Wissenschaft oder Gott

2. Teil der Reihe über den Atheismus
Den 1. Teil findest du hier.

Für mich ist die Wissenschaft das Maß aller Dinge, wenn es darum geht, diese Welt zu erklären. Die „Schulmedizin“ ziehe ich der Homöopathie vor, die Naturgesetze hinterfrage ich nicht, und wenn es irgendwelche Phänomene gibt, die man noch nicht erklären kann, dann sind es eben Phänomene, die man noch nicht erklären kann – und keine Geister, Wunderheilungen oder Gotteserscheinungen. Natürlich hat Shakespeare recht, wenn er sagt: „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als Eure Schulweisheit sich träumen lässt.“ Aber das ist für Wissenschaftler eher ein ziemlich dünnes „Totschlagzitat“ und sagt mehr über unsere Schulweisheit als über die Dinge zwischen Himmel und Erde.

Nein, ich brauche Gott nicht als Platzhalter für unerklärliche Phänomene. Ich glaube auch nicht an Wunder, die die Naturgesetze außer Kraft setzen. Selbst die Entwicklung der Welt kann ich mit der Evolution gut und ausreichend erklären. Dem Kreationismus, der in christlichen und islamischen Kreisen verbreitet ist, stehe ich sehr skeptisch gegenüber.

Und doch komme ich von Gott nicht los. Und das liegt auch, aber nicht nur an meinem Beruf. Und das liegt daran, dass mich die Wissenschaft in anderen Bereichen überhaupt nicht überzeugt. Ein solcher Bereich ist die Liebe.

Ja, die Wissenschaft kann herausfinden, dass wir in der Liebe hormongesteuerter sind als wir manchmal annehmen. „Wissenschaftler entlarven Liebe als physiologischen Vorgang“, schrieb der Focus. Dass bei der Liebe wie bei allen Handlungen und Gefühlen physiologische Vorgänge eine Rolle spielen und dass man sie messen kann, überrascht mich nicht wirklich. Aber es befriedigt mich nicht. Liebe, das ist meine Überzeugung, ist größer und umfassender. Sie ist besonders. Sie umgibt ein Geheimnis. Erst dann wird sie bedeutsam und schön und groß – und poetisch. Es fehlt die Sprache der Dichter wie Max Frisch: „Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertigwerden; weil wir sie lieben, solange wir sie lieben.“

Und wenn ich mich entscheiden sollte, würde ich immer sagen: So ist Liebe. Und wenn sie noch so hormongesteuert ist.

Und so ist es auch mit dem Glauben. Man kann ihn vermessen und dabei viel lernen. Aber er bleibt ein Geheimnis – und gewinnt gerade dadurch seine Kraft. Was Max Frisch vom Liebenden sagt, erfahre ich ganz ähnlich auch als Glaubender.

10 Gedanken zu “Wissenschaft oder Gott

  1. Ralf Liedtke schreibt:

    Als ich vor vielen Jahren mt Freunden in Wales durch eine bizarre Landschaft an der Küste wanderte, machten wir Rast an einem einem Ort, prähistorisch durch einen Steinkreis geprägt.Schien die Atmosphäre anfangs bei Sonne friedlich, freundlich und einladend, wechselte dieses Gefühl ganz schlagartig, als Nebel aufzog.
    Und es war nicht der Nebel – der mich plötzlich ein Stück innerlich erschauern ließ.
    Etwas Ähnliches erlebte ich noch etwas früher nach meinem ersten Examen auf der Fahrt Richtung Bretagne mit meiner damaligen Lebensgefährtin in einem kleinen Audi 50.
    Todmüde unterbrachen wir nachts unsere Fahrt und hielten auf einer Wiese an, um uns ein wenig Schlaf zu gönnen. Nach kurzem Schlaf wachte ich schweißgebadet auf und hatte ein ungutes Gefühl. Startete den Motor und machte die Scheinwerfer an, die frontal auf einen großen Stein/ Menhir leuchteten.

    Warum kommen mir nach Lesen des Beitrages diese Gedanken, frage ich mich. Übersinnliche Kräfte sind schwer oder auch nicht zu messen, ähnlich wie es mit dem Glauben oder auch der Liebe ist – wobei bei letzterer schon ernsthafte wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die aber auch nicht den letzten Grund erklären.

