Hiob. Ein Mailwechsel

auch 6. Teil der Reihe über die Exerzitien. Bingen, 21. Juli 2016
Die vorherigen Beiträge sind unter dem Stichwort „Bingen“ versammelt.

Das Buch Hiob ist eines der tiefsten, interessantesten und vielschichtigsten Bücher im Alten Testament – kein Wunder, ist es doch selbst aus vielen Schichten entstanden. Es setzt sich mit der alten und immer wieder aktuellen Frage auseinander, warum guten Menschen Böses widerfährt.

Es beginnt mit einem seltsamen „Prolog im Himmel“. Gott und Satan schließen eine Wette ab. „Ich wette“, sagt Satan, „dass die Menschen nur an dich glauben, weil und solange es ihnen gut geht.“ – „Keineswegs“, meint Gott, „sie glauben auch so an mich.“ – „Ich werde es dir beweisen“, sagt der Satan. „Es gibt einen durch und durch guten Menschen. Er ist reich und gesund und glücklich. Wenn ich ihm alles nehme, wird er dich verleugnen.“ – „Er wird es nicht tun“, ist Gott überzeugt. „Aber gut. Du darfst alles mit ihm machen, nur nicht töten.“ Gott wendet sich ab und der Teufel beginnt Hiob zu quälen: Seine Herden und Kinder sterben, er selbst wird krank und verzweifelt. Freunde besuchen ihn und versuchen ihn davon zu überzeugen, dass er irgendetwas Schlimmes getan habe. Hiob aber wehrt sich: „Ich bin ein gerechter Mensch“, sagt er. Am Ende beugt er sich dann der Größe Gottes: Wer bin ich, dass ich dem Allmächtigen sagen könnte, wie er zu handeln habe? Und Gott belohnt ihn für seine Treue – „und Hiob lebte danach 140 Jahre … und starb alt und lebenssatt.“ (Hiob 48, 16-17)

Welch ein Bild von Gott! Unsere Psychoonkologin Sigrid Mathiszig erinnerte es an eine Borderline-Persönlichkeit, die – wie Wikipedia definiert – „durch Impulsivität und Instabilität in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet“ ist. Hiob dagegen ist so gut und vollkommen, dass er gar keine wirkliche Person sein kann. Die Freunde sind Vertreter der damaligen Theologie, die auch heute nicht unbekannt ist: Wem es schlecht geht, muss etwas schlechtes getan haben – wenn Gott denn gerecht sein soll.

Bis heute reizt das Hiobbuch zur Auseinandersetzung, zu Zustimmung und Widerspruch. Zum Beispiel steht es im Zentrum des Buches von Rabbi Harold Kushner, der sich mit der tödlichen Krankheit seines Sohnes auseinandersetzt und von dem ich viel gelernt habe. Und im Deutschen Pfarrerblatt hat mein Kollege Helge Martens einen interessanten Artikel über Hiob geschrieben, der wiederum mich zum Widerspruch gereizt hat. Mit seiner Zustimmung darf ich den Mailwechsel hier veröffentlichen.

Der Artikel, den er geschrieben hat, ist hier nachzulesen.

Am 13. April 2017 um 08:58 schrieb Erik Thiesen <e.u.thiesen@gmx.de>:

Lieber Helge,

Dein Artikel im DPfBl über Hiob hat mich sehr beeindruckt. Die Beschreibung von Hiobs innerem Gespräch entspricht meinen Erfahrungen mit Menschen in solchen Lebenssituationen und meinen eigenen. Seit gut zwei Jahren weiß ich, dass ich Krebs habe. Und diese Krankheit hat tatsächlich „mit Schuld und Unschuld nichts zu tun“, wie Du schreibst. „Sie ist Erfahrung der Absurdität des Lebens.“ Einige Sätze vorher identifizierst Du dieses Leben mit Gott, „der alles bestimmenden Wirklichkeit“ (Bultmann). Genau so habe ich Gott erlebt: Sehr unberechenbar.

