Dialog oder Mission?

Kirche im Dialog (4). Hier, hier und hier stehen die ersten drei Teile

Dass der Vorsitzende des Säkularen Forums Hamburg, Prof. Helmut Kramer, ausgerechnet der Nordkirche ein vordemokratisches Dialogverständnis vorwirft, kann nur bedeuten, dass er entweder eine selektive Wahrnehmung hat, ein Feindbild braucht oder Lust an der Provokation hat. Trotzdem ist auch mir nicht ganz klar, mit welchen Voraussetzungen und Zielen die Kirche in den Dialog hineingehen will.

Will sie den Konfessionslosen die christlichen Inhalte  nahebringen? Man muss es ja nicht machen wie die Zeugen Jehovas, sondern auf die nette Art, etwa wie das Projekt „Neu anfangen – Christen laden ein zum Gespräch“. Wäre dann die Mitarbeit auf den „dritten Feldern“ auch als eine Art Türöffner gedacht, um Menschen mit dem Evangelium in Berührung zu bringen?

Oder will man erst einmal wissen, wie Religionslose überhaupt ticken? Einfach mal ins Gespräch kommen und dann mal sehen, was kommt? Denn, wie Prof. Kramer richtig sagt: Ein respektvoller Gedankenaustausch ist Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben. Aber ist das nicht ein bisschen wenig für eine „bleibende Herausforderung der Kirche“ (Bischof von Maltzahn)?

Mir schwebt ein anderes Modell vor: Eine Gruppe von Christinnen und Christen lebt in einem nichtchristlichen Umfeld ihren Glauben mit Ernst und Konsequenz. Ihre Mitglieder pflegen sorgfältig ihre Traditionen und spirituellen Ressourcen. Ihren Mitmenschen begegnen sie mit Respekt und Verständnis. Sie helfen, wo es nötig ist und arbeiten mit an einem konstruktiven Miteinander. Dietrich Bonhoeffer hat es auf die Formel gebracht: „Beten und tun des Gerechten.“

Es ist vielleicht kein Wunder, dass mir gerade dieses Modell vorschwebt. Ich habe es gerade gesehen, auf DVD (und hier besprochen): „Von Menschen und Göttern“, ein Film über ein Kloster in Algerien. Ich habe davon gelesen, in einer Rede von Navid Kermani, eine Beschreibung über ein Kloster in Syrien. Und ich habe es erlebt. Vielleicht nicht ganz so ideal, aber dafür viel näher, in einer Gemeinde in Niendorf.

2 Gedanken zu “Dialog oder Mission?

  1. Friedhelm Berg schreibt:

    „Mir schwebt ein anderes Modell vor: … Ihre Mitglieder pflegen sorgfältig ihre … spirituellen Ressourcen.“

    Unter Spiritualität verstehe ich ein Bemühen sich des menschlichen Daseins bewusst zu werden. „Bewusst“ hat etwas mit Wissen zu tun. Als eine Aufgabe der Religion sehe ich es, immer mehr Glaubensbereiche auszuleuchten und in Wissensbereiche zu überführen. Was wir wissen, darüber müssen wir weder diskutieren noch Auseinandersetzungen führen. Es kann zum Nutzen aller geteilt werden.
    Das Problem unserer Zeit ist es, dass der Mensch seine wahre Natur nicht kennt. Daher all die Unstimmigkeiten und das wachsende Chaos.
    Im nachfolgenden ein Ausschnitt aus einem Vortrag von LA (einem meiner Lieblingsautoren), der zu dem Thema (denke ich) einiges beitragen kann:

