Veränderungen

Aufmerksamen Leserinnen und Lesern des Blogs wird es nicht entgangen sein, dass die Besprechung zum Film „Von Menschen und Göttern“ über ein Kloster in Algerien vor Kurzem online gegangen ist. In einer Szene sagt ein Mönch: „Wir sind wie Vögel. Wir wissen nicht, ob wir weiterziehen.“ Und eine Frau antwortet: „Die Vögel sind wir. Sie sind der Baum. Wenn Sie fortgehen, wo sollen wir Kraft schöpfen?“

Diese Sätze haben für uns jetzt eine besondere Bedeutung bekommen. Denn wir werden zu Vögeln – wir ziehen weiter. Zum Ende des Monats endet meine Zeit als Pastor der Kirchengemeinde Niendorf. Und damit werden wir auch aus der Promenadenstraße ausziehen.

Über 25 Jahre haben wir hier gewohnt und gearbeitet, haben durchaus Höhen und Tiefen erlebt und unsere Wurzeln geschlagen. Beziehungen sind entstanden, so dass oft die Unterscheidung von „Gemeindegliedern“, „guten Bekannten“ und „Freunden“ fließend geworden ist. Und genau das ist es, was uns in diesen Zeiten trägt. Ihr seid der Baum, wo wir Kraft schöpfen.

Die Veränderungen sind tiefgreifend. In diesem Haus sind unsere Kinder aufgewachsen. Ab jetzt, so sagen sie, heißt es nicht mehr: Wir kommen nach Hause, sondern: Wir besuchen unsere Eltern. Wir lieben den Garten, die Straße mit der Nachbarschaft. Es ist ein sonderbares Gefühl, hier wegzuziehen – auch wenn es praktisch nur 1, 2 Straßen weiter ist. Unsere neue Adresse lautet ab Juni: Zum Markt 1. Es ist eine Wohnung direkt über dem Weltladen.

Über 25 Jahre war ich auch mit Leidenschaft Pastor der Kirchengemeinde Niendorf – anfangs ja noch Niendorf Markt. Und auch wenn es mal kriselte und wir uns sogar nach einer Alternative umgeschaut hatten – wir fanden nichts Besseres. Und besonders die letzten Jahre haben unsere Überzeugung bestätigt, dass wir zur besten Gemeinde überhaupt gehören. Die Feste in den letzten Jahren waren dazu noch einmal die Höhepunkte.

Zukünftig werde ich Pastor „zur besonderen Verwendung“ sein, mit einem Schwerpunkt weiterhin in Niendorf. Wie diese Stelle genau ausgestaltet wird, soll in den nächsten Wochen zusammen mit Propst, Kolleginnen und Kollegen sowie Kirchengemeinderat erarbeitet werden. Sie wird den gesundheitlichen Umständen, meinen persönlichen Fähigkeiten und den Bedürfnissen des Stadtteils angepasst werden. Und darauf freue ich mich.

Wir sind gespannt auf den weiteren Weg. Wir bedanken uns für alle Hilfe und Begleitung und wünschen uns, dass wir die Wege, die wir begonnen haben, mit euch und anderen Menschen fortsetzen können – im analogen Leben oder hier im Blog.

 

3 Gedanken zu “Veränderungen

  1. Friedhelm Berg schreibt:

    Die Veränderungen sind tiefgreifend….

    In der Tat, und auf j e d e n von uns wartet die größte Veränderung, um mit LA zu sprechen „die Mutter aller Veränderungen“. Was kann man machen, wie kann man mit dem Wissen leben, kann man sich vorbereiten, gibt es einen richtigen Weg? Lauter Fragen, nachfolgender Vortrag hört sich für mich gut und tröstlich an.

    Lade Weisheit ein

    Eine Langzeitperspektive auf das Leben erweitert unseren Horizont

    Es gibt zwei Arten dich selbst zu sehen: eine ist die kurzzeitige, eine die langzeitige. Die Weisen sehen auf sich selbst von der Zeit als sie geboren wurden bis zu einer bestimmten Zeit. Sie wissen nicht, was diese Zeit ist, aber die bestimmte Zeit wo sie sterben müssen. Sie betrachten die ganze Abfolge.

