Bingen, 15. Juli 2016

  1. Teil der Reihe über die Großen Exerzitien

Der Zug fährt in den Hauptbahnhof von Bingen ein. Ich wuchte meinen Koffer aus dem Gepäcknetz. Der Schmerz schießt mir in den Rücken. Schon seit einigen Tagen bin ich offenbar total verspannt. Drei Ärzte konnten bisher nicht wirklich helfen. Der letzte versprach mir immerhin, es würde demnächst besser werden.

Mit dem Taxi fahre ich zu meinem Ziel, dem Kardinal-Volk-Haus auf dem Rochusberg oberhalb des Rheins. Ich werde freundlich empfangen und kann mein Zimmer beziehen, das für die nächsten vier Wochen mein Zuhause werden soll. Dort schaue ich auf die Weinberge und denke an die Zeit, die vor mir liegt.

Ich habe mich zu den „Großen Exerzitien“ angemeldet, die vom Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola entwickelt wurden. Das heißt: Vier Wochen kein Kontakt zur Familie. Vier Wochen schweigen, nur unterbrochen durch das tägliche halbstündige Gespräch mit dem Begleiter. In meinem Fall ist es der Pfarrer Walter Mückstein.

Bingen – Jesuiten – Exerzitien – vier Wochen schweigen? Das klingt schon etwas schräg für einen protestantischen Pastor, der auch sehr gerne redet. Aber mit den Exerzitien war ich schon ein paar Jahre früher in Berührung gekommen, während meiner Ausbildung zum Geistlichen Begleiter. Sie haben also wenig mit Militär, dafür umso mehr mit Gebet zu tun.

Zwei Ausprägungen der christlichen Meditation hatte ich damals kennengelernt. Einmal das kontemplative Gebet, das von der Stille geprägt ist und an den Zen-Buddhismus erinnert. Zum anderen die Ignatianischen Exerzitien, in deren Mittelpunkt die Meditation einer biblischen Geschichte oder eines  religiösen Bildes stehen. Sie sind anschaulicher und entsprechen mir mehr.

Deswegen hatte ich damals auch an den zehntägigen ignatianischen Exerzitien teilgenommen. Das war eine gute Erfahrung gewesen. So gut, dass sie das Herzstück meiner dreimonatigen Sabbatzeit im Sommer 2016 werden sollten.

Ich stand also vor einer Herausforderung. Vier Wochen Schweigen und Auseinandersetzung mit mir selbst. Es sollte eine Herausforderung werden, aber ganz anders als ich vermutet hatte.

4 Gedanken zu “Bingen, 15. Juli 2016

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