Am Ende Deines Aufsatzes aber hört sich das dann wieder sehr harmonisch an. Sicher, Du schreibst „auch“ und „kann“ – aber am Ende bewegt sich Gotteserfahrung zwischen „extrem fordernd“ und „Sinn, Geborgenheit und Trost“. Und „Hiob wird nach diesen Erfahrungen doppelt so stark sein wie vorher“.

Wirklich? Ich erlebe es anders. Dass Hiob noch 140 Jahre lebt und alt und lebenssatt stirbt, ist für mich nicht nur märchenhafte Bildsprache. Das ist Hollywood. In der Realität wird die Absurdität des Lebens nicht aufgelöst. Die Kinder Hiobs wurden nicht mehr lebendig. Menschen sterben vor der Zeit an Krebs. Die Auseinandersetzung mit dem Leiden führt nicht unbedingt zu doppelter Stärke – und was heißt schon Stärke auf dem Hintergrund von Schmerzen, Tod und Leid?

Ja, es gibt Erfahrungen von Glück und Lebensfreude. Sie kommen, wenn ich solche Momente bewusst wahrnehme, wenn ich Krankheit und Tod ausblenden kann. Sie kommen manchmal bewusst und dann wieder unverhofft. Sie kommen nicht immer, wenn ich den Trauerprozess möglichst intensiv durchlaufe – für manche scheint es sogar besser zu sein, wenn sie ihn ignorieren. Sie kommen aber meistens und ganz stark durch andere Menschen.

Und deshalb ist es auch wichtig, dass die Freunde Hiobs Freunde bleiben und nicht nur zu inneren Stimmen werden. Mehr noch als ihre Reden hat mich immer beeindruckt, dass sie erst einmal „saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war“ (Hiob 2, 13). Du schreibst selbst am Schluss, allerdings im Zusammenhang mit Kreuz und Auferstehung: „Hilfe liegt darin, solidarisch das unabänderliche Leid zu teilen und miteinander auszuhalten.“

Was mir immer an Hiob gefallen hat: Dass er stolz seine Unschuld verteidigt hat. Sich nicht zum Opfer machen ließ. Dass er bis zum Schluss mit Gott und dem Schicksal kämpfte. Fast bis zum Schluss. Denn was mir an ihm immer missfiel: Dass er dann doch klein beigegeben hat. Dass er sich zum Wurm machte. „Du bist so groß und ich nur ein Zwerg“ (W. Ambros, Der Watzmann).

Andererseits weiß ich natürlich auch, dass der ständige Protest unglücklich macht. Irgendwann und immer wieder sich einverstanden erklären, das Leben nehmen, wie es ist, erst daraus wächst Zukunft. Aber ich selbst muss Art und Zeitpunkt bestimmen.

Ich rechne allerdings nicht damit, dass die Auseinandersetzung mit meiner Situation jemals wirklich zur Ruhe kommt. Die Erfahrungen von anderen Menschen mit der gleichen Diagnose bestätigen mich darin. Hiobs Weg muss immer wieder gegangen werden.

Ich habe zusätzlich noch den Weg gewählt, meine Gedanken in einem Blog zu teilen: gebrocheneslicht.com.

Herzliche Grüße – und noch einmal vielen Dank für Deinen vielschichtigen Text
Erik Thiesen

 

Von: Helge Martens []
Gesendet: Donnerstag, 13. April 2017 16:48
An: Erik Thiesen <e.u.thiesen@gmx.de>
Betreff: Re: Artikel Pfarrerblatt