    Und daher leben sie nicht von der Hand in den Mund, von Minute zu Minute. Sie sagen tatsächlich, „All die Dinge, die ich mache – und ich mache was richtig ist – und ich lebe im Moment! Und ich verstehe auch diesen großen Augenblick – das dieses Leben selbst ein Augenblick ist.

    „Ich lebe in einem Augenblick – und dieses Leben ist ein Augenblick. Es wird allzu schnell vorbeigehen.“

    Wie viele Leute haben den Schmerz gespürt weil sie wirklich nicht den Tod verstanden haben?
    Nun, ich sage nicht, dass der Tod großartig ist – nein, es ist furchtbar. Aber er ist da. Er ist wie natürlich. Er ist die andere Seite der Geburtsmünze.

    Alles hat zwei Seiten, natürlich, selbst wenn es nur durch Abwesenheit ist. Also, Dunkelheit ist nicht irgendetwas in sich selbst. Es ist nur die Abwesenheit von Licht. Es ist keine Gegenwart. Es ist kein Objekt. Es ist – Dunkelheit ist nichts…nichts! Du kannst sie daher nicht manipulieren. Du kannst sie nicht rauswerfen; du kannst sie nicht hochpacken; du kannst sie nicht nach unten stellen; du kannst sie nicht verändern. Weil sie nur eine Abwesenheit ist.

    Das Licht, auf der anderen Seite, ist etwas. Du kannst es einladen und die Dunkelheit weggehen lassen. Weisheit ist etwas. Du kannst sie einladen und die Dummheit weggehen lassen.

    Und das ist es worum es sich beim Richtigtun handelt – immer die Weisheit einzuladen. Immer die Klarheit einzuladen. Immer zu halten – es ist beinahe so wie du zwei Augen hast – ein Auge zu halten auf den Augenblick der „jetzt“ genannt wird und das andere zu halten auf … nun, auf die ganze Sache. Du wurdest geboren; du bist hier, und eines Tages musst du gehen.

    Und es ändert sich nichts. Sieh, beim Verstehen, wenn du etwas verstehst, ist es so, dass das Verstehen keine Tatsachen verändert. Es verändert dich. Denn da liegt der Unterschied. Es war vorher da, aber du hattest es nicht verstanden – und jetzt verstehst du es. Es bleibt dasselbe, und jetzt verstehst du es. Du akzeptierst es; du weißt, was es ist, jetzt.

    Es ist einfach – der Tod ist der Tod; die Geburt ist die Geburt, und dazwischen ist das Leben. Daher, wenn du das behältst – wenn du diese Perspektive bekommst – was hast du dann zu tun? Dann hast du das Richtige zu tun. Und was ist das Richtige? Keinen Augenblick des Heute zu verpassen. Das ist das Richtige.

    Das „Richtige“ handelt sich nicht um „Sollte ich meiner Freundin einen Brief schreiben?“ Das ist nicht um was das „Richtige“ sich handelt. „Sollte ich meine Freundin jetzt anrufen? Sollte ich jetzt mittagessen? Sollte ich jemand zum Mittagessen einladen? Sollte ich mein Auto aufpeppen?“ Das ist nicht die richtige Sache – denn das wird sich ändern; es ist veränderlich.

    Vielleicht solltest du deiner Freundin eines Tages einen Brief schreiben – oder deinem Freund.

    Die richtige Sache wird „Ich kann das Heute für keinen und nichts opfern. Ich kann heute nicht unbewusst werden.“

