Menschenhand geschrieben – aber nicht in der Art und Weise, wie Sie davon ausgehen: https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=392

    Und drittens: Wenn es so wäre, dass wir Menschen und die Erde erst untergehen müssen, um ein neues noch fragwürdiges Heil zu erlangen, hat Gott dann nicht in seiner Schöpfung richtig gefuscht, als er uns Menschen schuf? Wäre er gar ein Sadist, der Freude und Vergnügen an unserem Untergang findet? Oder ist er gar nicht unfehlbar und fragt sich mittlerweile auch, was er geschaffen hat?

    Das ist ein so umfassendes Thema. Dazu müßte ich jetzt so viel schreiben, dass ich davon lieber Abstand nehme. Es gibt genug Literatur darüber. Nur soviel dazu: Nein, Gott ist kein Sadist. Er hat keine Freude und Vergnügen an unserem Untergang.

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  12. Ralf Liedtke schreibt:

    Liebe Christina,

    bei aller Skepsis und viel Unbehagen der menschlichen Natur gegenüber ist und bleibt mein Menschenbild doch ein anderes. Jeder von uns kann sich im Laufe seiner Lebensgeschichte entwickeln und an Reife gewinnen.Und damit auch eine andere Rolle und Verantwortung in der Schöpfung Gottes einnehmen.

    Und auch bezüglich der Genese der Bibel und Ihrer Verfasser gehen unsere Vorstellungen auseinander. Dies ist nicht gut oder schlecht, sondern ist einfach so. Ich will Sie auch nicht überzeugen. Warum sollte ich Ihre Bilder nicht verstehen wollen oder auch akzeptieren können, wenn diese Ihnen gut tun?

    Doch stimmen wir darin überein, dass Gott wohl kein Sadist ist und vermutlich auch keine reine Freude an unserem Untergang hat. Und es wäre auch nicht der unsere allein, sondern beträfe dann alle Kinder seiner Schöpfung. Und spätestens hier darf und muss man die Frage stellen, warum er dieses aber alles zulässt, wenn er doch so allmächtig ist.

    Auch bleibt für mich die Frage, warum er uns als Spezie so unvollkommen geschaffen hat, eine Gattung, von der nach Ihren Worten „nicht allzuviel zu erwarten ist“.

    Provokant könnte ich hier fragen: Hat er uns, wenn alle Bemühungen so zwecklos erscheinen,etwa geschaffen, seine ursprüngliche Schöpfung mit allen Pflanzen wie Lebewesen zu zerstören, um später eine andere viel schönere zu kredenzen? Oder: was sind die Gründe, warum er Verantwortung für all das zurückweist?

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  13. Ute Klingwort-Finster schreibt:

    Lieber Ralf Liedtke,

    jetzt schalte ich mich doch mal spontan ein. Ich teile Ihre Sicht der Dinge, Ihre Art zu glauben und Ihre Fragen „an“ Gott. Mir fällt gar nichts Neues dazu ein. Aber es beruhigt mich, dass ich mit diesen Fragen und Zweifeln (in diesem Blog) nicht allein bin.
    Es sind immer wieder die alten Fragen nach Gottes Gnade. Worin zeigt sie sich? Wird alles Böse, was Menschen sich gegenseitig antun, irgendwann vergolten? Es muss doch so sein!

    Erfreulich war für mich der sehr gut besuchte Gottesdienst am Reformationstag in Schnelsen! Die Vorstellung, dass Millionen Menschen weltweit zur gleichen Zeit dieselben Lieder singen, das Vaterunser beten, das Glaubensbekenntnis sprechen, hat mich schon immer fasziniert. Am 31.10. war es neben Gebet und Bekenntnis eben Luthers Hit „Ein feste Burg ist unser Gott“, der nun schon 500 Jahre überdauert hat. Wo bleibt diese ganze geballte Kraft des Singens und Betens? Energie geht doch nicht verloren – wohin geht diese Glaubensenergie? Schade, dass nicht jedes gesprochene Gebet einen Menschen auf der Welt gesund macht.