lieber erik,

dass tut mir sehr, sehr leid, dass du an krebs erkrankt bist. und ja, das bringt noch eine ganz andere sicht auf das buch hiob – eben jetzt mit deinen augen, deinem lebensumstand. und der unterschied ist natürlich, dass hiob nicht vom tode bedroht ist, aber von der verlusttrauer und das ist nicht dasselbe wie deine lage. ich schrieb ja auch, dass (seine) trauer egoistsich sei (was ihr aber nicht ihr recht nimmt).
und natürlich hast du recht, wenn du anmerkst, die annahme des leidens führe nicht unbedingt zu doppelter stärke. tut sie auch nicht, und schon gar nicht unbedingt – aber es gibt eben – und da war mir das „auch“ sehr wichtig (alles andere wäre hollywood), auch die erfahrung, dass menschen an belastungen (ich sag das jetzt so allgemein) wachsen können – aber sicher ist es noch einmal anders, wenn das eigene leben von einer tödlichen krankheit bedroht ist. ich lese aber auch in deinem blog: „Begegnungen werden intensiver, Erlebnisse bedeutsamer. Wir sind immer noch und immer wieder neu „
spirituell unterwegs“. Das Leben und Gott erscheinen uns in einem neuen Licht – in gebrochenem Licht, das neue Farben hervorbringt.“ steckt da nicht auch etwas darin von der hioberfahrung – auch eine stärke? auch. ohne aufzurechnen.

ja, die freunde (hiobs) sind wichtig, das würdige ich ja auch in meinem aufsatz, ihr stilles bei ihm ausharren. ich nehme sie auch nicht nur als innere stimmen.

dir imponiert der stolz hiobs, er hat was von sich-nicht-klein-machen-lassen. nur hier scheint er mir nicht zu helfen, denn es ging ja nie um schuld. er muss sich (als kind seiner zeit) gegen ein (absurdes) konstrukt (das auch heute oft noch wirkmächtig ist) wehren. dieser kampf ist not-wendig – um von dieser sicht frei zu werden.

aber nein, ich finde gerade nicht, dass hiob klein beigibt. er kämpft nicht mehr gegen das, was nicht mehr zu ändern ist, weil es abgeschlossen ist: der tod der kinder, der verlust von hab und gut, es ist kein klein-beigeben, es ist aussöhnung mit dem, was ist. 1 kleines beispiel aus meiner gemeinde: ein altes ehepaar: hab und gut verloren an das heutige polen: die sind später oft hingefahren, haben sich angefreundet mit den neuen besitzern und der dorfgemeinschaft – versöhnt mit dem verlust, denen ging es gut. eine andere alte dame, gleiche ausgangslage. bis heute von wut und enttäuschung & beharren auf ihrem recht bestimmt. ein verbitterter mensch.

und alles wird doch noch einmal anders, wenn das eigene leben bedroht ist.

davon erzählt das hiobbuch nichts – davon erzählt das kreuz – im osterlicht (bei dem man auch aufpassen muss, dass es nicht zu hollywood wird), osterlicht ist – ich finde dein bild sehr sprechend – gebrochenes licht. und nur dann ehrlich.

lieber erik, ich wünsche dir gesegnete passions- und ostertage!

dein helge

 

Am 13. April 2017 um 22:27 schrieb Erik Thiesen <e.u.thiesen@gmx.de>:

Lieber Helge,

vorweg: Wir sind nicht weit auseinander. Es geht theoretisch gesehen um Kleinigkeiten, die aber gerade bei diesem Thema in der Praxis bedeutend werden.

Hiob ist ein tiefes und vielschichtiges Buch und vieldeutig obendrein. Der Rabbi Harold Kushner schreibt dazu: „Seiner Argumentation ist nur schwer zu folgen, weil der Autor durch einige handelnde Personen Ansichten präsentiert, die er selbst vielleicht nicht teilt, und weil er in einem eleganten Hebräisch schreibt, das nach Tausenden von Jahren schwierig zu übersetzen ist … Die gebräuchliche Feststellung des Glaubens „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ kann auch heißen „ich würde lieber erlöst werden, solange ich noch am Leben bin.“ (Wenn guten Menschen böses widerfährt, S. 41 – sehr empfehlenswert)

Auch das Ende des Buchs Hiob ist mehrdeutig. Deine Sicht ist mir wohlvertraut. Mir geht es darum zu betonen: Es geht nicht alles auf. Und ich glaube nicht, dass es einen großen Unterschied macht, ob das eigene Leben bedroht ist. Ich fände es natürlich sehr schade, Dinge nicht mehr zu tun, die ich noch gerne tun würde. Und ich stimme Christoph Schlingensief zu, der meinte: „So schön wie hier kann´s im Himmel gar nicht sein.“ Aber viel schlimmer fände ich, Frau und Kinder alleine zu lassen. Vielleicht nehme ich mich ja zu wichtig, aber das bedrückt mich sehr. Und noch viel schlimmer wäre es für mich, Frau oder gar Kinder zu verlieren, wie es Hiob und Kushner erleiden mussten.

