Dialog mit Konfessionslosen

Kirche im Dialog (1)

Jüngst schneit eine Pressemeldung auf meinen Schreibtisch, dass die Nordkirche ein neues „Werk“ gründen will: „Kirche im Dialog“ – konkret: im Dialog mit Konfessionslosen.

Dialog finde ich gut. Und wenn die Kirche über den eigenen Rand hinausschaut, finde ich es noch besser. Doch frage ich mich, welche Motive die Verantwortlichen mit dieser Gründung verbinden.

Vor dreißig Jahren habe ich verantwortlich an einem Projekt mitgewirkt, das ähnliche Ziele verfolgte. Neu anfangen – Christen laden ein zum Gespräch – „will den Glauben positiv und niveauvoll für eine ganze Stadt oder Region ins Gespräch bringen und fern stehende Menschen zum Neuanfang im Glauben und in ihrer Beziehung zur Kirche ermutigen“, heißt es heute auf der Webseite. Als wir es in Hamburg durchführten, gemeinsam mit den Katholiken und Freikirchen, gehörten auch noch geschätzte 70% einer dieser Kirchen an. Es war eine großartige Aktion, doch den Trend zum Kirchenaustritt hat sie auch nicht wesentlich beeinflusst.

Vor sechs Jahren gründete die Nordkirche eine Arbeitsstelle mit exakt demselben Namen wie das neue Werk: Kirche im Dialog. Sie versuchte erst einmal herauszufinden, mit wem man überhaupt reden wollte. Sie stellte fest, dass die meisten Konfessionslosen mit ihrer Situation ganz zufrieden waren. Gerne zitiert wurde die Antwort einer Ostdeutschen, die auf die Frage „Sind Sie religiös?“ antwortete: „Nein, ich bin normal.“

Zu den Empfehlungen dieser Arbeitsgruppe gehörte dann auch weniger, mit religiösen Themen an die Öffentlichkeit zu gehen, sondern auf „dritten Feldern“ wie Flüchtlingsarbeit und Kirchbauvereinen mit nichtkirchlichen Akteuren zusammenzuarbeiten. Vor allem aber solle man mit den Gesprächspartnerinnen und –partnern offen und empathisch umgehen, sie nicht vereinnahmen und die Mission Gott überlassen.

Nun also das Werk „Kirche im Dialog“, das in erster Linie Gemeinden und kirchliche Mitarbeitende unterstützen soll im Gespräch mit Außenstehenden. Als erstes wurde eine Fotoausstellung organisiert, in der Künstler, die der Kirche fernstehen, ihre Assoziationen zu „Gott“ darstellen durften – in der Hoffnung, dass unterschiedliche Menschen über das Thema miteinander ins Gespräch kommen. Auf der Webseite heißt es dazu: „Eine der Fotografinnen drückte es so aus: „Die Menschen sitzen vielleicht auf verschiedenen Stühlen, die auch alle anders aussehen. Aber letztendlich schauen sie doch alle in dieselbe Richtung und wollen alle etwas zum Anlehnen!“

Ein schöner Satz, aber stimmt er auch?

4 Gedanken zu “Dialog mit Konfessionslosen

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