    Wissenschaft oder Gott? Das ist für mich im ersten Empfinden als Gegensatz konstruiert.

    Für mich stecken hier sehr elemente Fragen dahinter:
    – Wie viel Wirklichkeit nimmt der Mensch wahr und kann diese interpretieren? Welche Erkenntnisinteressen leiten diese Wahrnehmung, fördernd wie behindernd? Welche Grenzen müssen/ sollten wir uns eingestehen in enem höchstkomplexen System, das vieles mehr als uns Menschen ausmacht? Welche rudimentären Gaben haben wir trotz wissenschaftlichen Fortschrittes in unserer Menschheitsgeschichte verloren?
    – Was ist unser persönliches konkretes „Gottesbild“ oder unser Bild eines angenommenen/ oder auch verworfenen „Schöpfers“? Wer oder was hat das Universum bis hin zu unserer kleinen Erde geschaffen? Welche Konstrukte schaffen wir uns für das, was wir nicht erklären können und was uns trotzdem unendlich hilfreich ist. Und wie wirklich sind diese oder müssen diese sein?

    Ich finde, dass ein Diskurs darüber spamnend sein könnte.

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      Es gibt in der Tat vieles, was sich unsere heutige „Schulweisheit“ nicht träumen lässt. Für die Menschen des 19. Jahrhundert gehörten Relativitäts-, Quanten- und Chaostheorie dazu. In gewissen Sinn sind sie auch „übersinnlich“, weil sie unserem „gesunden Menschenverstand“ widersprechen – oder widersprachen. Und so glaube ich, dass es auch in Zukunft Fortentwicklungen der Wissenschaft gibt, und dass Dinge erklärt werden können, die heute als übersinnlich gelten.
      Die Fragen nach Gott aber ist für mich eine andere. Für jemanden, der nicht an Gott glaubt, hat das alles auch nichts mit ihm zu tun. Und für den Glaubenden alles – das Übersinnliche wie das heute Erklärbare.
      Genau so viel oder wenig, wie die Liebe „übersinnlich“ ist, halte ich den Glauben für „übersinnlich“.

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  2. Ute Klingwort-Finster schreibt:

    Sehr gut gefällt mir die Formulierung von Heinz Zahrnt, wonach Wissenschaft und Glauben wie die Brennpunkte einer Ellipse verstanden werden können, dass sie Rücken an Rücken stehen und je aus ihrer Sicht die Wirklichkeit betrachten. Sie kommen einander nicht ins Gehege, sondern ergänzen sich. So habe ich es meinen Schülern zu vermitteln versucht. Dazu habe ich (gemeinsam mit einer Kollegin) Zitate von religiösen Naturwissenschaftlern gesammelt, die sich zu ihrer Sicht über das Verhältnis von Naturwissenschaft und Glauben äußern.
    Und ich sehe es noch immer so: Die Naturwissenschaften haben ihre eigenen Fragestellungen und kommen zu eigenen Antworten. Sie können gar nicht in einem Gegensatz zu den „Antworten“ des Glaubens stehen, da der Glaube andere Fragen stellt. Woher komme ich, wohin gehe, was soll ich tun, was ist der Sinn meines Lebens? Darauf gibt es keine „wissenschaftlichen“ Antworten.

    „Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln.“ (Max Planck). Oder: „Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott“ (Werner Heisenberg).

    Diese Gedankenspiele werfen natürlich neue Fragen auf. Wer oder was ist Gott?

    Die Krise der Religion wurde vielleicht durch die Aufklärung ausgelöst; aber inzwischen hat sie sich weiter vertieft. Besonders auf die beiden Weltkriege, die von Deutschland ausgingen und denen bestimmte Blut-und-Boden- sowie Rassetheorien zugrunde lagen, hat die moderne Theologie „Antworten“ gefunden (die, nebenbei bemerkt, genauso zeitabhängig und begrenzt gültig sind wie alle menschlichen Gedanken). Sie sind keine leichte Kost, aber sehr nach-denkenswert. Ich nenne nur Dietrich Bonhoeffer und Dorothée Sölle.