Und ja, auch durch die Krankheit wachsen schöne Dinge: Wir erfahren so unglaublich viel Zuspruch, Zuneigung und Unterstützung, von Familie und Freunden, Gemeinde und Vorgesetzten. Das Leben bekommt eine besondere Bedeutung. Und das Bewusstsein von Begrenzung fördert die Orientierung an den Maßstäben, was schön ist und was wichtig. Und in der Partnerschaft begegnen wir uns noch einmal in neuer und besonderer Weise.

Und doch ist es mir wichtig zu sagen: Es geht nicht auf. Der Preis ist zu hoch. Es ist nicht gerecht. Und die Auflösung im Hiobbuch unrealistisch. Und dass ich sein Verhalten daran messe, ob er Opfer ist oder nicht, hat mit eigenen Erfahrungen zu tun und dem unbedingten Willen, nicht Opfer sein zu wollen – auch Gott gegenüber nicht.

Noch einmal Kushner, der seinerseits das Drama „J.B.“ von Archibald McLeish aufnimmt: McLeishs Hiob antwortet auf das Problem des menschlichen Leidens nicht mit Theologie oder Psychologie, sondern damit, dass er weiterleben und neues Leben schaffen will. Er verzeiht Gott, dass er die Welt nicht gerechter gemacht hat, und entschließt sich, es zu nehmen, wie es ist. Er hört auf, nach Gerechtigkeit in dieser Welt zu suchen, und sucht statt dessen nach Liebe.“ Oder, um es mit den Worten Sonjas im Film „Ein Mann namens Ove“ zu sagen: „Wir können an den Tod denken oder wir können weiterleben“ – unser „Lichtblick der Woche“ vom 3. Februar. […]

Herzliche Grüße und gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Dir

Dein Erik

 

Von: Helge Martens []
Gesendet: Dienstag, 18. April 2017 15:52
An: Erik Thiesen <e.u.thiesen@gmx.de>
Betreff: Re: Artikel Pfarrerblatt

lieber erik,

ja, du hast recht: es ist  nicht gerecht und der preis ist zu hoch – und selig jeder, der einen solchen preis nicht entrichten muss.

das einzige, in dem ich dir nicht zustimmen kann, ist, die auflösung des hiobbuches sei unrealistisch. ich meine, sie sei eine mögliche realität. es gibt diese „auflösung“, aber sie ist nicht gesetzmäßig immer da. das leben ist weder zwingend gerecht noch zwingend ungerecht. aber es mag angehen, dass hilft, wie ich mich aufstelle. Ich meine, du deutest es auch selber an mit dem verweis auf den hiob von mcleish, der sich entschloss, es zu nehmen wie es ist, und nicht nach gerechtigkeit, sondern nach liebe zu suchen. hiob bekam sie (42, 11ff). und „ove“ auch, auch wenn er bald darauf an „zu großem herzen“ starb.

liebe grüße

dein helge

Am 19. April 2017 um 12:12 schrieb Erik Thiesen <e.u.thiesen@gmx.de>:

Lieber Helge,

Deine Interpretation kann ich gut akzeptieren, weil es ja, je nach Situation, nach meiner Überzeugung gerade in diesen Fragen nicht nur eine Wahrheit gibt. […]

