Erik Flügge: Der Jargon der Betroffenheit

fluggeWie die Kirche an ihrer Sprache verreckt.

Damit hat Erik Flügge einen Nerv getroffen. Und man redet über ihn. Hart geht er mit der Kirche und ihren Geistlichen ins Gericht: „Verschrobene, gefühlsduselnde Wortbilder reiht ihr aneinander und wundert euch, warum das niemand hören will. Ständig diese in den Achtzigern hängen gebliebenen Fragen nach dem Sein und dem Sinn, nach dem wer ich bin und werden könnte, wenn ich denn zuließe, dass ich werde, was ich schon längst war. Hä?“ – hieß es schon 2015 in einem seiner Blogbeiträge. Daraus hat er ein Buch gemacht. Ute und ich haben es beide gelesen, und es hat uns gefallen.

Vor allem der erste Teil, die Analyse. Erik Flügge versteht es, mit Sprache umzugehen, schreibt flott und vor allem: So wahr! Haben wir uns nicht alle schon mal geärgert über belanglose Predigten und unterkomplexe Radioandachten? Und dieser Ton! Wir könnten und sollten alle mal bei Flügge in die Lehre gehen: Mehr „Mut zur These, Mut zur Echtheit, Mut zur Emotion und Mut zur theologischen Substanz“ (Tobias Jammerthal auf Netzwerk Theologie).

Erik Flügge ist für mich eine Ergänzung zu Bruno Latours „Jubilieren“ (siehe oben). Beide fordern eine persönliche und ehrliche Sprache. Während Flügge aber fragt: „Wie erreiche ich Menschen mit einer modernen Sprache?“, fragt Latour: „Wie spreche ich angemessen über religiöse Gedanken?“

Beide aber meinen, wir sollten uns nicht vorschnell auf den Bibeltext oder andere vermeintlich objektive Dogmen zurückziehen, sondern dem eigenen Glauben vertrauen, dem eigenen Denken und den eigenen Gefühlen. Das ist zwar ein Risiko, aber nur so wird die Botschaft interessant und relevant für die Menschen heute.

Erik Flügge, Der Jargon der Betroffenheit. Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt, Kösel Verlag München 2016

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