    Die Kraft des Begreifens, die du hast, als Mensch, ist unbegrenzt! Dass all dies geschieht: die Sonne, wo sie jetzt gerade ist, dort wird sie auch morgen sein. Aber es geht nicht darum, dass die Sonne da sein wird.
    All dies wird wiederholbar, auch mein Leben kann wiederholbar werden, und jeder Tag wird gleich – und ich bin im Gefängnis…
    Für mich ist es sehr einfach. Was ist die Definition vom Himmel? Die Definition des Himmels ist sehr einfach. „ Wenn du dich zufrieden fühlst. Wenn du in jener Freude bist. Wenn du etwas erfährst, von dem du möchtest, dass es nie aufhört.
    Was ist die Definition der Hölle? „Wenn du nicht im Himmel bist.“ Es braucht keine Definition für Hölle zu geben. Es braucht keine Definition von Dunkelheit zu geben. Du musst nur Licht definieren.
    Was ist Licht? “ Wenn du wahrnehmen kannst. Wenn du sehen kannst! Wenn du ausloten kannst.”
    In deinem Leben sind diese Augen begrenzt. Die Augen der Weisheit gestatten dir sogar mehr in deinem Dasein auszuloten. Noch mehr zu sehen, alle jene verborgenen Nuancen, von denen du nicht realisiert hast, dass sie da sind. Deine Schwäche zu sehen und deine Stärke. Und an deiner Stärke zu arbeiten, sie stärker zu machen, das ist Weisheit.
    Und das ist die Möglichkeit; das ist es, was du haben kannst. Dies ist es wer du bist. Auf der einen Seite, natürlich, wurdest du geboren; du wurdest aus all dem Zeug zusammengesetzt den wir Schmutz nennen.
    Auf der anderen Seite kann dieser Schmutz sprechen, gehen, schlafen, denken, bewundern, weinen. Die ganze Palette deines Ausdrucks ist das – du schreist, du weinst, du lachst, du verstehst, du verstehst n i c h t. Du wirst verwirrt. Du wirst deprimiert.
    Ich sehe, dass die Menschen so sehr in ihre Probleme reingehen. Und sie geben sich ihren Problemen hin. Das war´s dann.
    “Nichts wird aus mir werden.” Das ist nicht wahr. Von all den Kräften die du hast… Denn das Göttliche, das in dir ist, wenn du es sich manifestieren lässt, wirst du etwas von jenen Kräften bekommen. Und die Kraft ist… zu z e r s t ö r e n jene Eigenschaft von dir, die du nicht möchstest. Oder du kannst deine Güte zerstören, das kannst du auch machen.
    Daher, bei all diesen Paradoxien mit denen wir konfrontiert sind – nur die Weisheit, das Bewusstsein, das Verständnis, die Realität kann uns helfen über all diese Dinge hinaus zu sehen und die Kostbarkeit des Lebens zu sehen.

    The power of comprehension that you have, as a human being, is unlimited! That, all this happens: the sun, where it is right now, it’ll be there tomorrow too! But it’s not about the sun being there.
    As this becomes repeatable, I, my life can become repeatable, and every day become the same—and I am in prison, and prison, and prison, and prison.
    To me it’s very simple! What is the definition of heaven? The definition of heaven is very, very simple. “When you feel content. When you are in that joy. When you are experiencing something that, you never want it to end!”
    What is the definition of hell? “When you’re not in heaven!” There doesn’t need to be a definition for hell. There doesn’t need to be a definition for darkness. You need to only define light.
    What is light? “When you can perceive. When you can see! When you can perceive; when you can fathom!”
    In your life, these eyes are limited! The eyes of wisdom allow you to fathom even more in your existence. To see even more, all those hidden nuances that you do not realize are there! To see your weakness, and see your strength. And to work on your strength, to make that stronger—that’s, that’s wisdom!
    And this is the possibility; this is what you can have. This is who you are. On one hand, of course—you were born; you were put together of all the stuff that you call dirt.
    On the other hand, that dirt can talk, walk, sleep, think, admire, cry. All the palette is there … of your expression—you cry; you weep; you laugh; you understand; you don’t understand. You get confused! You get depressed!
    So, I see human beings—it’s, they get into their problems so much! I mean, it’s like, “Uh-aeaaah!” And they surrender to their problem. That’s it!
    “Nothing will ever come of me.” That’s not true! Of all the power that you have…. Because the Divine that is in you, if you allow that Divine to manifest, you will get some of those powers. And the power is … to destroy that attribute about yourself that you do not want. Or, you can destroy your goodness—you can do that too!
    So, all these paradoxes that we faced with—only the wisdom, the consciousness, the understanding, the reality can help us to overlook, see beyond all of these things, and see the preciousness of life.

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