    Danke für den Buchtipp! Ich empfehle: „Gott los werden? Wenn Glaube und Unglaube sich umarmen“. Mit dem Atheismus sind wir seit vielen Jahren durch familiäre Bande konfrontiert. Das schult einerseits die Streitlust und fördert die Argumentationsvielfalt – und schützt vor Selbstzufriedenheit! -, andererseits ist es eine stete Herausforderung und „Zumutung“. Es macht mich manchmal ziemlich ratlos. Wie einfach ist es, nicht an Gott zu glauben! Ausgebreitet wie ein roter Teppich liegen die Schwächen der Welt vor uns; wir brauchen nur drüberzugehen. Ist das alles Gottes Wille? Wenn nicht, wer ist dann Gott? Wann, wie und aus welchem Grund sollte ich mich auf ihn verlassen können? Ich fange mit diesen Fragen immer wieder von vorne an.
    Eine Kraftquelle ist natürlich der Gottesdienst (dort trifft man mich eher selten); ich habe mir auch wieder vorgenommen, öfter in der Bibel zu lesen (habe mir die revidierte Lutherbibel gekauft), die Kirchentage peppen die Glaubensreserven wieder auf. Ebenso der Gottesdienst am Reformationstag, ein unerwartetes Geschenk. Aber wie alltagstauglich ist mein Glaube? Hat das (Theologie-) Studium mich verdorben? Wenn das möglich wäre, könnte es mit dem Glauben nicht weit her sein. Habe ich schon einmal erfahren, dass Gott mir zugehört oder sogar geantwortet hätte? Kann mich nicht erinnern.

    Es gibt so wunderschöne Gedanken, die bereits in der Welt sind: die Bergpredigt mit ihren Seligpreisungen, die Freiheitsgedanken bei Paulus, die Vorstellungen von Gerechtigkeit bei den Propheten, das Vaterunser, Lessings Ringparabel, Bachs Musik…

    Ist nicht allein die Musik ein Gottesbeweis?

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  14. Ralf Liedtke schreibt:

    Danke für die nette Rückmeldung und Ihre Gedanken, die ich gut teilen kann. Jede Erkenntnis wächst durch Zweifel, aus denen vielleicht die richtigen Fragen entstehen. Manche davon finden bald Antworten, bei anderen dauert es länger und es finden sich auch welche, auf die wir nie eine Antwort finden werden.

    Aber manchmal tut auch der Weg uns gut, selbst wenn wir nicht ans Ziel gelangen. Wir schauen uns um, entdecken Neues und Unbekanntes, nehmen Verzweigungen und manchmal verlaufen wir uns auch. Und trotzdem tut es gut, weil wir weiter suchen, Erfahrungen sammeln und mit uns und in uns „reifer“ werden. Zumindest geht es mir persönlich so.

    Es freut und bestärkt mich, dass es offensichtlich Menschen gibt, denen es ähnlich geht. Und dann denke ich, es wäre doch schön, wenn wir diese Zweifel und Fragen teilen könnten und gemeinsam nach Antworten suchen – so könnte Kirche im engeren Sinne noch viel lebendiger werden.

    Und Musik ist für mich ein göttlicher Funke! Sie strahlt, macht glücklich und öffnet auch andere Welten.

    Vielleicht stimmt es, dass ein Theologie-Studium direkte Zugänge erschweren kann. Als ich Germanistik studierte und jedes Werk nur noch zeitgeschichtlich interpretiert wurde – was ich damals großartig fand – verlor ich die Lust am eigentlichen Lesen. Es brauchte seine Zeit, bis ich diese wiederentdeckte. Und so denke ich heute, dass das Klammern an der Bibel, die nun alles auch für heute erklären soll, nicht unbedingt weiter hilft.

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  15. Christina schreibt:

    Die Bibel ist von Menschenhand verfasst und ein Spiegel der Zeit, in dem sowohl universelle wie durch die Zeit geprägte Gedanken deutlich werden.

    Man kann nicht beweisen, dass die Bibel Gottes Wort ist, aber wenn man Gott und wenn man der BIBEL VERTRAUEN ENTGEGENBRINGT, dann beweisen beide sich selbst.
    (Ulrich Wendel)

    Wer bereit ist, Gottes Willen zu tun, der wird erkennen, ob diese Worte von Gott kommen oder ob es meine eigenen Gedanken sind.
    (Johannes 7,17)

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