Mein Freund Jesus

Es ist wahr, mit Gott dem Schöpfer habe ich so meine Schwierigkeiten. Nicht, dass ich seine Wohltaten übersehen würde. Aber er ist eben sehr unberechenbar.

Anders geht es mir mit Jesus. Auch er hat seine seltsamen Seiten, wenn er zum Beispiel sagt: „Doch diese meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringt her und macht sie vor mir nieder.“ (Lukas 19.27)

Aber insgesamt predigt er Liebe und Respekt und von einem Gott, dem man vertrauen kann. Er selbst bleibt gewaltlos, ja heilt die Menschen.

Eine der schönsten Darstellungen Jesu ist die Ikone „Jesus und Menas“. Sie kommt von menas-meditationden Kopten in Ägypten – Menas war dort im 3. Jahrhundert Bischof – und begleitet uns seit vielen Jahren bei unseren Taizé-Gebeten in der Gemeinde. In Taizé selbst wird sie auch „Jesus und sein Freund“ genannt“.

Jesus – man erkennt ihn am Kreuz im Heiligenschein – legt seinen Arm um Menas. Es ist eine freundschaftliche, behutsame Geste. Sie zeigt die Nähe zwischen den beiden. Freundlich und gelassen sehen die beiden nach vorne.

Sie schauen sich nicht an. Sie sind nicht auf sich selbst bezogen. Nehmen sie die Zukunft in den Blick? Eine gemeinsame Aufgabe? Oder mich, den Betrachter?

Und so verbunden sie wirken, es ist doch ein Abstand zwischen ihnen. Jesus ist nicht Menas, und Menas eine eigene Persönlichkeit. Er wird seinen eigenen Weg gehen müssen. Mit seinen eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten.

Seine Erkenntnis wird symbolisiert durch die Schriftrolle, die er im Arm hält. Sie ist deutlich kleiner als das prächtige Buch, das Jesus trägt: Das ist die ganze Bibel, die ganze Wahrheit. Wir Menschen haben und begreifen nur einen kleinen Teil davon. Aber das muss reichen. Und es reicht.

Die Ikone strahlt eine große Freundlichkeit, Ruhe und Zuwendung aus. Und das gibt mir Kraft.

Jesus steht für die Menschen, die uns unterstützen. Für die Familie, die Freundinnen und Freunde, die Gemeinde und die Nachbarinnen und Nachbarn – und nicht zuletzt für die Gesellschaft und den Staat, die uns ein Leben in Frieden und individueller Freiheit ermöglichen.

All das kann ich ganz gut auf mein Leben übertragen. Nur die Geschichten von den Heilungen klingen für mich weltfremd. Zwar haben die Ärzte schon einige medizinische Wunder mit meinem Körper vollbracht, aber die Krankheit ist nach wie vor sehr bedrohlich. Ich würde ein göttliches Wunder sehr begrüßen.

Ich möchte der Botschaft von Jesus gerne glauben. Denn Jesus erzählt von einem Gott, der für uns da ist und uns mehr gibt als wir brauchen. Er feiert und verspricht, dass das Fest auch im Himmel kein Ende haben wird. Und er fordert uns auf, dass wir uns für das Gute einsetzen. In der Sprache der Bibel: Er ruft uns in die Nachfolge. Das heißt: seinen Spuren zu folgen.

Diesen Weg würde ich gerne noch ein wenig gehen. Wenn ich die Gelegenheit dazu habe. Oder, in der Sprache der Bibel (Jakobus 4, 15): „So Gott will und wir leben“ – ein Wort, das seit dem letzten Jahr für uns eine ganz neue Bedeutung gewonnen hat.

Ein Gedanke zu “Mein Freund Jesus

  1. Daniel Birkner schreibt:

    Die Wundergeschichten – am vergangenen Sonntag war Jesu 2. Wunder im Joh.ev. der Predigttext. Jesus heilt von Ferne den Sohn des römischen Beamten. Ich habe mittlerweile keine Zweifel mehr daran, dass Jesus von Nazareth dazu in der Lage war. Aber es ist eigentlich nicht wichtig und er selbst hat immer darauf Wert gelegt, dass es ihm nicht darum geht, dass er dafür verehrt werden will. Mein abschließender Gedanke in der Predigt war, dass es manchmal das Wunder ist, wenn wir trotz aller Not und aller Sorge, am Glauben festhalten, wenn er daran nicht zerbricht, sondern im Gegenteil die Kraft entwickelt uns trotzdem zu tragen. So heilt er auf dieser Ebene auch heute noch – der ferne und ganz unmittelbare nahe Gott.

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