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      „Die Naturwissenschaft braucht der Mensch zum Erkennen, den Glauben zum Handeln.“ (Max Planck). Dem kann ich zustimmen, bedingt. Die Naturwissenschaft gibt Antworten, wirft neue Fragen auf, kann sie beantworten oder (noch) nicht. Im Bereich des Glaubens gibt es zwar viele Fragen, aber keine klaren Antworten. Wenn ich auf die Frage „Liebst du mich“ mit Ja antworte, habe ich nichts in der Hand, was meine Antwort in irgendeiner Weise beweisen könnte. Wie die Liebe vom Vertrauen lebt, lebt das Vertrauen vom Wort („aber auf dein Wort hin“, sagt Petrus zu Jesus in Lukas 5). Wie das aber auch missbraucht werden kann, macht Friedhelm deutlich (nächster Kommentar).
      Bleibt der Ausweg, den Menschen und seinen Glauben nach seinem Handeln zu beurteilen. Aber dann kommt die nächste Schwierigkeit: Was ist gutes Handeln, was schlechtes?
      Glaube bleibt ein Wagnis.

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  3. Friedhelm Berg schreibt:

    Zunächst ein ketzerisches Zitat zum Thema „Glauben“:
    Und- Glauben! Das ist ein anderes Problem! Wir lieben es zu glauben. Wir lieben den Glauben wirklich. Weil uns der Glaube von unserer Verantwortung entbindet. Glauben!
    Das Versprechen lautet: „Vertrauen Sie mir!“ Von wem wird es am meisten verwendet? Von Schwindlern! „Vertrauen Sie mir! Sie haben nichts zu befürchten!“
    Nun ein versöhnlicheres Zitat (beide von LA)
    …der Grund, dass sich überall Unfrieden verbreitet, ist Ungerechtigkeit. Denn der Mensch weiß nicht wer er ist. Er weiß nicht, ob er ein Löwe ist oder ein Schaf. Wer ist er? Er weiß es nicht. Und darum herrscht Ungerechtigkeit.
    Was sollte die grundlegende Religion sein? Denkt einmal darüber nach. Bevor der Mensch anfängt an Götter und Göttinnen zu glauben, sollte die erste Religion Gerechtigkeit sein. Güte zu geben und zu empfangen. Großzügigkeit. Darum beschreiben die Religionen diese Eigenschaften. Ob Hindus, Moslems oder Sikhs, ob Christen oder Buddhisten, egal welche Religion man sich anschaut, alle Religionen heben diese Eigenschaften hervor. Großzügigkeit, Güte, Vergebung. Das ist deine Religion.
    Wenn du nicht verzeihen kannst, wenn du keine Güte zeigst, dann handelst du ungerecht. Und in dieser Ungerechtigkeit vergiss die Hölle, warum? Weil der Mensch mit seiner Ungerechtigkeit die Hölle hier auf Erden erschaffen hat.
    Du brauchst nicht erst zu sterben. Die Hölle ist bereits hier. Wo der Himmel sein sollte, hat der Mensch die Hölle geschaffen. Also, erkenne die wahre, echte Religion. Die echte Religion ist Menschlichkeit, darin liegt Gerechtigkeit und Großzügigkeit.
    Wenn du das erkennst, wenn du dich selbst erkennst, wenn du weißt, wer du bist, dann wirst du erkennen, dass das Glück in dir ist, dass Frieden in dir ist, dass die höchste Kraft in dir ist. Dass Frieden in dir ist, dass Wissen in dir ist, und du wirst erkennen, dass Unwissenheit in dir ist.

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      So sehr ich Gerechtigkeit und Großzügigkeit unterstütze, ich habe meine Schwierigkeiten mit den Begriffen „wahre, echte Religion“. Das hat immer etwas Absolutes.
      Mit der Gerechtigkeit habe ich es momentan ohnehin nicht leicht. Ich empfinde meine Situation als ziemlich ungerecht. Allerdings mache ich dafür keinen Menschen verantwortlich…

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  4. Friedhelm Bertg schreibt:

    Da haben es die Mohammedaner einfacher mit ihrem „Insch´allah“ – so Gott will oder sich dem Willen Gottes zu fügen. Mit dem Kopf vor die Wand laufen wird der Wand nicht weh tun, aber dem Menschen.
    „Wahre, echte Religion“ bezieht sich nicht auf eine Institution oder Kirche, sondern auf die Haltung die ein Mensch anstreben sollte, nämlich menschlich zu sein. Das mag zugegebenerweise in dieser Zeit nicht immer der Fall sein.
    Komme doch nicht umhin um ein weiteres Zitat: “ Wann auch immer, wo auch immer, selbst in der dunkelsten Stunde von Schmerz und Leiden sollten Sie der sein, der sie sind, damit Sie glücklich sein können. Damit Sie zufrieden sein können. Damit Sie Frieden in Ihrem Leben finden können. Das ist wichtig.“
    Möchte zum Schluss mich bedanken für diesen Ihren Blog.

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    • gebrocheneslicht schreibt:

      Ich verstehe es auch so, dass wir die „wahre, echte Religion“ hinter den Worten suchen. Halte es dann aber gerne auch mit Luther, der meinte:
      Das Leben ist nicht ein Sein, sondern ein Werden,
      nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.
      Wir sind`s noch nicht, wir werden`s aber.
      Es ist noch nicht getan oder geschehen,
      es ist aber im Gang und im Schwang.
      Wir sind auf dem Weg. Und müssen herausfinden, ob die Mauern, die sich uns in diesen Weg stellen, zu durchbrechen oder zu übersteigen sind oder ob sie uns ein Hinweis darauf sind, dass wir einen anderen Weg zu gehen haben. In diesem Zusammenhang ein bekanntes Wort bzw. Gebet von Reinhold Niebuhr:
      Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
      den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
      und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

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  5. Ute Klingwort-Finster schreibt:

    Mehreres fällt mir ein:
    Unter „Wirklichkeit“ können wir immer nur das verstehen, was wir wahrnehmen. Auch wenn unsere Wahrnehmung noch so begrenzt ist, kommen wir an dieser Enge unserer Sicht nicht vorbei. Dieses Wissen (oder Ahnen) beunruhigt mich aber nicht. Eigentlich könnte es sogar tröstlich sein: Hinter allem steckt viel mehr, als wir wahrnehmen können. Dies öffnet den Raum für Phantasie, für die Zukunft und auch für den Umgang mit unseren Nöten. Was ich jetzt nicht verstehe, verstehe ich vielleicht später. Was so klar zu sein scheint, ist vielleicht ganz anders.
    Eine Parallele zu Luthers Vorstellung vom Leben als Werden?

    Brauchen wir Religion? Ich meine, ja. So schwierig dies alles im Detail ist: Verlieren wir ohne Religion nicht den Halt, die Orientierung? Werden wir nicht maßlos und vermessen, wenn wir meinen, ohne Gott auskommen zu können? Religion als ein Weg zur Demut – im persönlichen Leben wie auch hinsichtlich gesellschaftlicher Entwicklungen. Haben wir nicht jedes Maß verloren (Stichwort: Atomwaffen), stecken wir nicht dauernd in einer Zwickmühle, eingeklemmt zwischen Machbarkeit und „Nützlichkeit“ für die Menschen (Stichwörter: Digitalisierung, Klonen, Autoverkehr)? Mir fallen viele Beispiele dafür ein, dass wir Menschen Dinge erfinden, die sich als gefährlich herausstellen, die zu größerer Ungerechtigkeit führen, die Leid und Tod produzieren.
    So ist der Mensch, kann man antworten. Klar, es ist toll, was „wir“ schon alles erfunden und entdeckt haben. Aber fast jede Erfindung hat eine Kehrseite.
    Eigentlich müssten „religiöse“ Wissenschaftler sich selber zügeln, indem sie sich bei jeder Erfindung, jeder technischen Neuheit, jeder genialen Idee fragen, ob sie der Menschheit dienen – oder nicht besser auf eine Veröffentlichung verzichten, aus Demut, aus Menschlichkeit, aus Gerechtigkeitssinn?

