Der unheimliche Engel

„Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen“ – das ist seit vielen Jahren der Taufspruchklassiker. Wir möchten, dass unsere Kinder behütet sind, auch wenn wir sie nicht selbst beschützen können. Gut, dass es dann die Engel gibt. Denn „Engel sind himmlische Wesen, die uns beistehen, wenn wir traurig, verzweifelt oder verängstigt sind“, wie es auf der Internetseite Engel-Orakel beschrieben wird.

engel-raffaelOder aber wir sehen Raffaels Engel, „die berühmtesten Lümmel der Kunstgeschichte“ („Die Welt“) vor uns. Doch Engel sind mehr, und sie sind keineswegs immer sympathisch.

Mal´ach (hebräisch) oder angelos (griechisch) heißt schlicht „Bote“. Der Engel bringt eine Botschaft, eine Botschaft von Gott. Und die Menschen, die von Engeln beehrt werden, brechen in den seltensten Fällen in Jubel aus. Der erste Auftritt eines Engels ist der als Wächter vor dem Paradies. Die drei Engel, die zu Abraham kommen, sollen Sodom und Gomorrha zerstören. Gideon muss erst lange überredet werden, ehe er den Auftrag des Engels annimmt, Israel zu retten. Zu Recht. Denn dieser Auftrag bedeutete eine Menge Arbeit und eine Menge Gefahr.

Und Maria? Sie nahm, so hören wir im Weihnachtsevangelium, die Botschaft des Engels Gabriel mit einem bescheidenen Stolz an: Ich darf den Messias gebären. Aber war das wirklich so toll? Zunächst bekam sie eine Menge Ärger wegen der seltsamen Umstände während der Schwangerschaft. Dann sagt sich ihr Sohn im Alter von 30 Jahren von ihr los. Und kurz darauf musste sie zusehen, wie er starb.

Wenn Engel auftreten, dann bringen sie den Alltag aus dem Lot. Sie bringen Gefahr und oft einen frühen Tod. Für normale Menschen, die es gerne normal haben, sind Engel sehr ungebetene Gäste.

Aber manchmal geht das Leben nicht normal. Manchmal gerät es aus dem Lot. Und manchmal steckt dahinter einer dieser ungebetenen Engel, die uns sagen: Du hast eine besondere Aufgabe. Sie ist nicht angenehm. Sie ist gefährlich. Sie kann tödlich enden. Und es ist keineswegs garantiert, dass dich die Menschen danach als Helden feiern. Aber es ist ein Auftrag Gottes. Es ist deine Aufgabe, dass du irgendetwas oder irgendwen rettest, eine Not wendest.

In der Regel wehren sich die Menschen gegen diese Aufgabe. Nicht umsonst treten die Engel in der Bibel meistens mit der Begrüßung auf: „Fürchte dich nicht.“ Sie wissen warum: Denn ihre Botschaft ist manchmal zum Fürchten.

Aber es hilft nichts. Manchmal müssen wir Helden sein. Auch wenn es niemand merkt.

Und es gibt die andere Seite: Wenn wir unser normales Leben verlassen, über uns hinauswachsen, dann beginnen wir zu fliegen. In jedem Fall finden wir unsere eigene Bestimmung. Das haben wir mit unserem Taufengel in der Niendorfer Kirche erlebt, wie dieses Märchen vom Engel, der fliegen wollte, erzählt.

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