Ich wünsche Dir alles Gute. Viele Grüße,

Erik

Beitragsbild: Gerard Seghers (1591-1641), Hiob mit seinen Freunden

3 Gedanken zu “Hiob. Ein Mailwechsel

  1. Friedhelm Berg schreibt:

    Und Gott belohnt ihn für seine Treue – „und Hiob lebte danach 140 Jahre … und starb alt und lebenssatt.“ (Hiob 48, 16-17)
    Einige Fragen, die sich mir beim Lesen gestellt haben:
    Was ist „lebenssatt“? Dankbarkeit für sein Leben zu empfinden, mit allen Höhen und Tiefen, die es für jeden mit sich bringt? Zufriedenheit? Innere Erfüllung?
    Was heißt alt? Hätte Hiob nicht Gott anklagen können, ihn so FRÜH abzuberufen – was sind 140 Jahre im Vergleich zu 990 Jahren die Methusalem gelebt hat?
    Jemand sagte mal, es gibt drei Arten von Menschen: die, für die das Leben zu kurz ist, die, für die das Leben zu lang ist und die, für die das Leben genau richtig ist.
    Könnte nicht (innere) Erfüllung der entscheidende Faktor sein, dass der Tod akzeptiert werden kann und zwar unabhängig vom Alter? (Heißt nicht, dass man nicht alles unternimmt, um wieder gesund zu werden oder das Ende hinaus zu zögern.)
    Lebte Hiob nicht vor ganz langer Zeit? Wie konnte er dann seinen Zustand der Gelassenheit im Angesicht des Todes erlangen? Was war mit dem Urgroßvater von Jesus, gab es für den keine Erlösung, Jesus war doch noch nicht geboren?

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      „Alt und lebenssatt“ ist eins der schönsten Bilder dafür, wann und wie ich sterben möchte. Alt ist ganz relativ und heißt zunächst einmal: nicht (zu) jung. Ob das 60, 80 oder 250 Jahre ist, kann ich nur für mich selbst entscheiden – und hängt eng damit zusammen, ob ich „lebenssatt“ bin. Das heißt nicht: lebensmüde! Ich denke dabei an ein Buffett: Ich habe wunderbar gegessen, vielleicht auch Dinge, die mir nicht schmeckten, und nun bin ich satt. Es steht noch viel auf dem Tisch, aber nun ist es gut.
      Peggy Guggenheim hat ihrer Autobiogaphie den Titel gegeben: „Ich habe alles gelebt.“ Das ist objektiv Unsinn, und doch einer der schönsten Sätze, die ich über mein Leben sagen könnte. Er heißt einmal, dass ich alles gelebt habe, was mir wichtig war. Und zweitens, dass ich mein Leben wirklich bewusst und aktiv gelebt habe.
      Ich habe (bis jetzt wenigstens) keine Angst vor dem Tod, auch wenn er mir schon ganz schön nahe gekommen ist. Aber ich möchte noch gerne, wie Hiob, einen Nachschlag. Nicht unbedingt 140 Jahre. Aber gut zweistellig dürfte es schon sein.

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  2. Friedhelm Berg schreibt:

    „Lebenssatt“ zu sein und dann zu sterben“ heißt für mich, mit Dankbarkeit im Herzen für das Geschenk des Lebens zu sterben. Von einem solchen Menschen sollte man sagen können: wenn du geboren wirst, dann weinst du und alle anderen lachen, wenn du stirbst dann lächelst du, und alle anderen weinen.

    Dass es für einen Menschen so kommt, ist Gnade und ein lebenslanges Bemühen, am „Puls“ des Lebens zu sein, d. h., jeden Atemzug so viel wie menschenmöglich als ein Geschenk zu erfahren. Das nenne ich bewusstes Sein. Jeder ist Schmied seines eigenen Schicksals, aber der Atem steht nicht in seiner Macht. Ich kann Gott bitten mir ein langes Leben zu schenken und von meiner Seite alles dafür tun. Aber der Zeitpunkt des Todes liegt in Gottes Hand.

    „Ich habe alles gelebt.“ Ich habe vor drei Jahren eine Freundin beim Sterben im Hospiz begleitet, sie war völlig unglücklich, auch da sie noch niemals in New York war. Wenn nun jemand in New York und auf Feuerland war und von Beruf Tiefseetaucher und Jetpilot und und und, hat der alles gelebt?

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