    Glaube bleibt ein Wagnis, ganz bestimmt. Es gibt keine Garantien. Aber es gibt die „Wolke der Zeugen“, die den Weg des Glaubens gegangen sind, weil sie sich auf dieses Wagnis eingelassen haben. Ich wünsche mir, dass wir Christen unseren Zusammenhalt nicht verlieren, der in jedem Gottesdienst gelebt wird, dass wir unsere reiche Tradition bewahren und weiter vererben (die Musik, die Gebete), dass wir erkennbar bleiben. Und mutig.

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  6. Ralf Liedtke schreibt:

    Schade: schon vor Tagen war ich versucht, mich wieder in die Diskussion einzuklnken, die es mir persönlich echt wert ist. Ich erlebte einen PC-Absturz und meine Gedanken gingen wahrlich flöten.

    Nun noch einmal, wenn auch wenig „sorgsamer“ oder auch flüchtiger bezüglich der bisherigen Beitrage, wo ich den Diskurs spannend und für mich hilfreich empfinde.

    Ja, Glaube ist ein Wagnis, zu dem es keine Garantien gibt. Und trotzdem fühle ich mich damit zunehmend wohl, weil dieser mir in fortschreitendem Alter meiner inneren Balance einfach gut tut – auch in Bezug auf sehr nahe Menschen – die ich durch Abschied von dieser Erde verloren habe.

    Ich bin dieses Wagnis ganz bewusst vor einigen Jahren wieder eingegangen, nachdem ich mich von der Kirche verabschiedet hatte. Hatte ich zwischenzeitlich einen „Glauben“? Ich antworte mit ja, denn natürlich prägten mich christliche wie humanistische Werte.

    Doch die Suche wird für mich heute gezielter: Wer oder was ist Gott? Was ist meine Vorstellung und wie erleben das andere? Vereinfacht ausgedrückt. Ich komme immer wieder auf diese Frage zurück. Und natürlich hat dieses mit der gesamten Schöpfung zu tun, die uns umgibt und noch so viele Fragen – im kleinen wie großen Maßstab – offen lässt.

    Ja! Auch mir tut ein wiederentdeckter Glauben gut und ich möchte diesen für mich weder missen, noch als missionarische Botschaft in die Lande tragen. Das machen andere „Glaubensgemeinschaften“. Ich versuche, meine Rolle auch in der Kirche zu finden, leiste meinen Beitrag. Doch tun wir genug damit, uns ganz orginär mit dem „Glauben“ zu beschäftigen und seiner möglicherweise bis ganz realistischen Vielfalt? Ich erlebe hier für mich zu wenig, und dies ganz oben angefangen, was ich ganz schade empfinde.Macht Kirche zu viel in Politik, zu wenig in dem, was ihre eigentliche Mission ist? Ich stelle mir gerade als ehemals sehr politischer Mensch und „Reveluzzer“ ernsthaft diese Frage.

    Die Beiträge von Friedhelm Berg fand ich für mich sehr anregend, sie hätten noch mehr Aiufmerksamkeit verdient. Das sage ich selbstkritisch. Den letzten Beitrag weiß ich nicht zu deuten, war das der Schluss? Das fände ich schade!

    Das Bild mit der Ellipse. liebe Ute Klingwort-Kilnster, finde ich als gedanklichen Rahmen äußerst hilfreich, Ein schönes Bild. Auch in anderen Gedanken sehe ich ähnliche Blickrichtungen. Und ich wünschte mir, diese zu vertiefen,

    Apropos: Gerade der Glaube ist für mich eher etwas Übersinnliches im Rahmen meiner als Mensch angelegten Potenziale. Ich kann, will ihn nicht messen oder beweisen. ER ist meins und definiert meine Beziehung zu Werten, wie ich mich verhalte und was mir wichtig bist. Die Kirche ist eine Umgebung, die fördern oder auch ausschließen kann.

    Ich persönlich will weder Glauben messen noch beweisen wollen. Gleichzeitig nehme ich Wissenschaft ernst und bin froh, wenn diese unsere Erkenntnisse über uns selbst wie das Umgebene erweitert.

    Und leider wissen wir aus der Vergangenheit: Religion wie Wissenschaft sind vielfach missbraucht worden. Und werden es heute noch!

    Doch wie gehen wir damit um, wenn wir kein klares eigenes Selbstverständnis haben und uns auch gerade über diese Kernfragen offen auseinandersetzen?

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