    Inviting Wisdom
    Having a long-term perspective on life expands our horizons.
    You see, there’s two ways to look at yourself: one is the short term and one is the long term. The wise look at themselves from the time they are born to a definite time. They don’t know what that time is, but that definite time that they have to die. They look at that whole sequence.
    And so they’re not just living hand-to-foot, minute by minute. They’re actually saying, “All these things that I do—and I do that is right—and I live in the moment! And I also understand this big moment—that this life itself is a moment.
    “I live in a moment—and this life is a moment. It’ll all go by too quickly.”
    How many people sitting here have felt the pain because you really didn’t understand death? Somebody close to you died, and you felt the pain because you really didn’t understand death.
    Now, I’m not saying death is great—no, it’s terrible. But it’s there. It’s as natural. It’s the other side of the coin of birth.
    Everything has two sides, naturally, even if it is merely by absence. So, darkness is not any thing in itself. It’s just absence of light. It’s not a presence. It’s not an object. It’s—darkness is nothing … nothing! So you can’t manipulate it. You can’t throw it out; you can’t put it up; you can’t put it down; you can’t change it. Because it’s just an absence.
    Light, on the other hand, is something. You can invite it and make the darkness go away. Wisdom is something. You can invite it and make the stupidity go away.
    And this is what doing the right is all about—always inviting wisdom. Always inviting clarity. Always keeping—it’s almost like you have two eyes—keep one eye on the moment called “now” and keep the other on…on the whole thing. You’re born; you’re here, and one day you have to go.
    And nothing changes. See, in understanding, when you understand something, it’s… understanding doesn’t change a fact. It changes you. Because there’s the difference. It was there before, but you didn’t understand it—and now, you understand it. It stays the same, and now you understand it. You accept it; you know what that is. now
    It’s just—death is death; birth is birth, and in between is life. So, once you keep that—if you get that perspective—now, what do you have to do? Now, you have to do the right thing. And what is the right thing? Not miss a moment of today. That’s the right thing.
    “Right thing” isn’t about, “Should I write my girlfriend a letter?” That’s not what “right thing” is about. “Should I call my girlfriend now? Should I have lunch now? Should I invite somebody for lunch now? Should I upgrade my car?” That’s not the right thing—because that’s going to change; it’s changeable!
    Maybe someday you should write your girlfriend a letter—or boyfriend a letter.
    The right thing becomes, “I cannot sacrifice today for anybody or anything. I cannot become unconscious today.”

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  2. Ute Klingwort-Finster schreibt:

    Alles Gute für Ihren Umzug ein paar Straßen weiter, liebe Frau Thiesen und lieber Herr Thiesen! Ich werde den Blog weiterhin mit meinen Gedankensplittern begleiten und denke an Sie – auch wenn ich mal nicht aktiv bin!

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  3. Ralf Liedtke schreibt:

    Lieber Erik,
    ja ich kann nachvollziehen, was dieser Umzug für Dich/ Euch bedeutet! Da ist es völlig belanglos, dass die neue Bleibe nur wenige Straßen von der alten entfernt ist. Doch müsst Ihr alle ein Stück mehr als liebgewonnene „Heimat“ aufgeben.

    Ich denke, dass Du Dich vielleicht noch erinnern kannst, wie wir bei beiden bei uns auf der Dachterrasse saßen und über Heimat nachdachten – was insbesondere für mich wichtig war. Du hast in einem schönen Gespräch und Dialog mit dazu beigetragen, dass ich meine Gedanken und Gefühle besser ordnen konnte.

    Es ist wahrscheinlich, dass auch ich meine mir viel Geborgenheit, Freude und Sicherheit gebende „Heimat“ in ansehbaren Zeiten aufgeben werde. Es kann auch ein Tschüss Hamburg geben, damit werde ich dann leben müssen.

    Was ich Dir/ Euch wünsche ist ein hoffentlich behutsames offenes Entdecken des Neuen wie auch ein bewusster emotionaler Abschied von dem Ort, der Euch lange so lieb war. Daswird ohne Trauer nicht gehen, aber wem sage ich das?

    Und natürlich freue ich mich, dass Du in welcher Form auch immer in der Gemeinde erhalten bleibst.

    Für die nächste Untersuchung Dir alles Gute! Ich kann nichts beeinflußen, sondern nur in Gedanken bei Dir sein. Vielleicht hast Du ja Zeit und Lust, dem nächsten Konzert der Kantorei beizuwohnen. Ich würde mich sehr freuen und wir haben ein wirklich schönes und interessantes Programm.

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